GOP Varieté in Münster zeigt „Je t’aime“

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Stemmfiguren mit viel Balance: Maryna Sakhokiia tritt im Münster auf und zeigt Equilibristik. GOP

Von Achim Lettmann -  MÜNSTER „My Heart Will Go On“ ertönt nur kurz, und das Publikum in Münsters GOP Varieté Theater schreckt gleich zurück. Nein, das Paar, das sich hier in Position bringt, hat nichts mit den Kinostars zu tun. Die Clowns Raymond und Kotini Junior veralbern große Gefühle.

Und wer im neuen Programm der Varieté-Bühne „Je t’aime (ich liebe dich) – Eine Liebeserklärung“ eine berührende Lovestory erwartet hat, wartet vergebens.

Es geht um beeindruckende artistische Leistungen, die von insgesamt acht Frauen dargeboten werden – mit besonderen Akzenten. Denn selbst die Kraft- und Akrobatik-Nummern wirken an diesem GOP-Abend geschmeidig, ausgewogen und ein bisschen sinnlich. Höhepunkt der Show sind das Trapezduo Evelyne und Shannon, die noch im Mai einen wichtigen Circus-Preis in Basel gewonnen haben. Sie entwickeln eine körperliche Zweisamkeit, wie sie selten zu sehen ist. Die Schwung- und Halteelemente unterm Bühnenhimmel, bei denen jeder Griff und jede Bewegung stimmen muss, werden in inniger Harmonie ausgeführt. Dabei verstrahlt das Duo einen fürsorglichen Umgang in dramatischer Höhe, der mitunter liebevoll wirkt. Trotz körperlicher Höchstleistung gelingen Evelyn & Shannon vor allem anmutige Figurenbilder am Trapez zu klassischer Klaviermusik.

Bei den Repertoire-Nummern des Varieté setzt das GOP-Programm in Münster auf weibliche Ästhetik. Charlotte de la Bretèque hat die Strapaten vervielfältigt und schwingt sich an einer ganzen Reihe von Vertikalseilen in die Höhe. Mit Hilfe dieses „Teppichs“ wirken ihre Übungen sensitiver und weich, so anstrengend sie auch sein mögen. Auch Aurélie Brua schafft am hoch anspruchsvollen Vertical-Pole eine Überraschung, sie wirkt wie eine schwebende Spinne zwischen den Stangen.

Es wird aber im gesamten Programm nicht auf die sportliche Höchstleistung abgestellt. Wichtiger sind den Regisseuren und Clowns Kotini Junior und Ramon Hopman erotische Momente. Maryna Sakhokiia aus der Ukraine, die seit 2013 solo auftritt, zeigt ihr Gefühl für Balance auf zwei Stützen, auf denen sie sich mit ihren Armen hochdrückt. Equilibristik im kleinen Schwarzen. Das bleibt immer stilvoll und passt in die Abendshow. Mila Roujilo bietet mit den glitzernden Hula-Hoop-Reifen flirrende Bewegungsbilder. Später überzeugt die Russin mit einer Jonglage-Nummer mit bis zu acht Bällen.

Viel Tempo bringt Rosa Tyyskä (Finnland) in die Nummernfolge. Sie setzt bei ihrer Cyr-Akrobatik auf die fließenden Bewegungselemente, die mit Tempo ausgeformt werden. Der große Reifen ist bei ihrem Auftritt zum belebenden Schwungrad geworden.

Für Amüsement sorgt Lise Pauton, die als rätselhaftes Vogelwesen durch die Show stelzt und pickt. Mit einer Federperücke lockt sie einen Mann aus dem Publikum und nutzt ihn für ihre Kontorsionsfiguren und für liebestolle Anspielungen. Auch wenn die tiefen Gefühl in der Show „Je t’aime“ fehlen, nette Missverständnisse und egozentrische Übertreibungen unterhalten.

Richtig komisch ist Ramon „Raymond“ Hopman, der eine schlichte Zauberei wider Willen gibt und dabei alle Contenance gegenüber dem Publikum fahren lässt. Herrlich dreist, wie er es auf große Biergläser abgesehen hat. Dagegen zappelt sein Partner Kotini Junior zwischen den Programmpunkten, ein echter Pausenclown. Zusammen geben sie die unterbelichteten Schwerenöter, die den Damen nachstellen, ohne wirklich etwas ausrichten zu dürfen. Bitte nicht anfassen! Dieser launige Ansatz trägt aber nicht in jeder Szene.

Das Schlussbild bietet noch ein überraschendes Pärchen, aber ein Herzgefühl wird nicht entwickelt. Träume bleiben das Thema, und die Erinnerung an einen insgesamt unterhaltenden Abend.

mi-so; bis 31. August; Tel. 0251/4909090; www.variete.de

Quelle: wa.de

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