Trommeln und Hüftkreisen:Shakira in Köln

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Begeisterte in Köln: Shakira.

KÖLN – Shakira kommt im pinkfarbenen Chiffonkleid. Die Königin des Pops sieht aus wie eine Kreuzung aus Miss Piggy und Tiffy aus der Sesamstraße. Noch in der Fanmenge erhebt sie ihre Stimme zu einer ihrer frühen Popballaden. Zu „Penso En Ti“ berührt sie Hände, verteilt Küsschen und lächelt dabei ganz umwerfend. In diesem Moment jubeln ihr 15 000 Fans in der ausverkauften Lanxess-Arena in Köln zu. Es ist nach München und Berlin das letzte Konzert ihrer „The Sun Comes Out“-Tour in Deutschland. Von Andreas Sträter

Als Shakira in Köln aus der Mengenmenge taucht und die Bühne erklimmt, scheint die Sonne tatsächlich über dem Hallenhimmel aufzugehen. Das Licht wird grell, Shakira reißt sich lasziv das Kleid vom Leib und rockt in schwarzer, knapper Leggings und kurzem Oberteil zur Musik ihres neuen, siebten Albums „Sale E Sol“. Mit dem Kleid schwindet die Stimme, die Musik überdröhnt den wunderbaren Gesang der 33-jährigen Kolumbianerin. Dann räkelt sich „Miss Hüftschwung“ am Mikrofonständer und leitet ihren Song „Whenever, Wherever“ ein, mit dem ihr vor etwa zehn Jahren der Durchbruch außerhalb Lateinamerikas gelang. Mit absoluter Körperbeherrschung bewegt sie scheinbar mühelos jeden einzelnen Muskel ihres trainierten Körpers, schleudert wild ihre blonde Lockenmähne vor und zurück – und lässt die Hüften erotisch kreisen. Der Erfolgshit klingt in Köln rockiger als erwartet. Shakira mischt die Rock-Hymne „Unbelievable“ in das Stück und lässt ihre Fans minutenlang auf den finalen Refrain warten. Erst als sie vier blonde Mädchen aus der Menge fischt, die mit ihr auf der Bühne tanzen dürfen, steigt die wilde Party zum Songfinale.

Sechs reizend aufreizende Outfits präsentiert Shakira in den etwa 90 Minuten des Konzertabends, in denen die Fans erstmals auch das Metallica-Musterstück „Nothing Else Matters“ in der Shakira-Version hören. Der Versuch sich dem Klassiker in der Zigeuner-Version zu nähern, misslingt völlig. Das ist schnell vergessen, als die Sängerin zu bekannten Pop- und Merengue-Rhythmen ihre Hüften kreisen lässt. Das Vorspiel zum Lied „Gipsy“ ist spektakulär: Als wäre sie diesem Planeten entfleucht, windet sie sich auf dem Boden und verfällt in ekstatische Zuckungen, die aussehen, als wären sie vom Schlag der Trommel elektrisch ausgelöst. Das ist großartig.

Imponierend ist aber nicht nur ihr energetischer Tanz, sondern ihre Authentizität und Glaubwürdigkeit. Wenn sie fröhlich zu den Liedern „She Wolf“, „Hips Don‘t Lie“ oder „Loca“ über die Bühne wippt, dann wirkt sie einfach nicht wie ein Kunstprodukt von Mentoren, Managern und Plattenbossen. Shakira schreibt alle Songs selbst und erzählt Geschichten dazu. „Der nächste Song ist an einem Abend wie heute geboren. Freunde waren dabei und wir saßen unterm Sternenhimmel“, sagt sie. Dann erhebt sie ihre Stimme zu „Inevitable“ – und es ist wunderschön.

Auch für ihre Ballade „Underneath Your Clothes“ nimmt sie sich Zeit, bleibt tatsächlich einmal auf der Stelle stehen, haucht mit geschlossenen Augen ins Mikrofon – und konzentriert sich auf das Wesentliche, den Gesang. Die ernsthafte Shakira taucht nur selten in Köln auf, dabei setzt sie sich seit Jahren mit eigener Stiftung für mehr Bildung in ihrem Heimatland Kolumbien ein und ist mit dem Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez befreundet. Und: Shakira zählt mit über 50 Millionen verkauften Alben zu den weltweit erfolgreichsten Sängerinnen.

Als der kurzweilige Abend mit Ukulelen, Geigen, Bongos, Elektro-Beats und Reggae langsam zu Ende geht, packt Shakira noch den Sommersong des Jahres aus. Zum Finale singt sie das Lied zur Fußball-Weltmeisterschaft: „Waka Waka (This Time For Afrika)“. Trotz Konfettiregen lässt Shakira jetzt mitten im Winter die Sonne scheinen.

Quelle: wa.de

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