„Titel“: Der Maler Eberhard Havekost im Museum Küppersmühle in Duisburg

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Eberhard Havekosts „Fast Food 1/2 B13“

Von Ralf Stiftel DUISBURG - Das Auge braucht einige Zeit, um sich in gelben, grünen, roten Farbschlieren zu orientieren. Dann kommt der Aha-Effekt: Auf der 80 Zentimeter hohen Leinwand ist, verzerrt zwar und unscharf, eine Quietsche-Bade-Ente abgebildet. „Fast Food 1/2 B13“ hat Eberhard Havekost sein Gemälde genannt, das im Duisburger Museum Küppersmühle zu sehen ist. Ein Titel-Paradox, das Bild taugt gerade nicht zum schnellen Seh-Konsum. Es spielt geschickt mit Verfremdung und pointierter Auflösung.

Havekost, 1967 in Dresden geboren, in Berlin lebend, hat seit 2010 eine Professur an der Kunstakademie Düsseldorf. Das prädestiniert ihn für die Schau im Duisburger Museum, das seit zwölf Jahren den Lehrkräften vom Rhein in der Reihe „Akademos“ ein Forum bietet. Aber der Maler lohnte auch ohne den formalen Anlass eine Schau, er gehört zu den Stars der deutschen Kunstszene, hat seit Jahren Ausstellungen in London, New York, Miami, und Werke von ihm wurden vom MoMA und von der Tate Gallery angekauft. Rund 100 oft wandfüllende Werke sind ausgestellt. In ihnen umspannt Havekost das weite Feld zwischen Fotorealismus zum Beispiel in „Papiermüll“ (2013) bis zur Abstraktion. Gewitzt ist auch der Titel der Schau: „Titel“. Das bezieht sich nicht nur auf die Benennung von Kunstwerken und Ausstellungen. Es lässt auch den akademischen Grad des Professors anklingen.

Manche seiner Arbeiten haben, nicht zuletzt wegen der Unschärfe und weil sie nach Fotovorlagen entstanden, Ähnlichkeit mit Bildern von Gerhard Richter. Havekost selbst reagierte 2012 darauf: Eine Serie von drei Gemälden parodiert Richters Farbfeld-Malerei. Eine annähernd quadratische Leinwand ist in Rechtecke in Blau, Gelb, Grau, Grün, Rot und Schwarz unterteilt. Der Titel lautet „Schöner Wohnen“, was Richter schon recht böse als Dekorateur schmäht. Er habe das Bild nie verstanden, erklärt Havekost.

Seine eigenen Bilder sollen verstanden werden, manchmal kommen sie als politischer Kommentar daher. 2012 malt er eine Drohne, mit der die USA aus der Distanz Terroristen töten. Das 2,70 Meter breite Bild ist fast vollständig grau, in der rechten oberen Ecke sieht man das Fluggerät, das Havekost durchaus schön findet, gleichsam im Fokus. „Security Investment“ nennt der Künstler das Gemälde. Die zweiteilige Arbeit „Detroit“ (2011/12) mag man auf die globale Krise der Autoproduktion beziehen: Eine große Tafel zeigt in Grautönen eine aufgeklappte Autotür, wohl am Fließband. Daneben hängt, kleiner und in grellen Farben, eine pastos gemalte Komposition, die die Rechteckformen mit den gerundeten Ecken aufgreift.

Havekost malt Bilder nach Bildern, meistens sind es gefundene Motive aus Zeitschriften oder dem Internet, die er am Rechner zusätzlich manipuliert. „Ocean“ heißt ein Gemälde von 2012, für das er eine Kosmetik-Anzeige als Vorlage nahm. Man sieht den extrem angeschnittenen Körper einer Frau, vor allem ein Bein, unter dem das Meer grünlich schimmert. Havekosts Bild ohne Werbebotschaft verdeutlicht den Umgang mit dem weiblichen Körper als Konsumobjekt.

Er greift aber auch auf eigene Schnappschüsse zurück, die manchmal beiläufig entstanden. Sonnenuntergänge mutieren dann zu kaum noch als Landschaftsansichten erkennbarem Farbgewölk, dessen Gelb- und Rottöne – nicht zuletzt durch den Titel „The End“ – an Explosionen denken lassen, vielleicht gar atomare.

Diese Art, Bilder durch das Nach- und Ummalen zu kommentieren und zu thematisieren, macht Havekosts Kunst aus. Bei aller handwerklichen Brillanz – er führt seine Gemälde eigenhändig aus – trägt seine Arbeit konzeptuelle Züge. So unterscheidet er zwischen den Bildern, deren Oberfläche glatt ist und die Handschrift, die Pinselzüge praktisch verschwinden lässt, und anderen, auf denen er die Farbe dick und wild auftrug. Diese „gestischen“ Bilder seien für ihn realistisch, im Gegensatz zu den „reproduktiven“. In der Serie „Wald“ (2009) erkennt man Nahansichten von Stämmen auf den sieben Hochformaten, jede Tafel gleichsam das Passbild eines Baums.

Vor einem Übermaß an Romantik freilich ist Havekost gefeit. In den groben, abstrakt wirkenden Pinselschlägen von „Mario Kart“ (2012) kann man mit etwas Fantasie die Szenerie des Computerspielklassikers ausmachen.

Eberhard Havekost: Titel im Museum Küppersmühle, Duisburg. Bis 20.10., mi 14 – 18, do – so 11 – 18 Uhr.

Tel. 0203 / 301 948 10, www. museum-kueppersmuehle.de, Katalog, Wienand Verlag, Köln, 28,50 Euro

Quelle: wa.de

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