Tillmann Schnieders begeistert mit „chanSongs“

HAMM – Hamms populärer Exportschlager hat wieder einmal Station in der Heimat gemacht: Tillmann Schnieders hatte erneut zu einem musikalischen Abend ins Kurhaus eingeladen, und so viele „Fans“ kamen, dass es ausverkauft war. Der sich selbst längst als „Berliner“ bezeichnende Künstler enttäuschte seine Fangemeinde nicht und präsentierte ein abwechslungsreiches Programm jenseits der ihm zugeschriebenen Profession als Musical-Darsteller. Von Kristin Makac

Schnieders erläuterte den Namen seines Programms selbst: „Alles chanSong“ sei ein Wortspiel aus „Chanson“ und „Song“ und verweise auf die große Bandbreite dessen, was er präsentieren wolle. In der Tat ließ er sich nicht festlegen, sein Repertoire umfasste Chansons, Titel aus Revuefilmnummern und Popsongs, Satirisches wie Romantisches, Witziges und Melancholisches. International sollte es sein, aber – durchaus ein Pluspunkt – nur zwei englischsprachige Lieder bot Schnieders das, weil er lieber auf die Fülle großartiger deutscher Texte zurückgriff.

Perfekt platziert war die Veranstaltung innerhalb der „Esprit“-Reihe des städtischen Kulturbüros, in der nur für knapp 200 Zuschauer bestuhlt wird. Schnieders nutzte die Gelegenheit, dem Abend zur atmosphärischen Dichte und Intensität eines Clubkonzerts zu verhelfen, auch wenn dem ehemaligen Waldbühnenkind das Lampenfieber anzumerken war.

Übermotiviert stürmte er ans Mikrofon, sang die ersten zwei, drei Nummern etwas gepresst und zappelte auf dem Barhocker zu viel herum. Doch die anfängliche Nervosität ließ schnell nach, gefühlvoll und souverän führte Schnieders das Publikum durch sein anspruchsvolles Programm.

Bissig-böse Lieder wie „Umgebracht“ und „Ja, Schatz“ sorgten für Gänsehaut; Pippi Langstrumpf als „Auslaufmodell“ und das moderne „Aschenbrödel“ mit tuntiger Fee, rappendem Prinzen und sächselndem Küchenjungen lösten großes Gelächter aus; sensible Songs wie „Das Beste“, „Rinnsteinprinzessin“ oder „Sänger sein“ wurden zu Wohlfühlliedern auch für die Zuhörer. Das düstere Intermezzo mit Texten und Liedern unter anderem von Hanns Eisler und Mascha Kaléko gefiel nicht jedem, lag Schnieders aber offensichtlich am Herzen.

Seit mehreren Jahren wird Schnieders von Nikolai Orloff begleitet. Die beiden Künstler sind fantastisch aufeinander eingespielt, agieren mit großem Spaß und ernsthafter Leidenschaft. Orloff vermag als Begleiter die Regungen und Wendungen des Sängers aufzunehmen und zu umrahmen, ohne seine eigene Identität als Musiker in den Hintergrund zu stellen. Ein tolles Duo mit zwei gleichwertigen Partnern. Mit donnerndem Applaus forderte das Publikum mehrere Zugaben ein.

Quelle: wa.de

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