„Theater der Welt“ startet mit Barockoper

ESSEN – Eine Video-Schaltkonferenz darüber, dass ein Scheich auf der Zeche Zollverein ein Luxushotel bauen will. Eine Inszenierung von Tschechows „Kirschgarten“ in einem Waldstück bei Vilnius als Video-Live-Übertragung. Eine Führung durch eine Sammlung zu Barbara, der Schutzheiligen der Bergleute. Das alles gehört zum Programm von „Theater der Welt“, dem internationalen Festival, das im Rahmen der Kulturhauptstadt in Mülheim und Essen stattfindet. Gestern präsentierte die Direktorin Frie Leysen im Essener Aalto-Theater das Programm.

Es ist der Kulturhauptstadt zu verdanken, dass das Festival nach Essen 1991 wieder ins Ruhrgebiet kommt. Roberto Ciulli, Intendant des Mülheimer Theaters an der Ruhr, hatte die Idee – und suchte sich mit Anselm Weber, seinem Kollegen vom Schauspiel Essen, einen Partner. Mit Zuschüssen von Ruhr.2010 und der Strahlkraft des Hauptstadtprogramms gelang es sogar, das Internationale Theaterinstitut dazu zu bewegen, den Festival-Turnus zu ändern. Normalerweise findet das „Theater der Welt“ alle drei Jahre in wechselnden Städten statt. Um 2010 dabei sein zu können, zog das ITI das Festival ein Jahr vor. Der Etat beträgt 3,9 Millionen Euro.

Die belgische Theaterkuratorin Frie Leysen betont, dass „Theater der Welt“ kein „Best of“ sei. Vielmehr will sie einen Spielraum für Begegnungen öffnen. Es gebe viele internationale Festivals im Ruhrgebiet, meint Leysen, aber die hätten immer noch eine westliche Perspektive. Sie sucht den Blick über den kolonialen Tellerrand, bei dem auch unbekannte Künstler eine Chance haben. Und das Theater soll nicht auf Schauspiel fixiert sein, sondern die Genres übergreifen. Und zur Eröffnung gibt‘s sogar eine Barockoper, Carl Heinrich Grauns „Montezuma“, zu der Friedrich der Große das Libretto schrieb. Allerdings wird diese Oper von einem Ensemble aus Mexiko als Beitrag zum 200. Jahr der Unabhängigkeit des Landes präsentiert. Regisseur Claudio Valdés Kuri ändert den Blickwinkel.

Leysen, die 1994 das Brüsseler Kunstenfestivaldesarts gründete, präsentiert 32 Produktionen mit 120 Vorstellungen. Sie verspricht einen „Clash der Visionen“, einen „Elektroschock“ und Momente der Schönheit in einem kulturübergreifenden Dialog. So wird eine Produktion aus Südafrika eine Gangstergeschichte im Ton eines Kinothrillers sein („Welcome To Rocksburg“). Ein chinesisches Ensemble zeigt die Verknüpfung von Privatem und Politischem bei der Kulturrevolution in einer siebenstündigen Produktion („Memory“). Auch Prominenz ist dabei. So zeigt der documenta-Teilnehmer William Kentridge eine Oper mit Puppen („Il Ritorno d‘Ulisse in Patria“). Und John Cage, Mitgründer der Rockband „Velvet Underground“, spielt live in einem „autobiografischen Erinnerungsraum“.

Zur letzten Ausgabe von „Theater der Welt“ in Halle kamen 55 000 Besucher. ▪ sti

Theater der Welt in Mülheim und Essen, 30.6.–17.7.,

Tel. 0201/812 22 00,

http://www.theaterderwelt.de

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare