Hit für Hit vor 15.000 Fans

Sting und Paul Simon liefern starkes Konzert in Köln

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KÖLN - Seit den 1980er Jahren haben Sting und Paul Simon im selben New Yorker Apartment-Block gewohnt und sind zu Freunden geworden. Öffentlich zusammen musiziert – was als Möglichkeit nahe läge – haben sie allerdings nie. Geändert hat sich das erst vor zwei Jahren anlässlich einer Benefizaktion. Und danach stellten die beiden fest, dass die Zusammenarbeit wohl ganz passabel geklungen habe: die Initialzündung für eine gemeinsame Welttournee, ein Stopp in Köln inklusive.

Von Tim Griese

15.000 Zuhörer sind in die Lanxess-Arena gekommen, ausverkauft ist das Haus. Umso auffälliger ist die Ruhe in der Halle, bevor es losgeht. Die Menschen tuscheln, als läge eine Aura in der Luft, die Ehrfurcht von ihnen verlange.

Keine Frage: Die Besucher spüren, dass es eine bedeutende Show geben wird an diesem Abend. Und sie werden belohnt. Als Sting und Paul Simon die Bühne betreten, bricht sich, als sei es eine wahre Befreiung, tosender Applaus Bahn.

Sting und Paul Simon sind jeder für sich Schwergewichte der Musikgeschichte. Der Output des ungleichen Paares ist über die Jahre zu einem wahren Berg an Material angewachsen. Und deshalb knüpfen die beiden fast ausnahmslos einen Hit an den anderen zu einem großen bunten Patchwork-Teppich zusammen.

 Als Duo stehen sie am Anfang und am Ende auf der Bühne. Zwischendurch haben sie in jeweils zwei großen Blöcken abwechselnd Raum für Solo-Auftritte. Die Übergänge vollziehen sie dabei elegant mit gemeinsam vorgetragenen Stücken.

Im Rücken haben sie beide ihre Bands, so dass das Schauspiel auf der Bühne fast orchestrale Ausmaße erreicht. Ein Dutzend Musiker sind eigentlich immer auf der Bühne. Zwischendurch gibt es ein Kommen und Gehen.

In seinem ersten Solopart geht Sting, mittlerweile 63 Jahre alt, aber mit Zottelbart und durchtrainiertem Körper die Jugendlichkeit in Person, gleich in die Vollen. Mit "So Lonely", das er 1978 mit "The Police" veröffentlichte und das auch heute noch Dauergast in jeder 80’s-Disco ist, legt der Brite los.

Und mit "Police"-Songs geht's auch weiter. "Englishman in New York", das ebenso wie "So Lonely" mit relaxten Reggae-Klängen daherkommt, folgt kurz darauf, später dann noch "Massage in a Bottle" und "Roxanne" im schummrig roten Licht. Bei beiden Songs hält das Publikum nichts mehr auf den Stühlen. Man wird den Eindruck nicht los, dass die meisten der Zuhörer wegen Sting gekommen sind.

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Sting und Paul Simon geben Konzert in Köln

Der Brite selbst rückt die Verhältnisse wieder zurecht, in dem er die musikalische Bedeutung von Paul Simon hervorhebt: "Wenn man sich das erste Mal verliebt, ist da ein Paul-Simon-Song. Wenn eine Liebe kaputtgeht, ist da ein anderer Paul-Simon-Song. Das nächste Lied hat auch in meinem Leben eine große Rolle gespielt, als ich ein großes Abenteuer wagte", sagt er und covert "America" an der Akustikgitarre.

Höhepunkte der Show sind die gemeinsam vorgetragenen Stücke, allen voran "Bridge Over Troubled Water", das kurz vor Schluss für Gänsehautstimmung sorgt und beweist, das Sting einen guten Garfunkel abgibt, wenngleich seine Stimme deutlich rauer, aber vor allem in den hohen Gefilden atemberaubend klingt.

Sting und Paul Simon live in Amsterdam: "Bridge over troubled water"

"The Boxer", einen der großen Hits von Simon & Garfunkel, trägt das Duo ebenso vor wie Mrs. Robinson. Von den Originalversionen unterscheiden sich die Songs am Ende deutlich, versprühen so aber einen eigenen Charme.

Charmant kommt auch Paul Simon als Solokünstler rüber. Er redet zwar kaum, hat aber stets ein Lächeln auf den Lippen und tänzelt auch mal ungelenk eine kleine Runde. 73 Jahre hat der Amerikaner auf dem Buckel. Anzumerken sind sie ihm nicht.

Auf seinem Liedzettel hat der kleine Sänger unter anderem das reduziert instrumentalisierte "50 Ways to Leave Your Lover" stehen, das zwischendurch bei wildem Orgelspiel und kräftigen Bläsereinsätzen gehörig Fahrt aufnimmt. Bekannte Ohrwurmqualitäten hat das flotte "Me and Julio Down by the Schoolyard".

Mit einem Waschbrett-Solo kommt "That Was Your Mother" daher, während "Hearts and Bones" eine schöne Folk-Ballade ist und "You Can Call Me Al" ein humorvoller Party-Garant.

Rund drei Stunden Zeit nehmen sich Sting und Paul Simon für ihr Konzert. Wenn's nach den Zuhörern ginge, die zwischendurch jegliche Organisationsbemühungen des Veranstalters über den Haufen werfen und nach vorne an die Absperrung eilen, um eigenhändig einen Stehbereich zu eröffnen, könnte der Abend noch viel länger dauern.

Quelle: wa.de

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