Steven Spielberg verfilmt „Tim und Struppi“ als 3D-Animationsfilm

+
Kapitän Haddock (Andy Serkis, links) und Tim (Jamie Bell) sind einem Schatz auf der Spur. ▪

Von Tim Griese - Per Zufall entdeckt Tim (Jamie Bell) auf einem Flohmarkt das Modell eines alten Segelschiffes. Schnell muss er feststellen, dass das Miniaturboot seltsam begehrt und sein Leben für einige Verbrecher keinen Pfifferling wert ist. Genauso schnell ist aber auch der Detektivgeist des jungen Reporters geweckt. Zusammen mit seinem weißen Terrier Struppi macht er sich auf, das Geheimnis um das Schiff zu lüften und begibt sich auf eine abenteuerliche Reise.

„Tim und Struppi: Das Geheimnis der Einhorn“ basiert auf den drei Comicbänden Hergés „Die Krabbe mit den goldenen Scheren“, „Das Geheimnis der ‚Einhorn‘“ und „Der Schatz Rackhams des Roten“. Auf dem Regiestuhl nahm Steven Spielberg Platz. Verwirklicht hat er den Stoff als 3D-Animationsfilm.

Spielberg hat zwar noch nie einen Hehl aus seinem Faible für Computertechnik gemacht – Der weiße Hai, E.T., Jurassic Park und Minority Report seien als Beispiele angeführt – mit „Tim und Struppi“ betritt er jetzt aber Neuland: Bei den Dreharbeiten nutzte er das sogenannte Performance-Capture-Verfahren, bei dem die Schauspieler von rund 100 Kameras, die an der Decke an einem Rastergitter befestigt sind, gefilmt werden, gefolgt von einem rund 18 monatiger Prozess, in dem jede einzelne der 1240 Einstellungen des Films bearbeitet und abgerundet wurden.

Herausgekommen ist ein optisch beeindruckender Action- und Abenteuerfilm mit einem Detailreichtum, den es zuvor so noch nicht gegeben hat. Der Stoff eines Mantels, die Maserung eines Stücks Papier oder eine Marmorplatte lassen einen staunen. Viele der Bilder sind nicht mehr als Animationen zu erkennen, sondern könnten auch reale Aufnahmen sein.

Gewürzt ist das Ganze mit einer zwar nicht sonderlich spannenden, dafür aber zumindest anfangs komplex strukturierten und durchweg rasant inszenierten Geschichte. Wie in vielen anderen aktuellen Hollywood-produktionen steht auch hier die Action im Vordergrund. Bisweilen dreht Spielberg so sehr an der Schraube, dass jeglicher Sinn für den Realismus, den die Hergé-Comics auszeichnen, flöten geht, etwa als sich die Segel zweier sich bekämpfender Schiffe ineinander verfangen und das eine Boot wie ein Pendel über dem Deck des anderen schwingt.

Während das noch als übermütig erzählte Geschichte des volltrunkenen Kapitäns Haddock (Andy Serkis) durchgeht, ist es spätestens beim großen Finale dann doch zuviel des Guten: als ein Panzer in ein Haus fährt und das Gemäuer auf sich tragend durch eine marokkanische Stadt kutschiert.

Dagegen hat Spielberg in Sachen Humor und Witz das richtige Maß gefunden. Obwohl „Tim und Struppi“ sicher nichts für die ganz kleinen Kinobesucher ist – von Schusswaffen wird dafür zu häufig Gebrauch gemacht – ist der Animationsfilm außerordentlich amüsant und sorgt für viele Lacher, vornehmlich bei den Auftritten des trotteligen Ermittlerduos Schulze und Schultze (Nick Frost und Simon Pegg) und dem Gebahren des chaotischen Haddock.

Das besondere Extra im mittlerweile inflationär bespielten 3D-Kino sind toll eingesetzte dreidimensionale Effekte – nach „Avatar“ und wenigen anderen Titeln endlich wieder ein Film, bei dem sich das Aufsetzen der Spezialbrille lohnt. Die Effekte sind bewusst platziert und wohl dosiert, laden aber, wenn sie einmal entfacht sind, zu wahren Achterbahnfahrten ein.

Die soll es in Zukunft auch weiterhin geben: Abhängig vom Erfolg – und der scheint garantiert – sind zwei weitere Tim-und-Struppi-Teile geplant.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare