Stefan Stoppok tritt solo in Münsters Jovel auf

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Stefan Stoppok

Von Sabine Fischer -  MÜNSTER Auf dem Weg zum Jovel, dem Club von Lindenberg-Bassist Steffi Stephan, hat er sich zunächst verfahren. Der Laden hat bereits vor geraumer Zeit an neuer Stelle wiedereröffnet. „Das ist etwas, woran man sich festhalten kann“, sagt Stefan Stoppok, als er pünktlich auf der Bühne Platz nimmt, und grinst breit.

Sechs Gitarren stehen neben ihm und viele Fans vor ihm, die ihn teils schon seit Jahrzehnten begleiten und die nächste Generation gleich mitgebracht haben. Nach 21 Konzerten mit Band ist Stoppok wieder solo unterwegs. Wie er da so sitzt, singt, plaudert und schnoddert entsteht schnell das Gefühl, ein alter Kumpel sei zurück.

Stoppok ist nah dran an der Lebenswirklichkeit. In seinen Songs gibt es auch an diesem Abend Trennungen („Sei nicht sauer“), Hoffnung, komische Verzweiflung an Umweltverschmutzung und Müllproblematik („La kompostella“) und die stete Aufforderung, das Kreuz durchzudrücken („Dein Glück“, „Tanz“), und sich keinem Trend zu unterwerfen („Cool durch Zufall“), sondern seine eigene Szene zu sein. „Im Normalen liegt der Groove“, sagt er und torpediert sich selbstironisch: Daher spiele er jetzt auch mal was Normales, ein Solo vielleicht, so wie es Eric Clapton auch spielen würde. Durchschnittlich halt.

Stoppok ist ein Geschichtenerzähler und ein augenzwinkernder Plauderer – ob mit oder ohne Gitarre. Er diskutiert mit dem Saal, ob die Mehrzahl von Lieblings-Blues nicht Lieblings-Blusen heißen müsse. Knödelt in Richtung des klappernden und klirrenden Ausschanks was von „Ingnoration“. Kokettiert, dass Coolness von innen kommt, und er daher auch schon seit Jahren die Hemden seiner Oma auftrage und motzt über das sinkende Niveau des Fernsehprogramms, das er nur noch vom Hotelzimmer aus prüfe, weil er selber keinen Fernseher mehr habe. Und überhaupt: „Ein Gefühl für Essen entwickelt man nicht beim Schauen von Kochshows.“

Unterschätzen kann man den launigen Plauderer allerdings nicht: Er unterhält und unterhält sich. Aber der Kern der launigen Unterhaltung ist hart, und er spießt auf, was schiefgeht. Er erinnert an die Option zu einem selbstbestimmten Leben in Verantwortlichkeit und Konsequenz. Das ist durchdacht, unbequem und berührt, weil Stoppok die Menschen kennt und sie ernst nimmt. Als einer „Ausziehen!“ brüllt, schüttelt Stoppok den Kopf: „Ne, das ist auch keine Lösung.“

Seine Moderation ist ein Gespräch, ein Schlagabtausch mit vielen humorvollen Komponenten: „Ihr bringt mich völlig aus dem Konzept. Aber: Ich habe gar keins“, reagiert auf die vielen „Bittöööhs“, die Song-Wünschen folgen.

Seine Texte entlocken dem Alltag Poesie und Tragik. Mit fingerflinker Leichtigkeit huldigt der ausgezeichnete Multiinstrumentalist Folk, Blues und Rock. Er improvisiert und leistet sich Eskapaden, die so im Bandgefüge nur bedingt möglich wären. Zweieinhalb Stunden spielt er in Münster nonstop, mehrere Male wird er auf die Bühne zurückgeklatscht.

Stoppok gibt es nicht im Radio, Stoppok kennt man nicht aus TV-Werbesendungen – man erlebt ihn und hört sich rein. Auch sein Konzert ist keine Werbeverkaufsveranstaltung für das neue Album, er begnügt sich mit wenigen Einstreuungen wie „Alles klar“, „Wir woll’n unser Steak zart“ und „Wie schnell ist nix passiert“. Zündet er Jahrzehnte alte Gänsehaut-Balladen wie „Aus dem Beton“ kann er sich entspannt zurücklehnen und sich ganz seinem Gitarrenspiel widmen: Sein Publikum ist stimmstark und text- und tonsicher. Stoppok lässt den Chor gewähren. „Jetzt will ich aber auch mal wieder“, setzt er erst nach geraumer Zeit wieder ein. Bei „Tage wie dieser“ meldet der Künstler „Hier weint die erste“. Und es ist nicht die letzte Träne die kullert – dafür sorgen Zugaben wie „Wetterprophet“. Aber irgendwann muss Stoppok doch gehen: „Ist nicht mehr wie früher. Die wollen hier jetzt Disco machen. Und ich hab noch ein Wildschwein auf dem Feuer.“

Quelle: wa.de

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