Startenor Joseph Calleja eröffnet Festival „Klangvokal“

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Gefeiert bei der Gala im Konzerthaus: Joseph Calleja, Cristina-Antoaneta Pasaroiu und Carlo Montanaro.

Von Edda Breski Dortmund - Es war dem italienischen Dirigenten Carlo Montanaro wohl zu kühl in Dortmund: Immer noch mehr Leidenschaft forderte er den Dortmunder Philharmonikern mit feurigen Gesten ab, bis sich die Musik selbst zusammenzudrängen schien im Intermezzo aus Puccinis „Manon Lescaut”, bis jede Phrase die nächste beinahe überholte.

Solch aufgeladenes Musizieren überhitzt schnell und ist daher risikoreich, so zu hören beim misslungenen Auftakt zum Brindisi aus „La traviata”, aber es macht sehr viel Spaß. Montanaro machte die Philharmoniker zur dritten Hauptfigur der Operngala zur Eröffnung des fünften Klangvokal-Festivals in Dortmund.

Die wegen der kühlen Temperaturen vom Westfalenpark ins Konzerthaus verlegte Gala bot neben der jungen Sopranistin Cristina-Antoaneta Pasaroiu den maltesischen Tenorstar Joseph Calleja auf. Der 34-Jährige sang in Dortmund, was von einem Tenor bei solchen Gelegenheiten erwartet wird: einen unbekümmerten Herzog von Mantua, und Puccinis „E lucevan le stelle”, das er in der zweiten Steigerung mit einem wunderschönen Piano krönte (dafür musste er allerdings vorher eine Atempause einlegen). Die Hits sang er fast sachlich, eher knapp phrasierend, ohne großes Schwelgen in Spitzentönen, mit wohldosierten Effekten. Das Leicht-Lyrische, Spielerische eines Nemorino aus dem Donizetti-Liebestrank liegt seiner Stimme eher. Der große, kräftige Calleja kam mit einer Flasche Wasser in der Hand heraus – „leider kein Rotwein”, bedauerte er – und gab einen hinreißend von sich selbst besoffenen, schwer verliebten jungen Naivling. Er wiegte die Flasche liebevoll im Arm, schubste seine Partnerin mit der Hüfte, hickste und kickste wie angetrunken, ohne einmal Abstriche bei der Gesangslinie machen zu müssen. Das war bestes Opernkino. Die Dortmunder Philharmoniker unter Montanaro malten die Szene farbig aus, mit leise spottenden Flöten, mitlachenden Hörnern.

Callejas Kurzporträt des Riccardo aus Verdis „Maskenball” zeigte einen Mann, der zwar ein Opfer bringt, aber sich an seinem eigenen Edelmut auch berauscht. Calleja sang „Ma se m’è forza perderti”, als spreche Riccardo zu Amelia, die er aufgibt, und präsentiere ihr, was sie verliert. Calleja hatte außerdem Massenet-Arien im Programm, die den sonst konventionellen Abend erweiterten. Massenets Oper „Le Cid” auf den spanischen Nationalhelden ist einem breiten Publikum weniger vertraut, das Gebet „O souverain, o juge, o père” hat darum aber nicht weniger Hitqualität. Calleja verließ sich auf sein herrliches viriles Timbre, aber gestaltete auch klug: Wenn er einen Vokal eintrübte oder einen Ausbruch kurz und vehement zuspitzte und sofort zurücknahm, zeigte er, dass die in „O souverain” gepriesene Gottesergebung dem Helden doch nicht so leicht fällt. Das war allemal mehr als Gala-Schlager-Kost.

Sängerdarstellerisch wie auch technisch konnte Cristina-Antoaneta Pasaroiu nicht mithalten. Mit ihrem silbrigen Timbre und den meist leuchtenden Spitzentönen sang sie „Sempre libera”, allerdings verrutschten ihr im Finale die Koloraturen. Als Elvira aus Verdis „Sizilianischen Vespern” gab sie ein kokettes Mädchen. Für die Arie „Pleurez mes yeux”, ebenfalls aus dem „Cid”, mobilisierte sie eine kraftraubende Emphase. Für die „Bohème”-Mimi fehlte dann die Kraft, im Duett „O soave fanciulla”, verkiekste sie das hohe C.

Darüber halfen auch die Dortmunder Philharmoniker hinweg. Sie ließen es bis in die Zugaben hinein krachen, bis zum allerletzten Stück des Abends, der „Navarraise” aus dem „Cid”, die in den Saal explodierte.

Zum 5. Mal präsentiert das Festival Klangvokal in Dortmund bis 30. Juni Konzerte mit vielen Spielarten von Gesangskunst mit einem Barockfest, Gesängen aus dem Iran und griechischem Rembetiko. Tel. 01805/ 570 005 (14 ct./Min. aus dem Festnetz)

www.klangvokal-dortmund.de

Quelle: wa.de

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