Staffel 2 von „Weissensee“ gibt es auf DVD, aber noch nicht im Fernsehen

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Die Liebe hält: Julia Hausmann (Hannah Herzsprung) und Martin Kupfer (Florian Lukas) haben sich wieder. In der zweiten Staffel der-Reihe „Weissensee“ wird ihre Geschichte in den Jahren 1987/88 erzählt. ARD

Von Achim Lettmann  - Sie sind wieder da. Julia und Martin lieben sich, aber in der DDR ist das schwierig, wenn man noch an Republikflucht denkt. Die ARD-Serie „Weissensee“ verbindet die Schicksale der beiden (Hannah Herzsprung, Florian Lukas) mit ihren Familien.

Die Hausmanns zählen zur Kulturszene, die Kupfers arbeiten für Staat und Stasi. Im Jahr 2010 war die sechsteilige TV-Reihe eine Überraschung. Über fünf Millionen Zuschauer sahen zeitweise die emotional erzählte Geschichte. Annette Hess schrieb das Drehbuch.

Das Szenenbild zeigt die DDR nicht grau in grau. Erstklassige Schauspieler wie Katrin Sass, Uwe Kockisch, Jörg Hartmann und Anna Loos machen die typisierten DDR-Figuren glaubhaft. Hier ringen Menschen um ihre Lebensziele, so unterschiedlich sie auch sein mögen.

Nun überrascht die ARD, weil die zweite Staffel von „Weissensee“ erst im September gesendet wird. Die sechs Folgen sind aber bereits als DVD im Handel.

Weshalb gibt die ARD eine gelungene Eigenproduktion vor der Fortsetzung zur DVD-Auswertung heraus? „Die DVD ist eine Ausnahme“, sagt ARD-Pressesprecherin Agnes Töllner, „die sich aus der Finanzierung und den Verträgen ergeben hat.“ Die ARD hat die Kosten zu „Weissensee“ nicht alleine getragen. Die Produzentin Regina Ziegler ist finanziell beteiligt. Ziegler-Film hatte die 2. Staffel, wie mit der ARD vereinbart, Ende 2011 abgedreht. Da die ARD den Sendetermin auf dem Dienstag halten wollte, wurde der „Weissensee“-Start verschoben. Zu lang für Ziegler-Film, denn die Investition musste bedient werden. Auch Verena Kulenkampff, Leiterin der ARD-Gemeinschaftsredaktion Serien im Hauptabendprogramm, hatte dem vorgezogenen DVD-Verkauf zugestimmt. Anderen Vermarktungswegen für TV-Filme, wie Pay-per-View, erteilt die ARD-Koordinatorin Fernsehfilm allerdings eine Absage.

Für Regina Ziegler (69) ist die Koproduktion von TV-Filmen ein Modell für die Zukunft. „Die Qualität von TV-Movies könnte so verbessert werden“, sagt die Produzentin, die seit 1973 rund 400 Kino- und TV-Filme hergestellt hat. Ob der DVD-Verkauf einer ARD-Serie eine Ausnahme bleibt, weiß sie nicht. „Erstmal machen wir mit der ARD eine gemeinsame Erfahrung, wie die Wechselwirkung von DVD-Verkauf und TV-Quote ausfällt“, sagt Ziegler. „Junge Leute sehen sich oft US-Serien in der Gruppe an – das sogenannte ,Binge Viewing’ –, das kann eine wunderbare Erfahrung sein. Ich habe ,Homeland’ in einer Nacht gesehen und schaue auf Sat.1 immer wieder rein, wenn die Serie dort gezeigt wird“, sagt Regina Ziegler.

Das Erste muss bei hochwertigen Produktionen mehr denn je auf die Kosten achten. Ende 2011 war der Degeto-Geschäftsführer Hans-Wolfgang Jurgan suspendiert worden, weil er Aufträge vergeben hatte, die mit der jährlichen Produktionssumme von 250 Millionen Euro nicht mehr gedeckt waren. Insgesamt konnte die Degeto – Gesellschafter sind die ARD-Sender – jährlich über 400 Millionen Euro für den Einkauf von Filmen und Lizenzen verfügen. Dies ist bis mindestens 2014 ausgesetzt. 2012 wurde mit einem Nothaushalt von 23 Millionen Euro operiert.

Die ARD will trotz Finanz- klemme Filmprojekte umsetzen, die ein Publikum unter 50 Jahren ansprechen. „Weissensee“ kostet als sogenannte „historische Serie“ deutlich mehr als andere Formate, wie die Studioproduktion „In aller Freundschaft“. „Ein weiteres Beispiel ist die Serie ,Mord mit Aussicht’, die im vergangenen Jahr insbesondere beim jüngeren Publikum großen Anklang gefunden hat“, sagt ARD-Redaktionsleiterin Verena Kulenkampff.

„Über eine Neuorientierung von Stoffen versucht die ARD mehr Zuschauer anzusprechen“, weiß auch Produzentin Regina Ziegler, „Eventfilme sind erfolgreich, aber auch sehr teuer.“ Derzeit bemüht sich Ziegler-Film beide „Weissensee“-Staffeln auf dem US-Markt mit Untertiteln zu verkaufen. In Russland ist bereits die erste Staffel als DVD abgesetzt worden. „Die Russen sind an deutsch-deutscher Geschichte sehr interessiert“, sagt Regina Ziegler und sucht nach weiteren Vermarktungswegen für deutsche TV-Produkte.

Quelle: wa.de

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