Die Sportfreunde Stiller begeistern in Köln

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Mit Fußballverstand und viel Druck: Peter Brugger von den Sportfreunden Stiller in Köln. ▪

Von Frank Zöllner ▪ KÖLN–Wenn man Peter Brugger, Florian Weber und Rüdiger Linhof eines nicht vorwerfen kann, dann ist es mangelnder Mut. Im Jahr 2004 stand mit Franz Ferdinand die heißeste Nummer des Jahres in ihrem Vorprogramm. Auch am Samstagabend scheuten sich die Sportfreunde Stiller nicht, im ausverkauften E-Werk die tempo- und schweißtreibende Blasinstrument-Formation La Brass Banda als Einheizer einzuladen.

Der Grund: Die Sportfreunde Stiller und La Brass Banda traten am Freitag beim Hurricane-Festival in Scheeßel auf. Quasi als Fahrgemeinschaft ging es für beide Gruppen nach Süddeutschland, wo beide am Sonntag beim Southside-Festival gastierten, mit einem Zwischenstopp im Westen. Das mit dem Einheizen gelang der fünfköpfigen Gruppe um Frontmann Stefan Dettl vorzüglich. 60 Minuten lang präsentierten sie dem begeisterten Publikum ihren Stilmix aus Reggae, Gipsy, Mariachi und Techno und HipHop – alles mit einer bayerischen Note und in erstaunlichem Tempo. Als die wie immer in Lederhosen gekleidete Gruppe zum Abschluss wie eine Marching Band musizierend und barfuß durch das Publikum schreitet, branden Jubelstürme auf.

Damit ist klar, dass Sportfreunde Stiller sich nicht um die Berücksichtigung auf der neuesten Kuschelrock-CD bewerben wollten. „Es war die Nacht im Himalaja“ – unter den Klängen eines Schlagers betritt das Münchner Trio die Bühne mit den erwartungsfrohen Fans davor. Mit der punkigen Nummer „Let’s did it“ beginnen sie ihr 75-minütiges Programm. Es ist einer von vier neuen Songs im Set – und die Information, dass die Band nach längerer Pause an einem neuen Album arbeitet, wird frenetisch gefeiert. Das Tempo, das La Brass Banda vorgelegt hat, halten die „Sportis“ locker, wie sie bei „Alles Roger“ und der Ska-Version von „Wie lange sollen wir noch warten?“ zeigen. Unterstützt wird das Trio später von vier Streicherinnen, drei Hintergrund-Sängern, einem Pianisten und einer Bläsersektion. Teilweise drängen sich bis zu 15 Musiker auf der kleinen Bühne und verleihen den eher einfach gehaltenen Sportfreunde-Stiller-Songs eine besondere Tiefe – es ist die Essenz zwischen druckvollem Vortrag und den ruhigeren Momenten aus ihren Unplugged-Konzerten von vor zweieinhalb Jahren.

Die Band spielt sich durch ihre Diskographie. Bei „Ein Kompliment“ übernehmen die Fans den Gesangspart fast komplett. A propos Fangesänge und Fußball: „Ich Roque“ ist eine rockige Verbeugung vor dem ehemaligen Bayern München-Stürmer Santa Cruz. Tatsächlich streuen sie ihren WM-Hit von 2006 leicht verändert als optimistischen Europameisterschaftssong ein: „72, 80, 96 2012 – so stimmen wir alle ein...“ - mit der späteren Einschätzung von Peter Brugger, dass die DFB-Elf Europameister nach einem Finalsieg gegen Spanien wird. Optimistisch und freundlich bleiben auch die neuen Songs: Die treibende Rocknummer mit dem Arbeitstitel „Clowns und/oder Helden“ sowie das eher melancholische Indiepop-Nummer „Wunderlied“, beide mit großem Ohrwurmpotenzial und gewohnt eingängigen Melodien.

Quelle: wa.de

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