20. Sommerliche Musiktage in Soest

Von Bettina Boronowsky ▪ SOEST–Eigentlich wollte Frieder Obstfeld mit seiner Kammerphilharmonie Amadé zu den 20. „Sommerlichen Musiktagen Soest“ das „Brüh ler Konzert“ des zeitgenössischen Komponisten Gerd Boder uraufführen.

Aber Proben und Aufführung des komplizierten Werks hätten so viel Geld verschlungen, dass Obstfeld aufs Repertoire zurückgriff und jetzt im Serenadenkonzert (9. Juli) Vivaldi, Mozart und Respighi spielt. Diese Entscheidung scheint symptomatisch zu sein für das seit fast zwei Jahrzehnten veranstaltete Festival. Das Geldproblem bestimmte die Geschichte der „Sommerlichen Musiktage“ genauso wie das Ringen um künstlerische Perfektion. Jedes Jahr aufs Neue wird die Konzertreihe zur Zitterpartie, jedes Jahr gilt es, Sponsorengelder aufzutreiben.

Musikbegeisterte Soester hatten 1991 das Festival gegründet. Hauptschauplatz war und ist der „Schiefe Turm“, die romanische Kirche von Alt-St. Thomä, wo die Besucher – „die Füße in Staub und den Kopf in edle Musik getaucht“ – Konzerte in besonderer Atmosphäre erleben. Obstfelds Ensemble war von Anfang an dabei und entwickelte sich vom Laienorchester idealistischer Studenten über die Westfälische Kammerphilharmonie bis zur Kammerphilharmonie Amadé, die seit 1998 als Veranstalter auftritt.

Das Orchester kassierte immer wieder großes Lob für seine hohe Qualität und seine transparenten Interpretationen. Die Reihe präsentierte große Namen und ungewöhnliche Produktionen: Die Pianistin Edith Picht-Axenfeld bestimmte die Anfänge genauso sowie die Sängerin Agnes Giebel. 1992 bis 1994 waren die „Sommerlichen Musiktage“ jüdischen Komponisten, die in Konzentrationslagern umkamen, und ihren Werken gewidmet. 1999 begeisterte Herbert Feuerstein mit der „Mordnacht Mozart“, 2001 erzählte Katja Ebstein „Die Geschichte vom Soldaten“. Unvergessen ist auch der Auftritt des charismatischen Geigers Gilles Apap vor sieben Jahren.

Eine Erfolgsreihe also, wären nicht die Geldprobleme. Zugeständnisse will „Amadé“-Chef Frieder Obstfeld nicht machen. Er lehnt es ab, mit Veranstaltern in der Nachbarschaft zusammenzuarbeiten und beispielsweise gemeinsame Projekte zu einem Thema zu gestalten. Für ihn sind die „Sommerlichen Musiktage“ ein „Musik machen mit Freunden“ im Sinne seines musikalischen Vorbildes, des ungarisch-österreichischen Geigers und Dirigenten Sandor Végh. Die finanziellen Sorgen gingen im Kern auf ein strukturelles Problem zurück, meint Obstfeld. Die freie Szene werde in Nordrhein-Westfalen nicht so gefördert, wie sie es brauche.

Umso bemerkenswerter, dass es die „Sommerlichen Musiktage“ bis zur 20. Auflage gebracht haben. Eine Boder-Uraufführung gibt es auch, wenn auch nicht die eines großen Konzerts: Das Modern Bone Quartet spielt am 10. Juli die „Neun Aphorismen für vier Posaunen“ des 1992 verstorbenen Soester Komponisten.

Festival 8.–11.7., 29.8.,

Tel. 02921 / 343 103, www. sommerliche-musiktage. de

Quelle: wa.de

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