Skulpturen von Heinz Bergkemper in Beckum

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Heinz Bergkempers Figurengruppe „Lysistrata“ (1971) ist in Beckum ausgestellt.

Von Marion Gay BECKUM - Die dünnen Arme sind weit ausgestreckt, die Hände scheinen nach etwas zu greifen. Sie ragen aus einem Trümmerfeld, einem zerbrochenen Zaun oder zwischen Lanzen hervor, Splitter stecken in den Knochen. Die kleine Bronze „Ruf des Gefolterten“ (1974) berührt mit schlichter Eindringlichkeit.

Das Stadtmuseum Beckum präsentiert in einer Gedächtnisausstellung rund 60 Bronzearbeiten von Heinz Bergkemper (1925–2001) anlässlich seines 90. Geburtstags. Der Langenberger Künstler zählt zu den wichtigsten Bildhauern der Region, seit 1964 war er Mitglied im Kreiskunstverein Beckum-Warendorf. Die Plastiken aus den Jahren 1969 bis 1996 stammen aus dem Nachlass des Künstlers, den sein Sohn, der Bildhauer Bernd Bergkemper, verwaltet. Zahlreiche Arbeiten von Bergkemper befinden sich im öffentlichen Raum, zum Beispiel das Bronzerelief am Rathaus in Warendorf oder das Portal von St. Michael in Iserlohn.

Bergkemper wurde in Langenberg geboren, wo er später sein Atelier unterhielt. Als 18jähriger in den Krieg eingezogen, kehrte er 1945 aus der Gefangenschaft in Sibirien zurück und begann 1947 sein Studium an der Werkkunstschule Bielefeld. Später setzte er seine Studien in Antwerpen und Brüssel fort.

Die meist kleinen Bronzen zeigen oft mythologische Figuren wie beispielsweise „Athene“ (1979) oder „Die drei Grazien“ (1995), die schmal und grazil ihre Hälse recken. Die Arbeit „Lysistrata“ (1971) bezieht sich auf die Komödie des griechischen Dichters Aristophanes, in der die Frauen aus Athen und Sparta ihre Männer zum Frieden zwingen, indem sie sich ihnen sexuell verweigern und die Akropolis besetzen. Bergkemper zeigt die Szene mit zwei stolz wirkenden Frauen in langen Gewändern. Sie stehen auf einer Plattform, die beiden bewaffneten Männer weiter unten schauen sich ratlos an. Andere Werke zeigen die mythologische Figur des Paris, der sich entscheiden muss, welche der drei Göttinnen die Schönste ist („Das Urteil des Paris“, 1977).

Immer scheinen die Figuren in sich versunken, ihre Gesichter zeigen ruhige Nachdenklichkeit, ihre Körper sind anmutig. Oft haben sie Entscheidungen zu treffen.

Auch Jesus am Kreuz („Kruzifix“, 1992) umgibt stille Anmut und Konzentration. Er hält den Kopf unter der Dornenkrone gesenkt, eine Hand ist ausgestreckt, die andere geschlossen. Drei Seile sind als Lendenschurz um die fragile Hüfte gebunden. Jesus verkörpert hier weniger das Leiden. Vielmehr scheint er stolz das Ende zu erwarten, in der Hoffnung auf Besseres. Der Körper wirkt fast flugbereit.

Andere Figuren schlummern an Felsen gelehnt, Liebespaare umschlingen einander, Flötenspieler sitzen auf dem Boden. Gelassenheit strahlt auch die „Katze“ von 1991 aus. Ihr schlafender Körper formt einen Kreis, nur die Ohren ragen hervor.

Bis 3.5.; di – so 9.30 – 12.30 und 15 – 17, sa 15 – 17 Uhr,

Tel. 02521/ 29264

www.beckum.de

Quelle: wa.de

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