Skulpturen von Heather Sheehan im Stadtmuseum Beckum

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Skulpturen der Künstlerin Heather Sheehan sind im Stadtmuseum Beckum ausgestellt. ▪

Von Marion Gay ▪ BECKUM–Trotzig presst sie die Lippen zusammen und reckt den Kopf, aber die verdrehten Beine verraten ihre Schüchternheit. Die püppchengroße Figur „beeing a girl“ (2009) ist komplett mit weißem Flaum bedeckt, der sie ein bisschen zerrupft aussehen lässt. Das Objekt gehört zur Ausstellung „Visitors and others beings“ im Stadtmuseum Beckum. Zu sehen sind rund 60 aktuelle Skulpturen und Zeichnungen von Heather Sheehan, einer Künstlerin aus New York, die seit fast zwanzig Jahren in Köln lebt.

Versammelt sind seltsame Wesen wie aus einer anderen Welt. Da ist zum Beispiel der „boy friend“ (2009), der sich eng an seine Freundin („girl friend“, 2009) kuschelt. Beide tragen weiße Kuschelanzüge. Sie haben runde Bäuche, die Arme baumeln herab wie Flügel. Ihre Köpfe sind ein bisschen deformiert, überlängt und seitlich gequetscht. Sie könnten niedlich sein, wenn sie nicht gleichzeitig so hässlich wären.

Das ist typisch für Sheehans Wesen. Einerseits sind sie weich und kuschelig und kommen daher wie Plüschtiere. Andererseits haben sie etwas Unheimliches, etwas merkwürdig Verschobenes an sich. Besonders irritierend der fast drei Meter hohe „friend“ (2006– 2008). Traurig schaut er aus, mit seinen Schlupflidern über den polarblauen Glasaugen und den herabhängenden Mundwinkeln. Seine Lippen sind wie die eines Clowns knallrot gefärbt. Ansonsten ist sein Körper komplett in weißen Stoff gehüllt. Es könnte eine Art Strampelanzug sein oder ein Schutzanzug. Mit hängenden Schultern steht die Figur da und blickt teilnahmslos auf den Betrachter hinab. Zu seinen Füßen sind zwei kleine Figuren („little friends“), die zu dem Großen aufschauen. Aber man hat so seine Zweifel, dass sie wirklich Freunde sind.

Trotz ihrer Hässlichkeit haben diese Figuren immer auch etwas Anrührendes. So haben andere „visitors“ die Augen geschlossen, Mund und Nase schauen aus dem hellen Fell, das ihren Körper bedeckt. Sie können einem leidtun, aber man weiß nicht recht, warum.

Geheimnisvoll und berührend ist auch die raumgreifende Installation aus pyramidenartig aufgestellten Holzstangen. Darin sind Filzmatten gespannt, auf denen kleine rundliche Stofffiguren liegen. Das Ganze wirkt wie eine Aufzucht-Station, in der die Kleinen in Ruhe heranreifen können. An den Wänden hängen Bleistift- und Aquarell-Zeichnungen, die nilpferdähnliche Wesen beim Schlummern in Astgabeln zeigen. Diese Bilder allerdings sind sehr niedlich geraten, man könnte sie sich problemlos in einer Kinderarztpraxis vorstellen. Ihnen fehlt das Groteske, das die großen Objekte und viele der anderen Zeichnungen so interessant macht. So ist manchmal die Grenze zum Kitsch nicht weit. Beispielsweise sehen die beiden plüschmausartigen, knopfäugigen Objekte in der Vitrine aus wie Babyschuhe.

Beeindruckend sind Sheehans Arbeiten dagegen immer dann, wenn sie leichtes Unbehagen einflößen. Wie etwa die langhalsige Dame mit dem spitzen Kinn auf den beiden Aquarellzeichnungen. „Don’t trust the secretary“ steht darunter zu lesen und tatsächlich möchte man der Porträtierten lieber nicht über den Weg laufen. Das Lächeln hat etwas sehr Verschlagenes.

Heather Sheehan im Stadtmuseum Beckum.

Bis 13.11., di – so 9.30 – 12.30 und 15 – 17, sa 15 – 17 Uhr; Tel. 02521/ 29 264,

www. beckum.de,

Katalog 5 Euro

Quelle: wa.de

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