Wir sind Helden spielen in der Halle Münsterland

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Judith Holofernes von der Gruppe Wir sind Helden singt und spielt in der Halle Münsterland. ▪

Von Kathrin Nolte ▪ MÜNSTER „Ihr wirkt mir sehr heißblütig“, freute sich Sängerin Judith Holofernes über die gute Stimmung im Saal. Im Rahmen ihrer „Bring mich nach Hause“-Tournee legten Wir sind Helden auch in Münster einen Stopp ein und spielten vor rund 1600 Zuschauern von aktuellen Songs wie „Alles“ oder „23.55: Alles auf Anfang“ bis hin zu Hits der ersten Band-Stunde wie „Guten Tag“ oder „Denkmal“.

Die Bühnenshow ist schlicht und reduziert – lediglich auf blattförmigen Flächen wurde die Musik mit farbigen Projektionen unterstützt. Die Performance von Judith Holofernes, Jean-Michel Tourette, Pola Roy und Mark Tavassol war dem Ruf der Band entsprechend. Die Vier sangen, spielten und tanzten mit ihrer natürlich wirkenden Ausstrahlung: frech, locker, unbekümmert und einfach mitreißend. Obwohl die Rock-Pop-Gruppe eine Magen-Darm-Grippe quälte.

Der Konzertbesucher bekam aber nicht nur die bekannten Lieder der Band, die im Sommer des vergangenen Jahres bereits ihr viertes Studioalbum herausgebracht hat, zuhören. „Wir spielen auch gerne ’B-Seiten-Songs’“, erklärte Holofernes und stimmte prompt „Dumm die, die Dumm“ an, das auf der aktuellen Single-CD veröffentlicht wurde. Bei „Rüssel an Schwanz“ drehte das überwiegend weibliche Publikum den Spieß dann einfach um: Es wiederholte minutenlang den Refrain in einer Dauerschleife, während die Bandmitglieder Instrumente spielender Weise über die Bühne fegten. Selbst der Schlagzeuger blieb davon nicht verschont. Judith Holofernes forderte ihren Ehemann auf: „Ich will Pola tanzen sehen.“ Der gehorchte, stand auf und bot eine kurze Saturday-Night-Fever-Choreographie, die mehr grotesk als professionell wirkte.

Die neueren Veröffentlichungen wie „Bring mich nach Hause“, die sich erwachsener und nachdenklicher anhören, sind ebenso Live-tauglich wie beispielsweise „Müssen nur wollen“ vom ersten Album „Reklamation“. Die gesellschaftskritische Einstellung der Gruppe nimmt einen großen Platz in den Texten von Songschreiberin Judith Holofernes ein. Die zweifache Mutter hatte sich erst im Februar öffentlich über eine Werbeanfrage für die „Bild“-Zeitung empört und so für großes Aufsehen gesorgt. Im Angesicht der Katastrophe von Japan forderte die Band ihr Publikum auf, sich für Ökostrom ohne Atomkraft zu entscheiden. Für Schnellentschlossene lag das passende Formular für den Anbieterwechsel am Merchandising-Stand bereit.

Trotz ihrer zehnjährigen Bandgeschichte und unzähligen Live-Auftritten haben sich Wir sind Helden ihren Spaß auf der Bühne augenscheinlich bewahrt. Das Konzert in Münster wirkte weder einstudiert noch abgedroschen. Es war eine zweistündige Kurzweil, die die gewollte Ernsthaftigkeit nicht vermissen ließ.

25.6. Köln „Open Air am Tanzbrunnen“, 20.8. Arnsberg „Zauberhafte Abende“, 25.8. Bochum „Zelt Festival Ruhr“. http://www.wirsindhelden.de

Quelle: wa.de

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