Senta Berger in „Unter Verdacht: Laufen und Schießen“ beim ZDF

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Langer (Rudolf Krause, links) wird in der Polizeiinspektion 37 von den Kollegen Schön (Tim Bergmann) und Jung (Philipp Moog, von rechts) gemobbt. Szene aus „Laufen und Schießen“. ▪

Von Elisabeth Elling ▪ Wenn sie Probleme mit den Kollegen bekomme, solle sie sich an ihn wenden, sagt Andreas Scholl zu der neuen Kollegin im Münchner Polizeirevier 37. Die zieht nur die Augenbrauen hoch und geht Kaffee kochen. Ausgerechnet Scholl, der paddelige Schlaks, der sich von den Kollegen Jung (Tim Bergmann) und Schön (Philipp Moog) herumschubsen lässt. Und dessen spärliches Oberlippenbärtchen ihm auch nicht gerade Respekt verschafft. „Zur Tarnung“, erklärt er Kriminalrätin Prohacek (Senta Berger), als sie fragt, was er „da denn“ im Gesicht habe.

Scholl ist eigentlich André Langner (Rudolf Krause) und arbeitet bei der internen Ermittlung. Im Revier 37 ist er im Undercover-Einsatz: Hier häufen sich die unaufgeklärten Einbruchsfälle, und immer sind die Kollegen Jung und Schön zu spät am Tatort. Von ihnen lässt sich Langner jetzt geduldig schikanieren –  und ist dabei, als die neue Kollegin bei einem Einsatz stirbt. Sie kam von der Polizeisportschule, war wegen schlechter Leistungen aus dem Biathleten-Kader geflogen. Auf ihrem Handy ist ein Video, das Jung und Schön zeigt, wie sie einer Teamkollegin ein Päckchen bringen. Sind die Beiden auch Dopingkuriere? Und war der Tod der Polizistin wirklich ein Unfall?

Das ZDF zeigt einen neuen Krimi der großartigen „Unter Verdacht“-Reihe mit Berger und Krause: „Laufen und Schießen“. Der Film von Wolfgang Stauch (Buch) und Ed Herzog (Regie) entfaltet einen komplexen Fall, bei dem es nicht mehr nur um korrupte Polizisten geht. Auch wenn Moog und vor allem Bergmann –  sonst einer der üblichen Verdächtigen, wenn es um die Rolle des romantischen Liebhabers in der ZDF-Sonntagabendschmonzette geht – ein außergewöhnlich abgefeimtes Duo abgeben.

Bemerkenswert ist in den „Unter Verdacht“-Filmen das heikle Betriebsklima zwischen Eva Prohacek, die Senta Berger diesmal besonders abgespannt erscheinen lässt, dem eigensinnigen Langner und ihrem Chef Claus Reiter (Gert Anthoff). Die Filmemacher temperieren es mit feinem Humor. Besonders Langner und Prohacek pflegen diesmal ein auch auf Distanz gereiztes Arbeitsverhältnis: „Herr, es heißt immer noch Herr Langner, Frau Prohacek!“

Dagegen ist Reiter außergewöhnlich hilfsbereit. Ansonsten vor allem darauf erpicht, seine Karriere voranzutreiben und störende interne Ermittlungen auszubremsen, kriegt er sich jetzt kaum ein vor Anteilnahme, als Prohaceks Vermutungen die bayerischen Ministerialbürokratie erfassen, und zwar an ziemlich hoher Stelle. Abteilungsleiter Dr. Ludwig Steiner (mit Janker und Bierbauch: Johann von Bülow), im Innenministerium der Mann für die Sportförderung, hat ein reges Interesse an erfolgreichen Biathlethen. Mit ihm hat Reiter noch ein Hühnchen zu rupfen. Denn eben dieser Steiner hatte ihn übergangen, als es um die begehrten Posten im Organisationskomitee der Alpeniade ging.

Stauch und Herzog bürsten ihrem Film jeden Anflug von weiß-blauer Gemütlichkeit aus. Die Bilder von Kameramann Philipp Sichler zeigen München in tristen Straßen und Höfen, die auch nicht schöner sind als in Dortmund. Die bayerischen Verfilzungen zwischen Sport und Politik werden – trotz aller boshaften Dialog-Pointen – mit keinem Augenzwinkern gemildert. Dass alle Protagonisten einen BMW oder ein anderes konzernverwandtes Autos fahren, wirkt da durchaus realistisch – ist aber als „Produktionsunterstützung“ im Abspann vermerkt.

Sa, ZDF, 20.15 Uhr

Quelle: wa.de

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