Schmuck des Mittelalters in der Kaiserpfalz in Paderborn

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Aus kleinen aufgelöteten Silberkügelchen schuf der mittelalterliche Schmied das Muster dieser Perle, die in Paderborn zu sehen ist. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ PADERBORN–Kunstvoll hat der unbekannte Schmied vor mehr als 1000 Jahren die Perle aus Silber gefertigt. Drei Bögen mit feinem Punktdekor wölben sich um die massive Achse. Das mag die Damen am polnischen Königshof entzückt haben. Der fränkische Mönch Gallus berichtet zu Beginn des 12. Jahrhunderts, dass die Frauenzimmer dort unter der Last ihrer Kronen, Kolliers, Ketten, Ringe und Kleinodien nicht aufrecht gehen konnten ohne stützende Helfer. Einen Eindruck dieses Luxus vermittelt die Ausstellung „Schätze des Mittelalters – Schmuck aus dem Staatlichen Archäologischen Museum Warschau“ im Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn.

Rund 440 Exponate aus dem 10. bis 13. Jahrhundert füllen dort die gläsernen Vitrinen, so dass man sich beinahe in einen Schmuckladen versetzt fühlt. Die Exponate sind sortiert nach den unterschiedlichen Schmucktypen. Man erfährt, mit welcher zeitlosen Meisterschaft in der Glanzzeit des polnischen beziehungsweise Kiewer Reiches der Putz der Damen hergestellt wurde. Es war die Herrschaft des Piastenkönigs Boleslaw Chrobry und seiner Nachfolger. Die Sammlung des Warschauer Museums spiegelt auch die wechselvolle Nationalgeschichte Polens, denn sie umfasst Funde aus einem Gebiet, das neben dem heutigen Polen auch Weißrussland und die Ukraine umfasst. Im Mittelalter bildeten diese Regionen einen Kulturraum. Nach 1945 wurde der aber durch die erzwungene Westverschiebung Polens neu aufgeteilt. Und erst nach der Wende ließen sich die Stücke unbeeinflusst von ideologischen Bedenken erforschen.

Die Wanderausstellung, die schon in Norwegen, Irland und anderen europäischen Ländern zu sehen war, zeigt auch, wie sich der Übergang von heidnischen zu christlichen Formen vollzog. Schmuck hatte ja neben der rein ästhetischen Zierfunktion oft auch kultische Zwecke zum Beispiel als Glücksbringer oder magisches Zeichen. So gibt es einerseits Objekte in Axtform oder in der Form eines heute unbekannten Tiers. Andererseits wurde auf münzförmigen Scheiben auch schon der Heilige Georg abgebildet, und natürlich finden sich eine Fülle von Kreuzen.

Die abstrakten Ringe, Armreifen und Gewandfibeln werden ergänzt durch Schmuckstücke, die heute unbekannt sind. So waren offenbar große offene Schläfenringe verbreitet, die Frauen an Kopftüchern befestigten. Die kunstvollsten Stücke sind aus Silber geschmiedet, aber auch Bronze- und Goldarbeiten wurden gefunden. Die Frauen trugen Ringe aus buntem Glas und Ketten aus Edelsteinen. Die Schau bietet neben ausführlichen Erläuterungen zu den Exponaten auch ein Video, das die Fertigungstechniken erklärt.

Bis 8. Mai, di – so 10 – 18 Uhr, Tel. 05251/ 105 110,

http://www.kaiserpfalz-paderborn.de, Katalog  14 Euro

Quelle: wa.de

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