Schloss Oberhausen zeigt Marilyn Monroe in Fotografien

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Besucher schauen Bert Sterns Bild von Marilyn Monroe an. ▪

Von Annette Kiehl ▪ OBERHAUSEN–Die Frage eines Journalisten, ob sie bei Aktaufnahmen für einen Pin-Up-Kalender tatsächlich nichts angehabt hätte, beantwortete Marilyn Monroe so frech wie naiv: „Doch! Das Radio“.

Solche Skandale setzte die Schauspielerin geschickt ein und sorgte für Schlagzeilen. Ob sie sich zu Beginn ihrer Karriere in den 1940er Jahren als Mädchen vom Land oder später als Sex-Bombe präsentierte: Stets nutzte Marilyn Monroe die Fotografie zur Inszenierung ihrer Person und auch als PR-Masche. Die Ludwig-Galerie Schloss Oberhausen zeigt nun, wie Fotografen Monroe charakterisiert und geprägt haben. Die Ausstellung führt einmal mehr das so großartige wie tragische Leben des Hollywood-Stars vor Augen, erzählt aber auch von der Mediengeschichte des 20. Jahrhunderts.

„The Last Sitting“: Das letzte große Shooting vor dem Tod Monroes vor rund 50 Jahren gilt als legendär und wurde von Fotograf Bert Stern unter dem bedeutungsvollen Titel ausgiebig vermarktet. Stern zählte Anfang der 1960er Jahre zu den ersten Stars der amerikanischen Fotografenszene. Er galt als besessen von seiner Arbeit und seinen Modellen und beeinflusste die Ästhetik der Modemagazine, die bislang oft noch mit Zeichnungen arbeiteten. Seine in Oberhausen präsentierten Siebdrucke und Collagen zeugen von großer Experimentierfreude.

Im Auftrag der Zeitschrift Vogue wollte er im Juni 1962 Marilyn Monroe besonders intim porträtieren, ein ikonenhaftes Bild sollte entstehen. Auch die Schauspielerin hatte hohe Erwartungen an die Aufnahmen im luxuriösen Bel-Air-Hotel in Beverly Hills: Nach der Scheidung von Arthur Miller, Depressionen und dem Scheitern von Dreharbeiten wollte sie im wichtigsten US-Modemagazin ihren Körper präsentieren und für Aufmerksamkeit sorgen.

Die Ludwig-Galerie stellt die Bilder des dreitägigen Shootings in den Mittelpunkt der Marilyn-Monroe-Schau. „Marilyn im Ballkleid, denkend“ ist grafisch präzise gestaltet: In Schwarz-Weiß fotografiert, zeigt es die Aktrice mit ernster Mimik in einem schwarzen Kleid mit ausgestelltem Rock, so dass die scharfen Umrisse des Körpers das Bild klar strukturieren. In den farbigen Porträtaufnahmen Sterns scheint die labile Frau hingegen vor Lebensfreude nur so zu sprühen: Sie posiert nackt mit einer bunten Perlenkette, strahlt über das ganze Gesicht und blickt den Betrachter mit ihrem berühmt-lasziven Blick auffordernd an. „Sie war ein Ereignis. War lebendig, ruheloser Geist, so flüchtig wie das Denken selbst und so intensiv wie das Licht, das auf ihr spielte...“, schwärmte Stern noch viele Jahre später von der Präsenz Monroes. Dabei verleiht gerade das Unperfekte diesen Aufnahmen ihren Charme. Die ersten Falten an den Augen, die Sommersprossen und der etwas schiefe Lidstrich lassen die Bilder wahrhaftig und im Vergleich mit aktuellen, mit dem Computer bearbeiteten Modelfotos ungewöhnlich erscheinen.

Das berührendste Foto des „Last Sitting“ schoss dann jedoch der Assistent des Künstlers, Leif-Erik Nygard, als Stern einen Spaziergang machte. Es zeigt Marilyn ganz privat und still, wie sie sich nackt auf dem Bett räkelt. Das Gesicht ruht auf der Hand, die Scham ist dem Betrachter zugewandt und die Umrisse des Körpers verschmelzen mit dem weißen Licht. Schutzlos scheint sie zu schlafen. Das Bild stellt die öffentliche Frau, die 1926 als Norma Jeane Baker geboren wurde, als empfindsamen Menschen dar. Gleichzeitig dokumentieren die präzise eingesetzten Gesten ihre Darstellungskraft und ihr Facettenreichtum.

Dieses Talent setzte die Schauspielerin ganz bewusst und äußerst erfolgreich ein, wie die Fotografien in der Ludwig-Galerie immer wieder beweisen. So begleitete Milton H. Greene als Fotograf und Vertrauter Marilyns Hollywood-Karriere und unterstützte ihre Auseinandersetzungen mit Filmstudios durch gezielte PR-Aktionen. Fotos der Schauspielerin in der Natur oder auch nur mit einer Bettdecke verhüllt, zeigen sie von einer vermeintlich privaten und nahbaren Seite. Eine Aufnahme von 1956 porträtiert Marilyn gar als brave Ehefrau, ganz den gesellschaftlichen Idealen dieser Zeit entsprechend. Während Arthur Miller ganz lässig auf dem Liegestuhl sitzt und in seine Arbeit vertieft ist, schmiegt sich die perfekt frisierte Monroe im weißen Bademantel dekorativ an seine Seite.

Marilyn Monroe in Fotografien in der Ludwig-Galerie Schloss Oberhausen. Bis 13.1.2013, di – so 11 – 18 Uhr, Tel. 0208/ 41 24 928, http://www.ludwiggalerie.de,

Begleitheft 4 Euro

Quelle: wa.de

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