„Schiffsverkehr“: Herbert Grönemeyer gastiert auf Schalke

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Tangotanzwütig in Gelsenkirchen: Herbert Grönemeyer in roten Schuhen. ▪

Von Kathrin Nolte ▪ GELSENKIRCHEN–Die fünf Masten mit roten Positionslichtern verwandeln sich in rauchende Industrieschornsteine. Roter Nebel steigt in der Arena auf Schalke auf und hüllt sie in einen längst vergangenen Charme. Das Steigerlied ertönt, und die Menge jubelt. Alle singen aus voller Seele mit.

Als Herbert Grönemeyer seinen Klassiker „Bochum“ anstimmt, ist er endlich wieder im Ruhrgebiet angekommen. Auf seiner Tour „Schiffsverkehr“ macht der 55-Jährige Halt in Gelsenkirchen und begeistert am Dienstagabend 50 000 Zuschauer.

Das Konzert beginnt stilecht mit dem Ertönen eines Nebelhorns und dem Titelsong des 13. Studioalbums „Schiffverkehr“. Nebelschwaden hüllen die Bühne, die wie ein schwarzes Schiff wirkt, ein. An den fünf Masten sind Video-Wände befestigt. Sie sehen aus wie Segel. Die Scheinwerfer sind Schiffsschrauben nachempfunden. Herbert Grönemeyer lässt zum Auftakt noch einen zweiten neuen Song folgen: Mit „Fernweh“ sticht er in See. Doch erst als er seine Kulthits anstimmt, schlägt die Stimmung in der Arena hohe Wellen.

Nachdem sich das Publikum mit „Bochum“ eingestimmt hat, kann es mit „Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist“ gleich weiter mitsingen. Grönemeyer genießt sichtlich die Atmosphäre und verharrt mehrfach still an diesem Abend. „Es ist ein irres Gefühl“, lautet sein Kommentar.

Satt sind die 50 000 auch nach der „Currywurst“ noch lange nicht. Auch wenn Grönemeyer nach der ersten halbe Stunde feststellt: „Dann können wir ja gleich Schluss machen.“ Doch bis dahin folgen noch 26 weitere Songs – denn erst um 23.30 Uhr ertönen die letzten Klänge von „Lied zur guten Nacht“. Die Sperrstunde der Konzert-Arena ist da schon eine halbe Stunde alt.

Bewegung kommt ins Spiel, als „Mensch“ ertönt: Die Masse wiegt die Arme im Takt hin und her. Die Scheinwerfer tauchen das Fußballstadion in gelb-orangenes Licht. Es weht erneut ein maritimer Wind mit dem „Strand des Lebens“. Und auch ohne Musik singen die Fans minutenlang weiter, bis die Musiker erneut mit dem Refrain einsetzen und Grönemeyer wie ein Flamenco-Tänzer mit seinen roten Turnschuhen die Hüften kreisen lässt. Es wirkt unbeholfen, ist aber trotzdem im Takt. Als Dank für die Einlage schwappt eine Welle durch den Innenraum hinauf auf die Sitzplatz-Ränge. Wunderbar mitreißend. Beeindruckend. Auch wenn die visuelle Untermalung auf den Leinwänden eher spärlich ausfählt, die Videos setzen trotzdem passende Akzente. So ließ sich Herbert Grönemeyer beispielsweise für den Clip bei „Alkohol“ schlafend im Bett filmen.

Die Technik hingegen läuft anfangs nicht ganz rund. Die Textzeilen versinken im hallenden Echo der Arena. Während der geneigte Zuhörer nicht immer die Lieder des neuen Albums verstehen konnte, spielt dies bei den Klassikern wie „Männer“ oder „Was soll das?“ dann keine Rolle mehr. Nach eineinhalb Stunden hat Grönemeyer das erste Mal „Tschüss“ gesagt, nach einer weiteren lässt der 55-Jährige „Mambo“ anstimmen: Die Masse hat es sich so gewünscht. Es folgt Zugabe um Zugabe.

Erst nach mehr als drei Stunden ist es schließlich vorbei. Die Lichter auf der Bühne gehen aus, anders ist das begeisterte Publikum nicht zu stoppen. Herbert Grönemeyer auch nicht.

Weiterer Termin: 13.6. Köln

http://www.groenemeyer.de

Quelle: wa.de

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