Sauna-Feeling beim Konzert von Monster Magnet in Köln

+

Köln – Gemeinsam mit Dave Wyndorf in der Sauna abhängen? Kein Problem in Köln. Mit seiner Band Monster Magnet tritt der 61-jährige Frontmann in der Live Music Hall auf, in der die Luftfeuchtigkeit so hoch ist, dass es von der Decke tropft.

Den Fans ist das egal, sie sind schon vom Warten auf die Stoner-Rock-Ikonen im kölschen Tropenhaus in wenigen Minuten klatschnass geschwitzt. Und nachdem die ersten Klänge von „Dopes to Infinity“ aus den Boxen dröhnen, werden die ersten Crowdsurfer aktiv.

Die Gruppe aus New Jersey gibt sich in der Domstadt so staubtrocken wie ihre Musik. Dave Wyndorfs Bandkollegen, bei denen es in der Vergangenheit immer wieder mal einen Austausch gab, verrichten stoisch und mit wehendem Haar im Schatten der Windmaschinen ihr Handwerk. Bei den Gitarrensoli wird ein wenig gepost, ansonsten obliegt es Dave Wyndorf, dem einzig verbliebenden Ur-Mitglied, das Publikum zu unterhalten.

Rockig-heißer Konzertabend mit Monster Magnet in Köln

Er spricht hin und wieder etwas an die Fans gerichtet ins Mikro, nennt sie Brüder und Schwestern, zumeist aber macht er mit ausladenden, bedeutungsschwangeren Bewegungen auf sich aufmerksam. Es wohnt etwas Schamanenhaftes in ihm und seinen Gesten, diesem durchtrainierten, schillernden Altrocker mit strahlend weißem Blendax-Lachen und schulterlanger Mähne.

Durchzogen von Retro-Flair gehen Monster Magnet lärmend-polternd in ihrem knackigen, rund 80-minütgen Set zu Werke. Zwölf Songs finden darin Platz. Die Auswahl muss eine Herausforderung gewesen sein: Seit 1989 existiert die Band, die erste Platte erschien 1991. Seitdem sind zehn Studioalben in die Verkaufsregale gewandert. Erschwerend kommt hinzu, dass auch das schnörkellose, aktuelle Album „Mindfucker“ gewürdigt werden will, mit dem die Band immerhin bis auf Platz 19 der deutschen Albumcharts kletterte.

Fünf Songs sind an diesem Abend von der neuen Platte, die auffallend geradlinig worden ist und weniger verspielt und psychedelisch durchzogen daherkommt wie vergangenes Material. Wyndorf mischt Proto-Punkt mit klassischem Hardrock, lässt die Stooges auf Black Sabbath treffen und produziert mit den Einflüssen der 60er und 70er Jahre, Sludge und Garage Rock ein dreckiges, Testosteron-geschwängertes Sound-Amalgam.

Der titelgebende Song „Mindfucker“ ist ein schwerer Brecher, „Ejection“, das, was man gemeinhin wohl als Schweinerock bezeichnet, ein räudiger, nach vorne preschender Song ohne Umwege, der im Original von Hawkwind-Frontmann Robert Calvert stammt. In „When the Hammer Comes Down“ spielt die Band am Rande zum Heavy Metal ihre Gitarrensoli, während Wyndorf auf Abrechnung aus ist: „Du hast eine Supernova berührt, als du es zugelassen hast, dass die Wahrheit versank. Das Universum wird dich behandeln wie du es verdienst hast, wenn der Hammer auf dich einschlägt.“

Eigentlich habe er ein einfaches, arschtretendes Album machen wollen, hat Wyndorf jüngst in einem Interview angegeben. Die Texte sollten dabei von keinerlei großer Bedeutung sein. „Ich dachte: Sex, Drugs und Rock ‘n‘ Roll! Das ist perfekt geeignet. Das habe ich schon lange nicht mehr gemacht.“ Als er die Lyrics schrieb, wurde Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt. „Ich versuchte Songs über Freundinnen und solche Sachen zu schreiben, aber die beängstigende Paranoia des Jahres 2018 war allgegenwärtig. Sie kroch und fand ihren Weg in all meine Texte.“

Höhepunkt des Konzerts ist für die Fans in der Live Music Hall ein älterer Songs: „Space Lord“ vom 1998er Album „Powertrip“, das für Monster Magnet den kommerziellen Durchbruch bedeutete. Im Refrain brüllt die Meute mit, während sie die Handykameras in Massen auf die diffus beleuchtete Bühne richten. Dave Wyndorf genießt diesen Augenblick sichtlich. „Das Live-Ding ist wie in einem Zirkus aufzutreten. Es ist alles, was ich schon als Kind machen wollte. Und es gibt keinen Grund für mich, damit aufzuhören“, hat er einmal gesagt.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare