Sade singt in Oberhausen: „Smooth Operator“

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Sinnlicher Moment: Sade in Oberhausen. ▪

Von Frank Osiewacz ▪ OBERHAUSEN–Nach knapp zwei Stunden steigt Sade unter stehenden Ovationen dorthin hinab, woher sie zu Beginn der Show gekommen ist: In eine rechteckige Öffnung im Bühnenboden der Arena Oberhausen.

Mit „Cherish The Day“ hat sich die 52-jährige Soul- und Jazz-Ikone – inzwischen gekleidet in Feuerrot – von ihrem Publikum verabschiedet. Beim zweiten von sieben Deutschlandterminen im Rahmen ihrer Welttournee überzeugt die Britin, die in Nigeria geboren wurde, mit einem gelungenen Mix aus drei Jahrzehnten ihrer Pop-Karriere. Sechs der insgesamt 21 Stücke des Abends stammen aus dem aktuellen Album „Soldier of Love“. Mit dem gleichnamigen Song eröffnet sie – begleitet von acht exzellenten Musikern – unter Donnern und Blitzen eine von vorne bis hinten stilvoll durchkomponierte Show. Jedes Bühnenbild, das mit Hilfe von Videoeinspielungen, riesigen textilen Schals oder Vorhängen entsteht, ist individuell auf einen Song zugeschnitten. Mehrfach am Abend wechselt Sade blitzschnell die Garderobe: Vom schwarzen Einteiler mit leicht transparentem Top und hochhackigen Schuhen schlüpft sie zu „Smooth Operator“ in ein Gangster-Outfit der 30 Jahre. Später tritt sie im weißen Kleid und mit offenen Haaren vor die rund 7000 Besucher.

Zum Schluss gibt sie sich bodenständig, verabschiedet sich barfuß.Dass der musikalische Sprung durch die Dekaden gelingt, zeigt vor allem eins: Sades Musik ist zeitlos schön und bleibt sich in der Grundausrichtung treu. Klassiker wie „Your Love Is King“, „Sweetest Taboo“, „Is It a Crime“ oder „King of Sorrow“ harmonieren gut mit aktuellen, groovenden Titeln wie „In Another Time“ oder „Bring Me Home“, das die Band zu Bildern von vorbeiziehenden Landschaften und Straßen hinter einen transparenten, die Bühne umhüllenden Vorhang spielt. Noch immer umgibt die dreifache Grammy-Gewinnerin jene Aura unterkühlter Erotik, die die Fans seit Beginn ihrer Karriere mit „Diamond Life“ (1984) lieben. Auch in Oberhausen reichen kleine Gesten, eine Schrittfolge oder kurze Bewegungen des Körpers, um das Publikum in Verzückung zu versetzen. Das Alter scheint an Sade kaum Spuren hinterlassen zu haben. Gerüchte, ihre Stimme würde nicht mehr tragen, verbannt sie leicht und locker ins Reich der Phantasie. Allerspätestens während der eindringlichen Ballade „Pearls“, die sie solo vorträgt, hält das Publikum gefühlte viereinhalb Minuten den Atem an. Bleibt zu hoffen, dass bis zu Sades nächster Deutschland-Tournee nicht wieder 18 Jahre vergehen.

Köln, 21. Mai, Lanxess Arena

Quelle: wa.de

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