Ruhrfestspiele mit John Malkovich und Heike Makatsch

+
Hollywoodstar John Malkovich spielt den Verführer Casanova in Recklinghausen. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ DORTMUND–Starglanz über Recklinghausen: John Malkovich, Heike Makatsch, Burkhard Klaußner, Dominique Horwitz, Ben Becker, Edgar Selge, Andrea Sawatzki – prominente Schauspieler zieren das Programm der 65. Ruhrfestspiele. Festspielleiter Frank Hoffmann bietet ein populäres Programm mit einer Reihe sicherer Publikumserfolge, das er gestern im Dortmunder U vorstellte – mit illustren Gästen.

Hollywood-Star Malkovich riss 2010 in den Bekenntnissen eines Serienmörders das Publikum mit einer Mischung aus vorgeblicher, zynischer Beichte und barocken Arien hin. Das gleiche Team mit Regisseur Michael Sturminger und Dirigent Martin Haselböck spielt nun zur Eröffnung des Theaterfests die „Giacomo Variations“. Malkovich mimt darin den alternden Casanova, der an einem dekadenten deutschen Fürstenhof Zuflucht sucht und sich Erinnerungen hingibt. Seine Partnerin ist Ingeborga Dapkunaite, die an der Seite von Brad Pitt im Film „Sieben Jahre in Tibet“ überzeugte. Die Musik stammt diesmal aus Mozart-Opern, und es singen nicht nur eine Sopranistin und ein Bariton, sondern auch Malkovich selbst.

Ihr Bühnendebüt gibt die Schauspielerin Heike Makatsch in einem ambitionierten Projekt: Unter der Regie von Sebastian Hartmann hat sie die Hauptrolle der Jane in der Bühnenfassung von Wim Wenders Kultfilm „Paris, Texas“. Auch andere Gastspiele sind groß besetzt, so spielt Dominique Horwitz die Titelrolle in Edmond Rostands „Cyrano de Bergerac“. Im Theater Marl verkörpert Gustav Peter Wöhler den Tevje in „Anatevka“. Und in O‘Neills Familiendrama „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ treten Ben Becker, David Bennent, Gerd Böckmann und Angela Schmid auf.

Vom Musical hat Hoffmann zehn Vorstellungen vorgesehen. Und 15 Aufführungen des Schweizer Pferdetheaters „inStallation“ sollen im Theaterzelt laufen. Populäres ist nicht unerwünscht bei den Ruhrfestspielen, nachdem 2010 erstmals ein Rückgang mit 73 000 Besuchern (2009: 80 000) verzeichnet wurde, allerdings mit einem sperrigen Kleist-Schwerpunkt. 60 Produktionen in 200 Aufführungen sind geplant, 90 000 Karten stehen zur Verfügung.

Das Motto liefert im Kleist-Jahr wieder ein Klassiker: „In die Zeit gefallen: Schiller“. Von ihm schwärmt Hoffmann als eminent politischem Dramatiker: „Er spricht nicht nur von Freiheit. Seine Gedanken kennen keine Grenzen. Das macht ihn zu einem der eindringlichsten Revolutionäre der gesamten Geistesgeschichte.“ In diesem Leitthema sieht Hoffmann auch das politische Bewusstsein des Festivals manifestiert.

Fünf Dramen des Autors stehen auf dem Spielplan, darunter bewährte Inszenierungen an großen Schauspielhäusern wie Nicolas Stemanns Inszenierung der „Räuber“ vom Thalia Theater Hamburg, Dusan David Parizeks „Kabale und Liebe“ vom Deutschen Schauspielhaus Hamburg und Roger Vontobels mit dem „Faust“-Theaterpreis ausgezeichneter „Don Carlos“ vom Dresdner Staatsschauspiel mit Burkhard Klaußner und Christian Friedel. Erstmals kooperieren die Ruhrfestspiele mit der neuen Philharmonie Westfalen bei einer Aufführung von Beethovens Symphonie Nr. 9, deren abschließende „Ode an die Freude“ bekanntlich von Schiller stammt. Hoffmann selbst führt Regie in einer Schiller-Uraufführung: Er nahm das unvollendete Drama „Demetrius“ und schuf eine Textfassung, die vom Marionettentheater Mini-Dlin aus St. Petersburg gespielt wird. Aus Schillers Ballade „Die Bürgschaft“ macht Autor Lothar Kittstein einen Politthriller. Und Albert Ostermaier, einer der berühmtesten deutschen Gegenwartsdramatiker, verbindet in „Aufstand“ Motive der „Räuber“ mit dem anarchistischen Pamphlet, das von Frankreich aus europaweit Furore macht. Die Uraufführung ist im Recklinghäuser Rathaussaal, worüber sich der Autor im U sehr zufrieden zeigte. Abgerundet wird der Schwerpunkt mit Lesungen (u.a. von Rüdiger Safranski aus seinem Buch „Goethe und Schiller. Geschichte einer Freundschaft“) und einer interaktiven Ausstellung über die „Räuber“, gestaltet vom Deutschen Literaturarchiv in Marbach.

Profil sucht das Festival in Uraufführungen, unter anderem mit dem Gewinnerstück des Kleist-Förderpreises, „Der große Marsch“ von Wolfram Lotz und das letzte vollendete Stück des 2001 gestorbenen Autors und Regisseurs Einar Schleef, „Gute Reise auf Wiedersehen“. Hinzu kommt das Begleitfestival „Fringe“, das neu gestaltet wird. Für die Ausgabe 2012 können sich Künstler der freien Szene direkt bewerben.

Ergänzt werden die Festspiele um Lesungen, Kabarett-Auftritte und Kindertheater. Und weil sie an Pfingsten enden, gibt es gleich zwei abschließende Konzerte: Eine italienische Nacht mit Umberto Tozzi und eine dreistündige Zeitreise durch deutsche Rockgeschichte mit Nena. Unverändert aber ist der Auftakt: Am 1. Mai werden die Ruhrfestspiele mit einem großen Volksfest eröffnet.

Tel. 02361/92 180, http://www.ruhrfestspiele.de

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare