Rottke & Scheers Theaterplakate im Museum Folkwang

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Die Sprechblase greift ein Dialog-Moment aus dem Stück „Made in Bangkok“ (1986) von Anthony Minghella auf. Das Plakat von Rottke & Scheer wirbt für die Inszenierung am Schauspiel Düsseldorf (1988/89) und ist in Essen zu sehen. 

Essen - Ein Hingucker ist auch ein Schlagwort für etwas Auffälliges. Hingehen sollen die Hingucker, die die rote Sprechblase auf blauem Grund lesen: „Was ist das für Reklame? Das ist doch Reklame, oder?“ Sie sollen ins Schauspielhaus Düsseldorf gehen, denn dort ist der ganze Dialog zu hören. 

Die Aufführung von Anthony Min-ghellas Stück „Made in Bangkok“ fand in der Spielzeit 1988/89 statt, als Rottke & Scheer mit ihrer Plakatserie „Sprechblasen“ für die Bühne geworben haben: einfach, gradlinig, auffällig und auffordernd.

Also ist es doch Reklame, was derzeit im Museum Folkwang zu sehen ist. Oder? In Essen werden derzeit 75 Plakate des Grafikers Helmut Rottke und des Texters Reinhold Scheer ausgestellt. Außerdem sind Fotos von Plakaten im Straßenraum („freie Wildbah“) und ihre Beschädigungen zu sehen.

„Rottke & Scheer – Plakate. Theater als Produkt“ heißt der Titel, der ganz unumwunden ausdrückt, wie nüchtern und kalkuliert seit 1986 Bühnenarbeit am Stadttheater verkauft wird. Das Deutsche Plakat Museum im Museum Folkwang macht auf einen Zeitenwandel beim Genre Theaterplakat aufmerksam. Herausgestellt wird, wie das Plakat seinerzeit half, bei der Bewerbung vom Bühnenprogramm über die Zielgruppe hinauszugehen. Jeder sollte sich angesprochen fühlen, nicht nur Abonnenten, Bildungsbürger und Oberstufenschüler.

1986 starteten Helmut Rottke und Reinhold Scheer ihre neue Kommunikationsstrategie für Bühnen. Im Museum Folkwang sind nun 17 Plakatserien zu sehen, die bis 2003 für die Theaterhäuser in Essen, Wuppertal, Düsseldorf und Stuttgart entwickelt wurden. Dabei griffen die Werbefachleute einige inhaltliche Momente aus dem Stück auf und setzten sie ganz einfach, aber effektiv ins (Plakat)Bild. Erstmals wurde Bühnenkunst als Produkt bewertet, das an den Mann und die Frau gebracht werden sollte. Zur Oper „Carmen“ von Bizet schrieben Rottke & Scheer 1986: „Männer Düsseldorfs. Verlasst eure Frauen und besucht Carmen“ und „Frauen Düsseldorfs. Von diesem Weibsbild könnt ihr lernen“. Die Seriennamen sagen bereits viel über die grafischen Methoden aus, mit denen die Werbemacher auffallen wollten: Typo, Sprechblasen, Scherenschnitt, Comics, Sprayer, Szenen.

Helmut Rottke, Grafik- und Kommunikationsdesigner aus Düsseldorf, und Reinhold Scheer, Texter und Creative Direktor, haben für insgesamt 20 Kultureinrichtungen ihre Werbekampagnen gestartet. Sie erhielten zahlreiche internationale Preise dafür. Normalerweise warben sie für Autos, Schokolade und Zigaretten, machten klassische Produktwerbung. Mit ihren Theaterplakaten wollten sie den Menschen auf der Straße ansprechen, der kaum Kenntnisse von der Theaterliteratur hat. Vorher warben oft Dramaturgen für ihre Theaterhäuser und blieben aufgrund ihrer Stoffkenntnis in der Produktaussage langweilig.

Rottke & Scheer eröffneten eine neue Ära der Theaterwerbung. Grelle Farben, bissige Sprache und interessante Figuren schufen neue Bild-Text-Aussagen fürs Theater.

Bis 16. Mai; di-so 10 bis 18 Uhr, do, fr bis 20 Uhr; Katalog 20 Euro; Tel. 0201/8845 444; Feiertage geöffnet

www.museum-folkwang.de

Quelle: wa.de

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