„Romeo und Julia“ am Schauspiel Düsseldorf

Von Annette Kiehl ▪ DÜSSELDORF – Die Vorzeichen sind düster. Zwei Wesen – irgendwo zwischen Mensch und Leiche angesiedelt – führen in die Geschichte der „sterndurchkreuzten Liebenden“ ein. Dass am Ende dieser Liebe der Tod steht, ist bekannt. Doch der Stimmung in Verona tut dies keinen Abbruch. Bei den Montagues wie auch im verfeindeten Haus der Capulets wird gefeiert, gealbert, um Macht gekämpft – und der Diener immer mal wieder in den Kofferraum des Autos gesteckt. Im Schauspielhaus Düsseldorf ist „Romeo und Julia“ eine Komödie – ganz nah an Shakespeares Ideen.

Jung und poppig wie selten im Großen Haus präsentiert das Haus seine Inszenierung. Zwischen italienischen Autos mit „Verona“-Kennzeichen, Spanholzplatten und „Romeo“-Poster an der Wand von Julias Mädchenzimmer wird die verhängnisvolle Liebesgeschichte verhandelt.

Regisseur Michael Talke setzt auf Unterhaltungsspitzen. Verwirrspiele, flache Sprüche, knappe Röcke – und als Running Gag beschwert sich der Diener mit der dicken Brille regelmäßig in Richtung der Zuschauer über seine beschränkte Rolle: „Romeo darf töten, darf lieben. Julia hat einen Balkon, Mercutio den Mars-Monolog – und was hab ich? Ich darf nur andere Leute suchen!“

Herausgehoben und in Vergrößerung verdoppelt werden dramatische Momente in dieser Inszenierung durch Videoeinspielungen auf einer Leinwand. Die Warnungen des Polizeichefs an die verfeindeten Clans etwa, Mercutios drogengetriebener Monolog von der Feenhebamme und natürlich die Hochzeitsnacht der Hauptfiguren auf einer Motorhaube. Umflattert von Schmetterlingen versinken die heimlich Vermählten in der romantischen Seifenblase, die sie von der feindlichen Welt abschirmt.

Mit dieser popkulturellen Atmosphäre folgt Talke dem Ton von Baz Luhrmanns „Romeo-&-Julia“-Verfilmung von 1996. Mit Leonardo DiCaprio und Claire Danes in den Hauptrollen wirkt der Film bis heute nach. Romeo und Julia sind auf dieser Bühne ähnlich jung, schön und cool. Viola Pobitschka stolpert mit frischem Gesicht und großen Augen ungestüm und unbedarft durch die Liebesgeschichte. Sie folgt ihren Gefühlen, wenn sie sich widerspenstig gegen den gelackten Wunsch-Schwiegersohn ihrer tennisspielenden Mutter entscheidet. Milian Zerzawy gefällt sich als melancholischer Romeo, der von seinen Freunden zum Besuch der Party genötigt wird und dem schicksalhaften Wink der Liebe zur Capulet-Tochter folgt. Sie macht ihn zum Einzelgänger; zurückgezogen, etwas mürrisch, aber umso begehrenswerter. Statt des Kompromisses wählt er als stiller Held am Ende konsequent den Tod.

Auch solche Momente bricht der Regisseur ironisch. Das macht den fast dreistündigen Abend im Schauspielhaus kurzweilig und amüsant, zerstört aber auch die Tragik, die neben allem Humor dieses Stück unverwechselbar macht. Hier sind zwei Teenager, die kaum etwas vom Leben erfahren haben, und doch für ihre Liebe alles geben. Was treibt sie an? Wieso nehmen sie nicht einfach den Nächstbesten? Solche Fragen lässt Talke unbeantwortet. Shakespeares Idee der alles besiegenden Liebe beschäftigt ihn nicht.

So ist das tragische Ende zwar offensichtlich und angekündigt. Trotzdem kommt es plötzlich. Heldenhaft sterben Romeo und Julia für die wahrhaftige Liebe. Doch ihr Tod erscheint kaum mehr als eine Laune.

27., 28. März, 3., 4., 13., 14., 15., 19. April,

Tel. 0211/ 369  911, www. schauspielhaus-duesseldorf.de

Quelle: wa.de

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