Roger Ciceros Album „In diesem Moment“

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Roger Cicero hat ein Album vorgelegt und plant eine Tournee 2012. ▪

Von Rainer Bessling ▪ Das Album startet mit Selbstironie. „Alles kommt zurück“ heißt der Opener über Retro-Wellen und die stete Wiedergeburt der Moden. Von der Neubelebung des Swing profitierte Roger Cicero selbst drei erfolgreiche Scheiben lang. Doch nun schlägt der geschulte Jazzer ein neues Kapitel auf: „In diesem Moment“ (Warner) heißt das Werk, das zusammenbringt, was den Hamburger derzeit musikalisch umtreibt und gedanklich bewegt. Und das ist eine ganze Menge: Gefühlige Balladen und grooviger Funk, lichter Pop und kinotaugliche Klangopulenz – eingeschworene Cicero-Swing-Fans sind herausgefordert.

So ganz neu ist das breite Spektrum des Sängers nicht. Schon beim dritten Album, „Artgerecht“, klangen die Soul-Vorlieben durch, die Cicero vor seiner Swing-Ära pflegte. Deshalb empfindet der Musiker selbst seine aktuelle CD auch mehr als logische Konsequenz. „Nach den ersten drei Alben in rascher Folge war mir klar, dass ich eine Pause machen und sich in der Produktion verändern musste“, sagte Cicero im Gespräch.

Eine Menge Ideen und Entwürfe im Koffer, erlebte sich Cicero ganz neu als „Teamplayer“, als er ein Jahr lang mit dem Kölner Tinseltown-Kollektiv, Kollegen wie Rea Garvey und Musikern von Juli, Stanfour und Jamiroquai arbeitete. Letztere wirkten an „Der Typ im Spiegel“ mit, einer Disco-Nummer im 80er-Jahre-Sound über einen sich selbst fremd gewordenen Protagonisten. Auch eine Art Selbstporträt? „Nein“, winkt Cicero ab, „die Geschichte erzählt von einem Freund.“ Aber es gibt schon eine Menge Persönliches? „Definitiv, vor allem der Textanteil ist sehr persönlich. Ich habe mir im Vorfeld die Themen überlegt, die ich in den Songs auf dem Album hören wollte“, blickt der Sänger auf die Grundimpulse der neuen Scheibe zurück.

In der Tat: keine flockigen Milieuschilderungen mehr, keine ironischen Beziehungsgeschichten und satirischen Männerbilder. Zum Albumschluss dafür eine intime Romanze mit Klavierbegleitung und vor transparenten Streicherklängen: „Dunkelheit zu Licht“. Ist es eigentlich schwerer, derart emotional aufgeladene Texte zu interpretieren als swingende Szene-Satiren? „Man muss in jeden Song die richtige Haltung und Empfindung einbringen. Aber doch, Balladen sind schwieriger. Es gibt kein links und rechts, es muss passen. Auf dieses Stück bin ich übrigens besonders stolz. Ich habe es zusammen mit Rea Garvey komponiert. Es ist praktisch live eingespielt, wir haben an dem dritten Take nichts mehr verändert.“

So ganz auf den Swing und den Humor muss man bei Ciceros persönlichem Bekenntnisalbum und musikalischen Visitenkarte dann doch nicht verzichten. Bei „Adieu & Kuss“ kommt die Bigband-Kulisse wieder zum Einsatz, allerdings als zwielichtiges Glamourkleid für eine bittere Global-Shopper-Karriere, als Soundtrack für den schönen Schein, ein bisschen Bond, viel Casino.

Bar-Jazzig klingt „Zu zweit“, eine schöne poetische Geschichte über die Einsamkeit als Dauerpartner. Hier sind thematischer Tiefgang und hoher lyrischer Ton durch bildhafte Formulierungen gebändigt.

Apropos „Alles kommt zurück“: Für Roger Cicero ist „In diesem Moment“ nur ein Teil seines musikalischen Outputs. wenn er im nächsten Jahr auf Tournee geht, wird der Swing auch wieder zu seinem Recht kommen. Die ersten Verkaufszahlen des neuen Albums geben dem Jazz-Soul-Funk-Pop-Sänger jetzt schon recht, dass die neue alte Mischung stimmt.

Die Tournee

Roger Cicero geht 2012 auf Tour. Eine Auswahl:

25. 2. Dortmund, 26. 2. Wetzlar, 29. 2. und 1. 3. Frankfurt, 3. 3. Bremen, 4. 3. Düsseldorf,

8. 3. Münster, 11. 3. Kiel,

14. 3. Köln, 15. 3. Braunschweig, 18. 3. Hannover,

20. 3. Bielefeld, 23. 3. Lübeck, 24. 3. Hamburg, 25. 3. Oberhausen

Quelle: wa.de

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