Roger Cicero in der Dortmunder Westfalenhalle

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Roger Cicero in Dortmund ▪

Von Christoph Giese ▪ DORTMUND–Vor dem Konzert und in der Pause geht der Eisverkäufer an den vollbesetzten Stuhlreihen entlang. Vorne im Foyer gibt es von Hut bis T-Shirt und Tasse alles als Fanartikel zu kaufen. Teenies mit Zahnspangen kreischen zwischendurch und singen textsicher mit. Auf der Bühne ist eine kleine Showtreppe aufgebaut. Es ist wie bei einem großen Popkonzert. Mit dem Programm seines aktuellen Albums „In diesem Moment“ ist Roger Cicero jetzt auch genau dort, beim Pop, angekommen.

Ein Ohrwurm wie „Keine halben Sachen“ über den inneren Schweinehund und die guten Vorsätze von dem neuen Tonträger geht da flüssig und glatt runter. Auch der Song über die erste Liebe passt in dieses Schema.

Vom Swing-Jazz hin zur Popmusik – Roger Cicero hat diesen Richtungswechsel schön fließend vollzogen. Frank Ramond textet nicht mehr für den smarten Wahl-Hamburger, Sohn des verstorbenen Jazzpianisten Eugen Cicero. Und doch haben die Lieder von Cicero Junior noch immer diese sprachliche Leichtigkeit. Etwa „Adieu & Kuss“, das geschickt ganz lockeren Swing der sehr guten dreizehnköpfigen Bigband verbindet mit der Geschichte über den Lebemann, der über seine aufregende Vergangenheit derzeit nur aus der Knastzelle träumen kann. Ein knackiges Saxofonsolo gibt diesem Stück kurz richtig jazzigen Biss.

Roger Cicero und seine Big Band haben einfach den Bogen raus, wie man zwischen den Genres bestens unterhält und dabei auch durchaus anspruchsvolle Musik macht. Die mehr als zweistündige Show pendelt zwischen neuen Titeln und alten Erfolgsnummern, vor allem dem so erfolgreichen Debütalbum „Männersachen“. Mit dem startete der studierte Jazzsänger 2006 voll durch und machte über Nacht deutschsprachigen Swing-Jazz massenkompatibel.

Auch das Dortmunder Publikum ist entsprechend bunt gemischt. Die kreischenden Teenies sind zwar alleine gekommen, aber daneben sitzen welche, die vom Alter her die Eltern sein könnten.

Und alle packt er sie, dieser so charmante Roger Cicero, und bringt sie dazu, selbst nach Konzertende noch minutenlang im Chor weiterzusingen. Unglaublich souverän führt der 41-Jährige durch sein Programm, sucht immer wieder den ganz nahen Kontakt zum Publikum, lässt sich beim Singen auch mal länger mit einem Fan im Arm fotografieren und weiß auf jeden Zwischenruf eine schlagfertige Antwort.

Am Ende wartet dann natürlich ein Hitfeuerwerk. Mit „Frauen regier‘n die Welt“, dem Song, mit dem sich der Sänger 2007 leider erfolglos beim Eurovision Song Contest versuchte, oder mit „Zieh‘ die Schuh aus“, dieser mitreißenden, banal-genialen Swingnummer mit den pointierten, knackigen Bläsereinsätzen.

Das alles ist leichtverdauliche, aber sehr gut gemachte Unterhaltungsmusik. Die hat Roger Cicero in all den Jahren weiter perfektioniert. Und der anhaltende Erfolg gibt ihm Recht.

Quelle: wa.de

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