Die „Rocky Horror Show“ im Musical Dome Köln

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Muntere Wiederkehr: Szene aus der „Rocky Horror Show“ mit Rob Fowler (Frank'n'Furter), Kerry Winter, Matt McKenna und Djalenga Scott (von links). ▪

Von Katja Lenz ▪ KÖLN–Brad Majors und Janet Weiss verirren sich nach einer Reifenpanne im Wald. Es ist sehr finster und regnet ganz schrecklich. Sie kommen an ein Schloss. Wer mag der Herr sein? Es ist Dr.

Frank’n’Furter, ein außerirdischer Wissenschaftler, der gerade in seinem Labor das muskelbepackte Liebchen Rocky für sich erschafft. Brad und Janet treten ein. Willkommen bei der „Rocky Horror Show“. An der Fassung in der Regie von Sam Buntrock, die im Kölner Musical Dome Deutschland-Premiere hatte, hat Richard O’Brien, Schöpfer des Kult-Musicals von 1973, noch einmal mitgewirkt. Sie haben das „schräge Märchen für Erwachsene“ etwas auf Vordermann gebracht. Aber zum Glück nicht zu sehr.

„Sweet Transvestite“, Auftritt von Frank’n’Furter (Rob Morton Fowler): Er stolziert im schwarzen Mantel auf die Bühne, in Netzstrümpfen und mit knallroten Pumps. Mantel und schwarze Perücke werden sofort abgeworfen. Da ist er – überraschend blond, etwas moppelig in der transparent-schwarzen Corsage, mit einer gewaltigen Stimme. Brillant. Es besteht überhaupt kein Zweifel, wer hier der Chef ist.

Das Premieren-Publikum ist da schon ziemlich im Kult-Stress. Gerade kam das legendäre „The Time Warp“. Also aufstehen, Arme rauf, Arme runter, drehen, Hüpfer nach links, Hände an die Hüften… Davor gab es ja schon Konfetti werfen I, Zeitung tragen, Wasser spritzen, Knicklicht schwenken. Auf einem Flugblatt werden die „DOs and DON’Ts für die Show“ erklärt, mit dem Hinweis, bitte nichts auf die Darsteller zu werfen. Reis, Toast und Wasserbomben sind sowieso verboten. Der Zettel steckt in einer schwarzen Umhängetasche mit der erwünschten Ausrüstung (für 9 Euro). Einige Zuschauer verpassen vor lauter Kramen die Szene mit dem Gummihandschuh und das Spielkarten-Schnipsen. Weil es am Anfang nicht nur vom Nachbarn „regnet“, sondern auch von der Bühnentechnik, werden die Ehrengäste in den ersten Reihen nass – es sei denn, sie haben schnell die Zeitung zur Hand.

Frank’n’Furter treibt seine Spielchen, verfolgt seine Ziele, rücksichtslos, ausschweifend, selbstverliebt. Er verführt heimlich erst die brave Janet (süß: Daisy Wood-Davis), dann den biederen Brad (auch süß: Jon Hawkins), dargestellt als drastisches und komisches Schattenspiel. Im prüden Amerika der 50er Jahre sind diese beiden also schon mal sexuell befreit – von einem Alien.

Die „Rocky Horror Show“ sieht sich im Kontext zu alten B-Movies und spielt gelegentlich auf Filmszenen an: Eine riesige Hand von King Kong dient Frank’n’Furter als Sitzpolster. Zeitweise ist die eher karg ausgestattete Bühne von Lämpchen umrahmt und imitiert eine Leinwand. Auch die eigene Film-Vergangenheit in der „Rocky Horror Picture Show“ (von 1975) wird hier nicht verleugnet. Man kann in der Inszenierung natürlich einen tieferen Sinn suchen, etwas Sozialkritisches oder Geschichtsträchtiges vielleicht. Muss man aber nicht.

Will man auch eigentlich gar nicht. Diese „Rocky Horror Show“ ist ein gelungener, galaktischer Spaß. Die Songs werden von der Band schnörkellos und mitreißend präsentiert, von den Darstellern phantastisch gesungen. Die Figuren wurden leicht entstaubt und auf modern getrimmt: Diener Riff Raff (Matt McKenna) ist kein gebeugter, zotteliger Kauz mehr, sondern ein cooler Typ mit blonder Langhaar-Perücke und türkisfarbener Nickelbrille. Einige Kostüme erinnern ans 18. Jahrhundert, sind aber mit Lack und Leder verziert. Rocky (herrlich albern: Sam Cassidy) trägt eine lange goldene Hose, darüber Sixpack, Grinsen und Locken. Franks Blondchen darf in seinem kurzen Dasein fast nur ungelenk über die Bühne staksen und überrascht gucken angesichts der Szenen und seiner eigenen Erfahrungen.

Das ganze Treiben wird nüchtern vom Erzähler erklärt und analysiert – Schauspieler Sky du Mont (in Smoking mit Fliege) spult seinen deutschen Text routiniert und seriös runter und erntet dafür die üblichen Zwischenrufe: „Boring!“ Klar, er pariert: „Hey Leute, ihr müsst euch das nur einmal anhören, ich muss das jeden Abend sagen.“

In Köln bis 10.7.,

danach u.a. Capitol Theater Düsseldorf (20.9.–2.10.), Colosseum Essen (4.–9.10.), Konzerthaus Dortmund (3.–8.1.), Arena Oberhausen (10.–15.1.).

Tel. 01805/2001,

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Quelle: wa.de

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