Die Rocky Horror Show in Dortmund

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Diese Bildzeile gehört dran: Brad (David Ribi) und Janet (Jenny Perry) wundern sich über Frank’N’Furter (Rob Fowler, von links) in der Rocky Horror Show, zu sehen im Konzerthaus Dortmund.

Von Edda Breski DORTMUND - Der Karneval hebt Verbote auf. Ein Mann darf sich wie eine Frau kleiden und sich weibisch benehmen, je weibischer, desto besser sogar. Das Crossdressing stammt zwar nicht nur aus dem Karneval, ist aber kulturell durch ihn gewissermaßen abgesichert.

Wenn sich ein Mann ganz offenbar nur verkleidet, nimmt man ihm seinen Transgender-Ausflug nicht übel. Die Rocky Horror Picture Show, aus der Feder des Briten Richard O’Brien, ist wie eine Karnevalssitzung: zwei Stunden rituelle Lockerheit. Es ist vorgeschrieben, wann man Konfetti wirft und wann man buht. Eigentlich ist das Befolgen der einschlägigen Vorschriften sogar der Hauptspaß.

Im Konzerthaus Dortmund, wo die Show als Wintergastspiel zu sehen ist, wirkt der Kontrast noch stärker, weil der Ort offensichtlich eine Location für die so genannte ernste Kultur ist, mit ordentlichen Sitzreihen aus hellem Holz und einer quadratischen Bühne, die den Schuhkarton des Musiksaals vorne abschließt. Trotzdem gelten während des Gastspiels leicht modifizierte Regeln. Frauen über 60 stellen sich auf der Toilette an, um an den Waschbecken winzige Wasserpistolen aufzuladen. Jüngere Frauen tragen Minis und Highheels. Ein Teenager mit „System of a down“-Shirt sucht einen Konfettibeutel heraus. Das gibt es in der Fanbag zu kaufen, zehn Euro für eine bedruckte Plastiktasche. Darin befinden sich neben Konfetti und Wasserpistole ein paar Seiten einer Tageszeitung, ein rotes Papphütchen, wie es Anzugträger als Verkleidungsaccessoire im Karneval aufsetzen, und drei Blättchen Toilettenpapier.

Das Konzerthaus hat vor dem Saal Ordner aufmarschieren lassen, die die Besucher befragen, ob sie auf eigene Faust verbotene Substanzen mitgebracht haben: Reis, Wasserpumpguns oder Mehl.

Wer mit Nein geantwortet und seinen Sitz eingenommen hat, bekommt was geboten. Die Inszenierung ist grell und schnell, die Späße sitzen wie todsichere Pointen. Rob Fowler als Frank’N’Furter macht einen klasse Job. Die Anstrengung, die es ihn kostet, zwei Shows am Tag zu spielen, wird man ihm in der Zugabe, dem Time Warp natürlich, ansehen, aber bis dahin sitzt jede Geste, jedes lüsterne Lächeln, jeder Schritt in den lackroten Highheels. Und auch jeder Ton, vom tieforgelnden Gurgeln in „Sweet Transvestite“ bis zu den Falsett-Höhenflügen, mit denen O’Brien die Glamrock-Inszenierungen der 70er Jahre persiflierte. Fowlers Mimik ist eine gelungene Kreuzung aus Kim Catrall in „Sex and the City“ und Marylin Monroe in „Wie angelt man sich einen Millionär“, besonders als er in engelweißen Strapsen „Don’t dream it, be it“ singt und mit sanftem Beckenkreisen die Freuden der Promiskuität bewirbt.

Ein ebenso guter Falsettsänger ist Stuart Matthew Price, der als Riff Raff mit seiner psychedelisch eingefärbten Rundglasbrille halb cool, halb verrückt spielt. Auch Maria Franzén als Magenta ist stimmkräftig. David Ribis Brad und Jenny Perrys Janet sind hauptsächlich brav, wie es ihren Rollen entspricht.

Wie gut die Stimmen wirklich sind, ist leider kaum auszumachen, da der Sound in Dortmund schlecht ausgepegelt ist. Von der Band hört man hauptsächlich Gerumpel und ein in den Ohren sägendes Saxofon. Der Saal, der für akustisch erzeugte Klänge so sensibel ist, reagiert schlecht auf elektronische Verstärkung. Ungünstig ist der Saal auch aus Verkaufsgründen. In Essen soll Sky du Mont den Erzähler geben. In Dortmund wäre die Gage des deutschen Schauspielerstars wegen der geringen Sitzanzahl nicht gegenzufinanzieren. Aber Synchronsprecher Stephan Müller-Ruppert fordert zumindest alle Anwesenden durch einen Fußballwitz über die pechgeplagten Dortmunder zum Protest heraus. Die „Boring“-Rufe, mit denen das Publikum üblicherweise den Auftritt des Erzählers quittiert, kontert er mit dem Charme eines Studienrats.

Bis 31. 12. in Dortmund, 27.1.-1.2. Essen, 14.-15.4. Bielefeld, 17.-19.4. Oberhausen.

Tel. 01805/2001

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Quelle: wa.de

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