"Rock am Ring"

80.000 erleben zweiten heißen Festivaltag

+
Die Festivalbesucher kühlen sich auch in Planschbecken ab.

NÜRBURGRING - Die Köpfe mit T-Shirts und Handtüchern umwickelt, versuchen sie sich vor der brennenden Sonne zu schützen: 80.000 Rock-am-Ring-Besucher erlebten einen heißen zweiten Festivaltag.

Von Sabine Fischer

So heiß, dass selbst am frühen Abend schon nach einer halben Stunde akute Sonnenbrandgefahrt drohte. Entsprechend leer blieb es daher am Freitag zunächst vor der Center-Stage: Die Rival Sons, John Newman und Jake Bugg – ja selbst TheVoice-Juror Rea Garvey spielten mit Blick auf dünnen besiedelten Asphalt. Letzterer hatte sich im Laufe des Tages so aufgeheizt, dass viele einen Sitzplatz auf trockenem Rasen in Höhe der kleineren Alternastage vorzogen, wo ohnehin noch gefeiert wurde, als auf der Hauptbühne schon längst die Scheinwerfer erloschen waren. 

Lesen Sie auch:
"Rock am Ring" startet warum und schrill

Unter den Tausenden, die den Sit-in probten waren etliche Blumenkinder: Einer der fliegenden Händler setzte auf Flower-Power, traf den Geschmack der Damenwelt und garnierte manche Mähne mit Kunstblumenchic. Dazu passten unter anderem Gogol Bordello mit ihrem Flickenteppich-Charme im 70ies-Stile und dem Gypsy Punk samt Teufelsgeige. 

Dem Sonnenuntergang feierte man gelassen entgegen. Netten, gefälligen Brit-Pop lieferten Kasabian. Mando Diao gaben sich gelassen, konzentrierten sich auf starke Balladen und drosselten auch bei Nummern wie „Down in the Past“ leicht das Tempo. Frontmann Gustaf Norén erklärte warum: Die Band trauere und fühle mit seinen Brüdern Carl und Victor Norén und deren Band Sugarplum Fairy. Kristian Gidlung, Schlagzeuger der Band, sei jüngst seiner Krebserkrankung erlegen und dieser Schatten folge auch Mando Diao, erklärte der Sänger und Gitarrist, der entsprechend besinnliche, fast schon esoterisch anmutende Anmoderationen wählte. 

Die Sonne scheint am Nürburgring.

Deutlich geerdeter wirkte da Björn Hans-Erik Dixgård, zweiter Mann an der Gitarre und an vorderster Front. Was folgte, war ein bombastisches Konzert von Kings of Leon. Obgleich die Band wie gewohnt nur den mindestens Kontakt zum Publikum pflegte, wurde sie dennoch gefeiert, während in ihrem Rücken Motive ihres neuen Albums „Mechanical Bull“ aufflammten und sich die herbeigespielten Emotionen letztlich in einem furiosen Feuerwerk Bahn brachen. 

Emotional und hypnotische gingen auch die Editors zu Werke: Deren Sänger Tom Smith zeigte die Grenzen der Tontechnik auf, als er seine Bariton-Stimme zu vollem Volumen entfaltete. Erst nach geraumer Zeit gelang es, den reinen wie faszinierenden Klang seines Gesangs gänzlich zu entfesseln, der nicht zuletzt ob seiner obsessiven, manischen Lyrik u spalten vermag. Smith bereitete Queens of the Stone Age und Trent Reznors Nine Inch Nails-Projekt den Weg; letzter bewies einmal mehr überzeugend, dass Totgeglaubte länger leben. Als eine der älteren jungen Bands entwickelten vor allem Of Mice & Men zu später Stunde Begeisterungspotenzial: Innerhalb von Minuten sprang der Funke von der kleinsten Bühne des Festivals über und erreichte nicht nur tausende von Fans, die auf die Formation gewartet hatten, sondern vor allem auch jene, die ursprünglich andere Ziele gehabt hatten. 

Bilder sehen Sie hier:

Rock am Ring 2014 - letztes Mal am Nürburgring

Schnell bildete sich auf der Rennstrecke ein Stau und die Band nutzte die Gunst der Stunde, um für ihr drittes Album „Restoring Force“ energetisch zu werben. Ihre Nachfolger Ghost starteten somit aus der Pole Position. Mit Choralgesang, Rotlicht und Nebel kündigten sich die schwedischen Provokateure an, die ihre Gesichter hinter Masken und hinter dem Gemeinschafts-Synonym „A Nameless Ghoul“ verbergen und sich in Mönchskutten hüllen. Gesang: Papa Emeritus I und II. 

Das Gesicht zum Totenschädel geschminkt schwebte der Papst ein, dessen Stimmchen leider nicht mit den zuvor vom Band eingespielten Choral-Gesängen mithalten konnte. Die Band machte Druck und entwickelte Spielfreude wie ausbaufähige Ideen – allerdings wirkte der Umgedrehte-Kreuze-Spuk ein wenig arg bemüht und verlor schnell an Wirkung, so dass sich auch ein größerer Teil des Publikums anderen Acts zuwandte. Angeblich soll sich die Formation aktuell um Conchita Wurst bemühen. Ob die Kutten im Erfolgsfall gegen Galaroben getauscht werden, bleibt abzuwarten.

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare