Robin Ticciati dirigiert in Dortmund

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Robin Ticciati mit dem Mahler Chamber Orchestra in Dortmund. ▪

Von Edda Breski ▪ DORTMUND–Es war geradezu ein Festival für die Jugend, was das Konzerthaus Dortmund am Wochenende bot. Junge Musiker mit ihrem Elan und ihrem Schwung zu präsentieren, ist dem Haus ein Anliegen; mit der Reihe „junge Wilde“ hat sich Dortmund einen guten Ruf erworben.

Nun bot die NRW-Residenz des Mahler Chamber Orchestra Gelegenheit, mehrere junge Interpreten zu vereinen. Der britische Dirigent Robin Ticciati leitete das MCO an einem Abend, der der Romantik gewidmet war: Berlioz‘ „Béatrice-et-Benedict“-Ouvertüre führte ein in Chopins Klavierkonzert Nr. 2. Die zweite Hälfte des Abends gehörte Robert Schumann: seine vierte Sinfonie wurde aufgeführt und György Kurtágs „Hommage à Robert Schumann“ für Klavier, Viola und Klarinette. Als Solistin ersetzte die 23-jährige Französin Lise de la Salle den erkrankten Pierre-Laurent Aimard. Die Pianistin, hier schließt sich der Kreis, wirkt derzeit als eine von acht „jungen Wilden“ in Dortmund.

Ticciati ist erst 27 Jahre alt, er ist Chef des Scottish Chamber Orchestra und hat die großen europäischen Orchester entweder schon geleitet oder steht vor seinem Debüt mit ihnen – etwa dem Concertgebouw aus Amsterdam. In Dortmund wirkte er, als wolle er seine Visitenkarten mit möglichst großer Geste auf dem Tisch des Hauses platzieren. Die Berlioz-Ouvertüre vereint strahlende Emphase und ruppige Effekte, die elfenhaft tänzelnden Elemente, das Flattern und Schwirren in Geigen und Flöten, konterkariert Ticciati mit Rubati und scharfen Ensembleakzenten, als dürfe es nur ja nicht zu schön werden. Allerdings kommt vom Blech etwas zuviel Schneid, bis hin zu Ausreißern und Tuttiakkorden, denen die Klangbalance verloren gegangen ist.

Dramatisch aufgebaute Höhepunkte und große Präsenz bestimmen auch den Orchesterpart im Chopin-Klavierkonzert. Lise de la Salle spielt mit Kraft und Einfühlungsvermögen. Das Konzert wirkt wie eine Daraufsicht auf romantische Befindlichkeiten – schön gemalt, aber ohne den Einblick in das Seeleninterieur der Romantik. Im dritten Satz driften Orchester und Solistin auseinander, und de la Salle fehlt es an der letzten Konsequenz in der Gestaltung.

Zurückhaltend wirkt sie auch in dem Kurtág-Trio. Dafür dominieren zwei junge Mitglieder des MCO: ihre Landsmännin Béatrice Muthelet (Viola) und der Klarinettist Olivier Patey werfen sich in die gebrochenen, fragenden Figuren Kurtágs hinein und erschaffen eine skurrile, düstere Atmosphäre.

In Schumanns vierter Sinfonie spielt Ticciati Beweglichkeit aus und seine Neigung zu schönen, voll klingenden Orchestereffekten, die er mit blitzhaften Gegenstimmungen kontrastiert.

Quelle: wa.de

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