Der Hof von Rio Reiser ist verkauft – Berlin-Umzug

+
Rio Reiser ist am 20. August 1996 46-jährig gestorben. Das Schwule Museum in Berlin zeigt ab 9. Januar 2011 eine Ausstellung mit dem Titel „Rio Reiser: Allein unter Heteros“. Reiser wäre am 9. Januar 60 Jahre alt geworden. ▪

Von Frank Osiewacz ▪ FRESENHAGEN–Nach 35 Jahren geht in Fresenhagen im Kreis Nordfriesland eine Ära der deutschen Rock-Geschichte zu Ende. Zwei Tage vor Weihnachten wurde der Verkauf des Rio-Reiser-Hauses per Kaufvertrag besiegelt. Das bestätigte Peter Möbius, ältester Bruder des 1996 verstorbenen Rio Reiser und einer der Erben des drei Hektar großen, 230 Jahre alten Hofes in der Gemeinde Stadum, auf Anfrage. Reiser selbst, der als Ralph Christian Möbius in Berlin geboren wurde, liegt auf dem Grundstück in Fresenhagen begraben. Am 9. Januar wäre Reiser 60 Jahre alt geworden.

1975 war er mit seiner Band Ton Steine Scherben aus Berlin nach Fresenhagen gezogen und tauschte damit die Hektik der Großstadt gegen ländliche Abgeschiedenheit. Für 50 000 Mark erwarb die Gruppe im Jahr 1974 den Hof. Bis heute beherbergt er ein Tonstudio und das Rio-Reiser-Museum. Zahlreiche prominente Bands haben sich dort eingemietet, unter anderem die deutsche Band Kettcar. Seit Februar 2010 wurde der Verkauf konkret; angeboten wurde das Anwesen für einen Preis von 450 000 Euro.

Obwohl neben dem Emil-Nolde-Haus einer der kulturellen Hauptanziehungspunkte der Region gelegen, reichten die Einnahmen nicht, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. „Manchmal schien es wie ein Wunder, dass es überhaupt so lange erhalten werden konnte“, sagt Peter Möbius, der in Unna lebt. „Ich wünschte, es bliebe erhalten. Wir haben mit der Familie soviel Geld investiert, aber es geht jetzt nicht mehr. Das ist sehr schmerzlich für uns.“

Man habe den Hof auch Mitgliedern aus Reisers alter Band angeboten. „Doch niemand wollte ihn haben und könnte ihn auch weiterhin pflegen“, so der 69-Jährige. Unterstützung von der Landesregierung in Schleswig-Holstein habe es auch nicht gegeben. „Fresenhagen hat viele Menschen zusammengeführt. Auch für uns war es eine Art zweite Heimat.“ Seit eineinhalb Jahren wird der Hof von Roman Kretschmer verwaltet. Er hofft, mit nach Berlin umzuziehen, wenn dort das Rio-Reiser-Museum neu aufgebaut wird. Denn das ist der Plan. Reisers zweiter Bruder Gert C. Möbius sucht derzeit nach geeigneten Objekten. In Fresenhagen wird stattdessen eine Einrichtung für betreutes Wohnen entstehen. Der Aus- und Umzug des Reiser-Nachlasses soll schon in diesem Monat beginnen.

Auch die sterblichen Überreste von Rio Reiser ziehen nach Berlin um. „Rio wird auf dem St. Matthäus-Kirchhof beigesetzt. In dieser Gemeinde wurde er auch getauft“, erklärt Peter Möbius. Auf dem Friedhof haben Persönlichkeiten wie die Gebrüder Grimm ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Rio Reiser war eine der schillerndsten und einflussreichsten Persönlichkeiten der deutschen Rock-Szene. Lange vor dem Einzug des Punk sorgte er mit den Scherben und ihren radikalen politischen Texten („Macht kaputt, was euch kaputt macht“) für Aufsehen. Auf ihre Musik berufen sich viele aktuelle Bands. Seinen größten kommerziellen Erfolg hatte Reiser 1986 mit „König von Deutschland“. In Fresenhagen schrieb er unter anderem „Junimond“. Der Musiker starb dort am 20. August 1996 unerwartet im Alter von 46 Jahren.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare