Rasanter Detektivroman aus Australien: „Crimson Lake“ von Candice Fox

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Candice Fox

Ted Conkaffey ist ganz unten angekommen. Sechs Minuten am Highway genügten, um sein Leben zu ruinieren. Alle, einschließlich seiner Frau, glauben, dass er ein kleines Mädchen überfallen und vergewaltigt hat. Seinen Job bei der Polizei hat er verloren.

Jetzt hat er Zuflucht gesucht in Crimson Lake, einem Kaff im Norden Australiens, und hofft, dass ihn dort niemand erkennt, während er sich in einem baufälligen Haus um eine Schar Gänse und eine Whisky-Flasche kümmert. „Vorn lauerte die so genannte Bürgerwehr, hinten die Krokodile, und ich saß in der Klemme dazwischen.“

Der Ich-Erzähler in Candice Fox‘ Roman „Crimson Lake“ ist ungewöhnlich genug. Mehr Anti-Held, meint man, geht kaum. Doch Conkaffeys Partnerin ist noch schräger. Die volltätowierte Amanda Pharrell hat als „Killerin von Kissing Point“ ihre Haft abgesessen und betreibt ein Detektivbüro. Sie überspielt ihre seelischen Narben mit schlechten Gedichten und flapsigen Sprüchen. So meint sie beim ersten Treffen: „Mir geht‘s blendend, Schätzchen. Schon komisch, dass du meinst, du könntest mir helfen und nicht umgekehrt. Schließlich bist du derjenige, der nach Eau de Jack Daniels duftet.“ Sie stellt Umgangsregeln auf, zum Beispiel darf Conkaffey sie nicht berühren. Und sie steigt in kein Auto. Wenn die beiden außerhalb des Orts ermitteln, benutzt sie das Rad. Woher ihre Eigenheiten rühren, wird am Ende des Romans klar.

Das mag jetzt nach Krimi-Komödie klingen. Aber Fox schrieb einen ausgefuchsten Hard-Boiled-Detektivroman. Das ungleiche Paar sucht den verschwundenen Bestseller-Autor Jake Scully, von dem nur ein Stück Knochen und ein Ehering im Magen eines Salzwasserkrokodils aufgefunden wurden. Die (Vielleicht-)Witwe möchte vor allem Klarheit haben, um an das Vermögen zu kommen.

Pharrell und Conkaffey beginnen mit Nachforschungen, wobei sie immer wieder mit ihrer Vergangenheit konfrontiert werden. Dafür sorgt nicht nur eine aufdringliche Reporterin, die an dem Ex-Polizisten nur die gute Story wittert. Dafür sorgen auch die örtlichen Streifenpolizisten Hench und Damford, die offensichtlich jeden hassen, der im Verdacht steht, Kindern etwas angetan zu haben. Das leben sie nach Herzenslust aus und schikanieren Conkaffey bei jeder Gelegenheit.

Die junge Autorin Fox schreibt schon seit ihrer Kindheit. Gefördert wurde sie vom US-Bestsellerautor James Patterson, der sie zunächst als Co-Autorin engagierte. Fox wiederum hat schon Thriller über eine Polizistin vorgelegt, die als Serienmörderin Verbrecher zur Strecke bringt. „Crimson Lake“ fällt da wesentlich entspannter aus. Sie spielt souverän mit den Genre-Regeln des Detektivromans. Und wie sie in diesem Roman gleich mehrere Ermittlungen verschränkt, das ist ebenso ungewöhnlich wie erfrischend. Auf weitere Romane um Pharrell und Conkaffey darf man gespannt sein.

Candice Fox: Crimson Lake. Deutsch von Andrea O‘Brien. Suhrkamp Verlag, Berlin. 381 S., 15,95 Euro

Quelle: wa.de

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