Pontius Pilatus wird von Ralf-Peter Märtin im Fischer Taschenbuch Verlag porträtiert

Ralf-Peter Märtin: Pontius Pilatus. Römer, Ritter, Richter. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt, 9,99 Euro. War er es, der Jesus ans Kreuz brachte? Pontius Pilatus, Roms Statthalter in Judäa, ist eine Hauptfigur der Passion. Der Journalist Ralf-Peter Märtin hat ein Buch über den römischen Beamten geschrieben, das angesichts der wenigen Quellen (neben den Evangelisten berichten vor allem die antiken jüdischen Autoren Flavius Josephus und Philo von Alexandrien über ihn) meist spekuliert. Dies allerdings fundiert, anschaulich und unterhaltsam.

Den Prozess, den Pilatus Jesus gemacht haben soll, hält Märtin für eine Legende. Er liefert eine eigene – Pilatus‘ – Version des Karfreitags, der aber keineswegs mit der Bibel kollidiert. Er zeigt einen gereizten, ungeschickten Machthaber, der gerade ganz andere Sorgen hat: Die jüngsten Intrigen in Rom bedrohen seine Karriere, wenn nicht mehr. Und vom Hohen Rat der Juden, der ihm diesen seltsamen Nazarener angeschleppt hat, fühlt er sich wieder einmal vorgeführt. Dieses Psychogramm bettet Martin ein in ein Reportage-Panorama des römischen Imperiums, das Alltäglichkeiten ebenso antippt wie die brutale Wankelmütigkeit des Kaisers. Hierzu gehört eine fiktive Karriere des Pilatus, der aus der neuen Karrieristenschicht der Ritter stammt – so viel zumindest ist sicher. Eine archäologische Spurensuche folgt schließlich den frommen Legenden über Pilatus, der nach zehn Jahren auf dem Statthalter-Posten 36 n. Chr. wieder im Dunkel der Geschichte verschwand. ▪ Elisabeth Elling

Quelle: wa.de

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