Plastiken Raimondo Puccinellis in Selm

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In expressiver Pose stellte der Bildhauer Raimondo Puccinelli in den 30er Jahren die Tänzerin Mary Wigman dar.

Von Alexandra Helms -  SElm– Ihre wiegende Bewegung ist für immer eingefroren. Halb sitzend, die geöffneten Arme auf den Knien abgestützt, verharrt die Figur in einer ausdruckstarken Pose. Weit öffnet sie ihren Körper dem Betrachter, während ihr Blick selbstvergessen nach oben gerichtet ist. Ein weites Kleid umschlingt ihre Glieder wie ein Segel und lässt ihren Körper aufnahmebereit erscheinen.

Fasziniert vom modernen Ausdruckstanz der 1920er und 30er Jahre schuf der amerikanisch-italienische Bildhauer Raimondo Puccinelli (1904-1986) zahlreiche Plastiken, die sich mit den expressiven Bewegungen des neuen Tanzstils auseinandersetzten. So diente ihm die deutsche Tänzerin Mary Wigman über Jahre hinweg als Inspirationsquelle – auch für die eingangs beschriebene Bronzefigur.

Beinahe 100 Werke des Bildhauers sind von Sonntag an in der Ausstellung „Raimondo Puccinelli. Zwischen plastischer Form und innerer Unendlichkeit“ auf Schloss Cappenberg zu sehen. Früh konzentrierte sich der Künstler auf die Bildhauerei. Mit 23 führte ihn ein Studienaufenthalt in die Marmorsteinbrüche Italiens. Prägend für seine Entwicklung waren Neugier und Offenheit sowie eine kosmopolitische Einstellung. Puccinelli unterhielt Kontakte mit zahlreichen Größen seiner Zeit, darunter Diego Rivera und Frida Kahlo, Henri Matisse, Max Beckmann oder Oskar Kokoschka.

Ab 1936 wurden seine Plastiken in verschiedenen Ausstellungen mit den Werken von Degas, Maillol, Barlach, Kollwitz, Lehmbruck und Picasso gezeigt. Ab 1942 lehrte er Bildhauerei an der Universität Berkley in Kalifornien, später nach seiner Übersiedelung nach Florenz (1957) unterrichtete er dort an der Universitá Internazionale d’Arte.

Die Ausstellung auf Schloss Cappenberg ist die erste Werkschau seit Ende der 70er Jahre in Deutschland. In ihr vermitteln einige Zeichnungen, aber vor allem die Plastiken den Zauber der Bewegung, dem sich der Künstler verschrieben hatte. Ist Puccinellis Formensprache in den 1930er Jahren zunächst noch glatt, ähnlich der eines Aristide Maillol, ändert sich die Haptik seiner Figuren ab den 1940ern. Die Oberfläche wird rauer und brüchiger und erinnert bei seinen Werken aus den 60er Jahren gar an Felswände, aus denen sich die Figuren herauszuschälen scheinen.

Ob frühe oder späte Werke, es lohnt sich, die zahlreichen freistehenden Plastiken zu umrunden und dabei unterschiedliche Blickwinkel zu erproben. Der Ausdruck der Figuren ändert sich. So blickt der „Frauenoberkörper“ lieblich-kokett zur Seite, wenn man ihn frontal ansieht. Schaut man der Figur aber ins Gesicht, entdeckt man einen Anflug von Trotz.

Auch bei „Francesca di Rimini“ kann man nicht gleich sicher sein, welche Emotion Puccinelli seiner Figur entlocken wollte. Der gespannte, in sich verdrehte Körper bäumt sich auf, nur Fersen und Schulter berühren den Boden. Die Figur windet sich wie im Schmerz. Doch im Gesicht der Frau entdeckt man einen Ausdruck ekstatischer Lust.

Eröffnung Sonntag, 11.30 Uhr. Bis 21.7., di – so 10.30 – 17 Uhr, Tel. 0 23 06/7 11 70;

www.kulturkreis-unna.de

Katalog 26 Euro

Quelle: wa.de

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