Pidder Aubergers Arbeiten im Museum Folkwang Essen

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Grafisch wirkender Holzschnitt auf Offset-Papier: Pidder Aubergers „Holzschnitt 180 (Käsebleche)“ aus der Reihe die „12 Orwellskijs“. ▪

Von Achim Lettmann ▪ ESSEN–Rätselhaft und verstiegen wirken viele Bilder von Pidder Auberger. Das liegt nicht mal an dem Grad der Abstraktion in seinen Werken, sondern erstmal an den Visualisierungskonzepten. Wie kommen die weiß-schwarzen Zeichengebilde über das fotografierte Werkzeug-Allerlei mit Brille, Schrauben, Kneifzange und Holzbohrer? Weshalb wird die malerische Anmutung eines Bildes von kantigen Elementen mit Schwarz konterkariert? Wie hängt was zusamen, und warum wirken viele Arbeiten geheimnisvoll?

Eine Ausstellung im Museum Folkwang in Essen gibt einem die Möglichkeit, die Fragen zum Werk Aubergers zu lösen. „Pidder Auberger: Fotografien und Holzschnitte“ zeigt rund 70 Arbeiten seit den 80er Jahren. Für die Fotografische Sammlung kuratierte Jennifer Crowley die Schau. Sie schloss mit dieser Aufgabe ihr Studium Kunst und Kuratorisches Wissen an der Ruhr-Uni in Bochum ab.

Auberger, 1946 in Lohberg (bei Dinslaken) geboren, setzt sich mit bildgebenden Verfahren wie Fotografie, Fotogramm, Cliché-verre (Glasradierung) und Holzschnitt auseinander. Er ist kein methodischer Purist, sondern er liebt die Montage, die überrascht und Neues schafft. Dabei nutzt er Techniken, wie das Cliché-verre, das im 19. Jahrhundert eine Station auf dem Weg zur Fotografie war – zum Beispiel für die Fotopioniere Niépce und Talbot. Ein Glasplatte wird mit lichtundurchlässiger Farbe (früher Ruß) bestrichen. Nun lässt sich ein Motiv auf die Fläche ritzen. Ein Bildkörper entsteht, wenn ein Fotopapier durch die Glasplatte (Negativ) belichtet wird. Auberger nimmt so ein „Zeichengebilde“ als ersten Teil seiner Arbeit und lässt wiederum Licht durch die organisch anmutenden Formen (Negativ) strömen. Mit diesem Licht wird auch ein ungeordneter Haufen Werkzeuge erhellt und so eine Fotografie möglich, die beides zeigt, das mit Licht gezeichnete Cliché-verre und die Werkstattszenerie. In seiner Reihe „Metastasen“ (2001) heißt das lapidar „Werkzeug vor Cliché-verre“.

Auberger, der an der Kunstakademie Düsseldorf (1970-75) studierte, lässt von seiner frühen malerischen und zeichnerischen Intentionen nicht ab. Er wandte sich in den 70er Jahren der Fotografie zu und zählte zu den ersten, die Abstrahierungen im fotografischen Bild vornahmen. Auberger liebt das Experiment und greift zu alten Techniken, um die Erwartung daran zu konterkarieren. Er bezeichnet sich selbst als „Labor-Künstler“, der das Geheimnis sucht und nicht die spezielle Technik erläutern will. Seine Arbeit „Cliché-verre Gr. 6“ (1988) bildet zum Beispiel kantige Elemente ab, die wie im luftleeren Raum zu schweben scheinen. Auf dieses Motiv malt Auberger mit Farben ein Aquarell, das sich an den Flächen der Elemente orientiert. Die Arbeit vermittelt im Vergleich zu seinen übrigen Bildern eine malerische Dominanz. Der Pinselstrich erinnert an die Handschrift des Künstlers, die bei fotografischen Verfahren in den Hintergrund tritt. Auberger forciert Gegensätze wie Aquarell und Fotografie, die den Betrachter herausfordern.

In den 80er Jahren wendete sich Auberger dem Holzschnitt zu. Die Technik erneuerten seinerzeit Künstler wie Asger Jorn und Georg Baselitz. In der Reihe „Zwölf Orwellskijs“ (2001) zeigt Auberger, das er wenig Wert auf die Arbeit am Holzstock legt und gern neue Farben probiert. Er nutzt zwei Meter hohe Türblätter oder Fundholz, um darauf seine organisch-surrealen Formen in mehreren Arbeitsgängen entstehen zu lassen. Statt Buchdruckfarben macht er eigene Mischungen aus Farbmaterial für den Offset-Druck. „Holzschnitt 180 (Käsebleche)“ ist so eine spielerische Kombination bekannter Alltagsutensilien. Mit solchen Bildform-Erfindungen, die etwas Grafisches transportieren, löst sich Auberger vom tradierten Bildstatus des Holzschnitts.

bis 4.4.; di-so 10 – 18, fr 10 – 22.30 Uhr; Tel. 0201/8845 000,

http://www.museum-folkwang.de

Katalog 28 Euro

Quelle: wa.de

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