Pianistin Maria João Pires beim Klavierfestival Ruhr

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Trevor Pinnock und Maria Joao Pires mit Musikern des Kammerorchesters Basel in Essen.

Von Elisabeth Elling - Essen - Selten ist Maria João Pires noch auf dem Konzertpodium zu erleben; beim Klavierfestival Ruhr zuletzt vor 18 Jahren. Und wenn die portugiesische Pianistin auftritt, wie jetzt mit einem stürmisch gefeierten Konzert in der Philharmonie Essen, wirkt sie dermaßen zurückhaltend und bescheiden, als wolle sie bitte gar nicht groß beachtet werden.

Bis sie zu spielen beginnt: Frédéric Chopins Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 in f-Moll (op.21) .

Trevor Pinnock dirigiert das Kammerorchester Basel. Der Brite ist Spezialist für Alte Musik und ein idealer Partner für Maria João Pires, das deutet sich schon bei Richard Wagners „Siegfried-Idyll“ an. Es wird von Pinnock sensibel und mit dynamischen Feingliedrigkeiten interpretiert. Der glimmende, auch im Piano körperreiche und klare Klang der Basler Streicher gibt der Orchesterdichtung bei aller zierlichen Schwelgerei einen spannungsvollen Unterton.

Und dann tritt Maria Joao Pires auf, schreitet mit einem kurzen freundlichen Blick ins Parkett rasch an den Flügel und nimmt Platz. Schon äußerlich ist ihr jede Virtuosenathletik fremd; präzise und schlicht hantiert sie auf den Tasten, ganz bei sich und nahezu ohne Blickkontakt mit dem Dirigenten. Wenn sie auf ihren Einsatz wartet, legt sie ihre Hände in den Schoß und lauscht.

Ihr Chopin ist ein Ereignis: hoch virtuos vor allem im ersten Satz, dabei so natürlich, empfindsam und warm. Nicht technische Brillanz macht ihr Spiel aus; die ist bei Maria João Pires einfach eine Selbstverständlichkeit. Sondern sie fühlt die sanglichen Linien heraus, die sie – trotz all der vielen Töne in solcher Dichte – wunderbar beatmet. Und sie verweist immer wieder auf akute Schönheiten – weshalb der zweite Satz, das poetische Larghetto, der Höhepunkt dieses Konzerts ist.

Maria João Pires verabschiedet sich mit einer viel sagenden Geste: Sie legt beide Hände an die Außenkanten des Spieltischs – als wolle sie den Flügel liebkosen und die gerade verklungenen Töne noch ein wenig bewahren.

Klavierfestival bis 19. Juni

Tel. 01805/500 803

www. klavierfestival.de.

Quelle: wa.de

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