Pflanzenkunst von Greta Bauer im Stadtmuseum Beckum

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Aus feinem Stoff geschaffen: Gerta Bauers „Hortensienkleid“ (2006) ist in Beckum zu sehen. ▪

Von Marion Gay ▪ BECKUM–Rote und grüne Zweige klammern sich zu einem undurchdringlichen Gewirr aneinander. „Mikado“ heißen die filigranen Gespinste aus zusammengesteckten Stängeln vom Elfenspiegel, präsentiert vom Stadtmuseum Beckum.

Unter dem Titel „Schläft ein Lied in allen Dingen“, das einem Gedicht von Joseph von Eichendorff entnommen ist, werden rund 80 Arbeiten der Lüdinghauser Biologin und Künstlerin Gerta Bauer gezeigt. Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt mit dem Kunstmuseum Gelsenkirchen, dem Kloster Bentlage in Rheine und dem Hammer Gustav-Lübcke-Museum. Zu sehen sind Bilder, Plastiken und Installationen aus Naturmaterialien wie Samenkapseln, Blättern und Erde. Wunderschöne Werke, die die Poesie der Vergänglichkeit zeigen.

Die promovierte Biologin setzt sich seit mehr als fünfzig Jahren autodidaktisch mit Kunst auseinander. Ihr Ansatz ist zunächst wissenschaftlich: Sie sammelt Samen von Pflanzen, etwa vom Trompetenbaum oder der Linde, und ordnet sie zum Beispiel auf schwarzem Karton zu geometrischen Mustern. Einige Samen sind winzig klein, manche haben geschwungene Härchen, andere eine gekästelte Struktur.

Besonders überraschend wird es, wenn Gerta Bauer aus ihren Materialien plastische Formen erschafft. Die Arbeit „Kugel“ (2010) besteht aus unzähligen Weidenkätzchen-Köpfen, auf eine Styroporkugel gesteckt. Dicht an dicht ergeben sie eine weiche, fellartige Struktur, die man am liebsten berühren würde. Ähnlich zart der „Kubus“ (2010). Hier sind es die Samen der Esche, die eng nebeneinander auf einen Styroporwürfel gesteckt wie Dachziegel wirken.

Gerta Bauer geht es um die Ordnung der Dinge, ohne sie dabei zu verbiegen oder in eine Form zu zwingen. Selbst wenn sie Hortensienblätter nimmt und ein Kleid aus ihnen arbeitet, das starr über einer Holzstange an der Wand hängt, behält das natürliche Material seine Seele. Kiefernnadeln steckt sie in Styropor, so dass sich dreidimensionale Zeichnungen ergeben, aber die Nadeln behalten ihre naturgegebene Krümmung, ihren spezifischen Wuchs. Auch die Ahornfrüchte, die aneinandergefügt eine Art Gewebe bilden, bleiben in ihrer Ursprünglichkeit unangetastet. Dabei ist der Blick der Künstlerin nicht romantisch verklärt auf die Schönheit der Dinge gerichtet, sondern bezieht die Veränderungen und Verwitterungsprozesse mit ein. Bei den löcherigen, zerfaserten Blätter, die sie auf Papier montiert, erinnert eine feine Tuschelinie an ihre ehemalige Form („Formauflösung“, 2006–2010).

Speziell für die Beckumer Ausstellung hat Bauer Arbeiten entwickelt, die sich auf die heimischen Kreidemergellandschaft und die Steinbrüche beziehen. Die Installation „Staub zu Stein“ (2010) besteht aus sechs Tonschalen mit Beckumer Tonschlamm in verschiedenen Trocknungsprozessen, mal großflächig gebrochen, mal von vielen Rissen durchzogen.

Bis 24.7., di – so 9.30 – 12.30 und 15 – 17, sa 15 – 17 Uhr, Tel. 02521/ 29264,

http://www.beckum.de

Katalog 15 Euro

Quelle: wa.de

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