Petra Afonin spielt das dritte Programm als „Cellulita“

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Predigt mit großen Augen die Lust auf Schokolade: Petra Afonin im Bochumer prinz regent theater. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ BOCHUM–Eigentlich müssten im Bochumer prinz regent theater Tische stehen, an denen die Besucherinnen Nuss-Sahne-Torte und Kaffee in Kännchen verdrücken könnten. Aber auch ohne Konsum amüsieren sich die Gäste prächtig, wenn Petra Afonin als „Cellulita“ zum Workshop bittet. Die Themen des kabarettistischen Abends stammen direkt aus der „Brigitte“: Mode, Diäten, Männer.

Es ist schon das dritte Programm, das die schwäbische Mimin und Mitgründerin des Theaters als „Königin der Nachtcremes“ bestreitet. Wieder mischt sie lockere Conferencen mit satirischen Liedern, und sie trifft präzise die Erwartungen ihres überwiegend weiblichen Publikums. Das ist zwar zum größten Teil „jenseits der Faltengrenze“, geht aber willig bei jeder Pointe mit.

Streng blickt sie zunächst durch die große Schere, die sie als Brille aufgesetzt hat und deren hochstehende Klingen ihr etwas Insektenhaftes verleihen. Eigentlich aber, das macht sie schnell klar, ist sie doch gekommen, um den Damen in Not zu helfen. Diesmal geht es unter dem Motto „Jetzt mit Schoko-Diät“ vor allem um den Hunger auf Süßes und die unweigerlich folgenden Figurprobleme. Lebenshilfe pur also ist es, wenn sie am Beispiel quadratischer Schokoladentafeln eines ungenannten Produzenten von mini bis XXL darauf hinweist, dass alte Volksweisheiten manchmal nicht stimmen. „Wenn sie mal auf ist, iss se auch wech“, das gilt gar nicht mehr. Man kann die Tafeln doch wiederverschließen!

Frauen, die freilich daran scheitern, haben dann ihre Not mit der geblümten Tunika. Weil Kleider heute ohnehin immer etwas kleiner ausfallen als früher. Damals passte noch Konfektionsgröße 36, heute sitzt 42 über den Hüften „stramm wie ein Kondom“, und oben am Dekolleté kann man Post einwerfen. Afonin trägt solche Beobachtungen vor, als hätte sie das selbst erlebt. Sie steigert sich in Verzweiflung: Sie sehe aus wie ein geblümter Presssack, bestimmt werde ihr ein Biometzer einen Heiratsantrag machen. Und die Zuschauerinnen lachen wissend. Dabei liegt der BMI der Kabarettistin sicher im grünen Bereich.

Zwischen die Erzählungen über „Modesünden am Mann“ und „halluzinierende Gewichtsreduzierung durch Alkohol“ bettet Afonin liebevoll umgetextete Schlager und neue Lieder ein. „Ich will lieber Schokolade, denn was soll ich mit nem Mann“ singt sie und, besonders anrührend durch das Schwäbisch: „I stand auf Nougat, au wann nix mehr zugaht“. Auf die melancholische Ballade „Ich bin gewöhnt an mein Gewicht“ folgt im Zugabenblock das treuherzige „Oh mein Popo“. Simone Witt begleitet nicht nur versiert am Piano und verteilt schon mal Textblätter. Sie legt auch ein pfiffiges Solo an den Hosenträgern hin.

Die „kabarettistische Schönheitsrevue“ in der Regie von Sibylle Broll-Pape ist ein ziemlich passgenaues Zielgruppenangebot. Die erste Cellulita-Show hatte 1995 Premiere, 2004 folgte Teil 2. Auch der dritten Ausgabe ist der Erfolg sicher.

14., 15., 16.9., 19., 20.10.,

Tel. 0234/ 771 117,

http://www.prinzregenttheater.de

Quelle: wa.de

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