Songs in neuem Gewand

Peter Maffay gastiert "unplugged" in Düsseldorf

+

Düsseldorf [Update 15.06 Uhr] - Rund 7.500 Zuhörer sind in den Düsseldorfer ISS Dome gekommen, um Peter Maffay und sein "Unplugged"-Programm zu sehen, das er Mitte 2017 für den Musiksender MTV einspielte. Dafür haben Maffay und seine Band die Songs des Künstlers umarrangiert und präsentieren sie in neuem Gewand.

Irgendwann kommt wohl jeder erfolgreiche Musiker einmal dran: Seit 1989 produziert der Musiksender MTV seine Reihe „MTV Unplugged“, bei der auf elektrische Instrumente weitgehend verzichtet wird und bekannte Songs in neuer Aufmachung zur Aufführung kommen. Auch zahlreiche deutsche Künstler waren schon dabei.

Grönemeyer, Lindenberg, Westernhagen: Die Liste ist lang. Mitte des vergangenen Jahres stieß Peter Maffay dazu. Mit den neu arrangierten Versionen seiner bekanntesten Hits, aber auch Stücken, die in der beinahe 50-jährigen musikalischen Karriere des Sängers weniger Beachtung fanden, ist er nun auf Tour.

7.500 Zuhörer lauschen dem Programm im komplett bestuhlten Düsseldorfer ISS Dome. Zweieinhalb Stunden lang sorgt das insgesamt rund 20-köpfige Ensemble für ein musikalisch breit gefächertes Set, das sich mal folkloristisch zeigt, mal mit Country-Anleihen spielt und mal den Rock'n'Roll auslebt.

Unterstützt wird Peter Maffay von seiner Band um Gitarrist Carl Carlton, einem Streichertrio und Gastsängern wie etwa Linda Teodosiu, die einmal als Kandidatin bei der Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“ mitmachte, und Singer-Songwriter Johannes Oerding, der Maffay gleich bei einigen Stücken gesanglich zur Seite steht.

"Unplugged"-Konzert von Peter Maffay in Düsseldorf

Mit völlig unterschiedlichen Stimmfarben ausgestattet, ergänzen sich die beiden außerordentlich gut. Vor allem beim Karat-Cover „Über sieben Brücken musst du gehen“ (Maffay: "Ein wunderschönes Lied. Ich kann das behaupten, weil wir es nicht geschrieben haben.") gelingt den beiden ein besonders atmosphärisches Duett.

Die Bühne haben sie in Düsseldorf mit Teppichen ausgelegt. Ein bisschen gemütlich soll es in der Halle werden, dem Anlass entsprechend. Schließlich geht es bei "Unplugged"-Konzerten in der Regel ruhiger zu. Etwas. Still sitzen auf seinem Stuhl will Peter Maffay jedenfalls nicht die ganze Zeit. Und auch der Rest der Band lässt sich das Tanzen nicht verbieten. Ums vorweg zu nehmen: Am Ende wird es noch mal ganz laut.

„Wir haben eine Kiste mit Liedern dabei, und die wollen wir langsam auspacken“, kündigt Maffay an. Die Songs könnten sich den Zuhörern möglicherweise auf ganz neue Weise zeigen. „Ewig“ hat mit gezupften Gitarrensaiten einen volkstümlichen Touch, „Schatten in die Haut tätowiert“ ist ein räudiger Westernsong, „Samstagabend in unserer Straße“ ein flotter Blues, der den Montag zum Wochenende machen will. Vor allem bei den flotteren Nummern weiß der Zuhörer beizeiten gar nicht, wohin er schauen soll, so viel Trubel herrscht auf der Bühne, wenn die Musiker ihre angestammten Plätze verlassen und ausgelassen tanzen.

Schmachtfetzen wie „Und es war Sommer“, „So bist du“ und auch „Du“, Maffays erste Single aus dem Jahr 1970, können auch in neuer Form den über viele Jahre angesetzten Kitsch nicht vollständig abstreifen. Wobei gerade die alten Stücke Maffays, die eigentlich jeder kennt, für den größten Beifall sorgen.

Dann springen die Fans von ihren Sitzen auf, beginnen zu schunkeln und singen eifrig mit. „Wir machen eine Zeitreise mit unseren Liedern, zum Teil weit in die Vergangenheit zurück“, verspricht der 68-Jährige an, wohlwissend über den folgenden Jubel.

Besondern einprägsam sind zwei Songs im späteren Verlauf des Abends. "Halleluja" ist eine Komposition aus der Feder von Peter Keller, Gitarrist in Maffays Band, eine starke Ballade, und „Room with a View“ vom amerikanischen Musiker Tony Carey, der einst Keyboarder bei „Rainbow“ war und mit Peter Maffay im Studio unter anderem an Tabaluga gearbeitet hat. „Wir haben viele Stunden miteinander verbracht und etliche Flaschen versenkt“, erinnert sich Maffay. Natürlich tragen die beiden die hoch melodische Nummer gemeinsam vor.

Zum Abschluss des Konzerts gibt es noch einige Überraschungen. Für die Zugabe tauchen Maffay und Johannes Oerding plötzlich an einem Treppenaufgang mitten in der Halle auf und spielen gemeinsam Oerdings Song "Leuchtschrift (Große Freiheit)". Verdutzt drehen sich die Zuhörer um. Schnell bildet sich eine Traube an Fans um die beiden.

Dann intoniert Maffay "Siehst du die Sonne nicht?" - erst akustisch und alleine im Publikumsbereich, später dann, nachdem er einen Sprint durchs Hallenrund hingelegt hat, auf der Bühne mit krachender elektrischer Unterstützung. Wo eben noch all die anderen Musiker saßen und standen, ist jetzt eine mannshohe Mauer aus Verstärkern aufgebaut. Maffay und seine Band werfen alle "Unplugged"-Vorgaben über Bord. Das hat schon was von einem kleinen Befreiungsschlag. Endlich können sie wieder losledern.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.