Peter Blickle schreibt über Georg Truchsess von Waldburg: „Der Bauernjörg“

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Peter Blickle, Buchautor und Historiker.

Frieden und Recht habe Georg Truchsees von Waldburg im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation wieder hergestellt. So sah es zumindest Kaiser Karl V. Auch Papst Clemens VII. hatte nur gute Worte für ihn übrig. Der Adelige hatte ein Heer gegen aufständische Bauern geführt und die größte Volkserhebung der Frühen Neuzeit niedergeschlagen. Er ist dafür von der Nachwelt gerühmt worden. Der Berner Historiker Peter Blickle zeichnet jetzt ein gruseliges Bild des „Bauernjörg“.

Die Bauernkriege gehören zu den markantesten Ereignissen am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. 1525 revoltierten die Bauern in Süddeutschland und forderten, was man heute grob mit Menschenrechten umschreiben würde. Peter Blickle, an der Universität Bern mittlerweile emeritiert, hat ein ganzes Forscherleben damit verbracht, diesen Konflikt zu ergründen. Seine exemplarische Darstellung nimmt sich nun nicht einen Helden wie Thomas Münzer zum Thema, sondern die Verkörperung der Reaktion: Georg Truchsess von Waldburg (1488-1531), der geradezu verniedlichend der „Bauernjörg“ genannt wurde.

Blickle holt weit aus, schildert die komplexen Herrschaftsverhältnisse im heutigen Baden-Württemberg im beginnenden 16. Jahrhundert und den Weg eines aufstiegswilligen Adeligen. Kaum älter als 20 steht Georg in den Diensten des Herzogs Ulrich von Württemberg und kämpft gegen aufständische Bauern. Wenig später wird er gegen Ulrich zu Felde ziehen – der Herzog hatte ein Machtvakuum nach dem Tode Kaiser Maximilians 1519 genutzt, um die Reichsstadt Reutlingen zu überfallen. Für den Schwäbischen Bund, eine Allianz von Adel, Kirche und Städten, wies Georg Ulrich in die Schranken.

Die herrschenden Verhältnisse sollte der Truchsess auch gegenüber den Bauern durchsetzen. Die hatten, erbost über Repressionen des süddeutschen Adels, an der einen und anderen Stelle den Gehorsam verweigert, zu den Waffen gegriffen und festgestellt, dass sie sich gegen die herrschenden Verhältnisse durchaus auflehnen konnten. Der Schwäbische Bund als regionale Ordnungsinstanz konnte ihnen zeitweise wenig entgegensetzen: Die Söldner, die man den Bauern entgegengeschickt hätte, kämpften für den Kaiser in Italien.

Hier schlug die Stunde des Bauernjörgs. Georg von Waldsee zeigte nicht nur militärisches, sondern auch diplomatisches Geschick, hielt die Aufständischen in Schach, beschwichtigte, schloss Verträge und schlug los, als er seine Truppen beisammen hatte. Blickle hat die dramatische Dimension des Geschehens immer im Blick, sein Buch ist reich an Grausamkeiten und zeigt die Spirale der Gewalt, die sich 1525 entspann. Töten die Bauern ein Dutzend Adelige, folgt die Rache postwendend mit niedergebrannten Dörfern, geplünderten Städten und Massenhinrichtungen.

Militärisch waren die Bauern keine wirkliche Herausforderung für das Berufsheer des Truchsess. Menschen waren sie wohl auch nicht. Das Feuer, um Aufständische zu „braten“, zündete der „Bauernjörg“ selbst an.

Peter Blickle: Der Bauernjörg. Feldherr im Bauernkrieg. Georg Truchsess von Waldburg 1488–1531. Monographie. C. H. Beck Verlag, München. 586 S., 34,95 Euro.

Quelle: wa.de

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