Paul Weller springt in Köln durch die eigene Pop-Geschichte

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Paul Weller (links) und Gitarrist Steve Cradock (von Ocean Colour Scene) sind seit Jahren und über zahlreiche Alben hinweg ein eingespieltes Gespann.

Von Frank Osiewacz KÖLN - Am Ende stehen Paul Weller und seine fünfköpfige Mannschaft auf der Bühne wie ein Theaterensemble: Arm in Arm verneigen sie sich nach ihrer gut eindreiviertelstündigen Show vor dem Publikum. Dieses sah am Sonntag ein munter gemixtes musikalisches Schauspiel mit vielen Schlaglichtern aus Wellers Solo- und Bandkarriere.

Am Ende war es aber auch – trotz aller Zugabeforderungen des Publikums – ein Konzert ohne wirkliche Pack-Enden. Neue Songs spielte Weller nicht, auch nicht die aktuelle Record-Store-Day-Single „Brand New Toy“.

Zwar reihte der Altmeister 25 Stücke aneinander, doch zu wenig zusammenhängend erschien am Ende die Auswahl. So blieb das Konzert ein Gemischtwarenladen und eine lose Reise durch die Jahrzehnte Wellerscher Pop-Metamorphosen. Gewissermaßen ein Best-Of-Gastspiel, das kein wirkliches war. Eher bot die gerade 56 Jahre alt gewordene Mod-Ikone ein Intermezzo, bevor er ein echtes neues Album präsentieren wird.

Die Zuschauer mögen auf mehr gehofft haben, die Ferngebliebenen schienen es aber auch irgendwie zu ahnen: Nur gut 1100 Gäste wollten Weller im Kölner E-Werk sehen, das eigentlich eine Bastion für die britische Rock-Legende ist.

Den Fans wollte es Weller sichtlich leicht machen und führte mit reichlich Energie ins Programm ein: Mit „Wake Up The Nation“, „Fast Car/Slow Traffic“, „Come On, Let’s Go“ und „From The Floorboards Up“ setzte er auf eingängige, energiegeladene Nummern aus den Alben „Wake Up The Nation“ und „As Is Now“, statt auf Kraut-Experimente aus dem jüngsten Longplayer „Sonik Kicks“.

Mit dem Style-Council-Meilenstein „My Ever Changing Moods“ gefolgt von dem späten Jam-Live-Favourite „Tales From The Riverbank“ war eigentlich alles angerichtet für einen netten Konzertabend.

Doch dann verzettelte sich Weller insgesamt zu sehr in seinen Sprüngen durch die eigene Discographie. So ging es über „The Attic“ (aus „Sonik Kicks“) über die Single „Friday Street“, ein spaciges „Porcelain Gods“ und „That Dangerous Age“ („Sonik Kicks“) zurück zu „Above The Clouds“ von Wellers erster Solo-LP. Mächtig große Schritte innerhalb von 20 Minuten.

Das Publikum gab sich zunächst recht verhalten. So blieb das übliche Mitsingen der Weller-Klassiker diesmal aus. Der Ex-Jam und -Style-Council-Frontmann schien den Bogen etwas zu überspannen und das Publikum mit zu großen Schritten herauszufordern. Auf die ruhige Rose-Royce-Coverversion „Wishing On A Star“ folgte sogleich über „Drangonfly“ („Sonik Kicks“) ein nahtloser Übergang in die Psychedelic-Rock-Sparte mit „7 & 3 Is The Striker’s Name“ (aus „Wake Up The Nation“). Wenn dann gerade heraus „Peacock Suit“ und mit „Start!“ die Rückblende in Jam-Tage stattfinden, steht weniger das genüssliche Schwelgen in alten Tagen auf dem Programm, als das hektische Springen durch die Dekaden.

Nach 65 Minuten beenden Weller & Co das erste Set. Etwas überraschend kommen Zugaben, wie das selten gehörte „Picking Up Sticks“ (aus „Heliocentric“) oder „Be Happy Children“ („Sonik Kicks“) daher. Das Publikum ist inzwischen scheinbar doch noch warmgelaufen und fordert Weller nach „Wild Blue Yonder“ weiter heraus. Die ersten Zuschauer trauen ihm ein Wiederkommen dennoch nicht mehr zu und verlassen den Saal.

Aber dann kommen die sechs Musiker doch noch einmal zurück. Auf das rockig- nebulöse „The Changingmann“ folgt mit „Town Called Malice“ ein Jam-Klassiker und ehemaliger Nummer-Eins-Hit (1982). Soul-Pop folgt auf Space-Age: Paul Weller hat an diesem Abend alles gegeben, um sein Publikum auf eine verwirrende Reise durch seinen Pop-Kosmos mitzunehmen. Weller selbst scheint zufrieden, doch in so manchem Gesicht stehen sichtbar Fragezeichen. Wohin wird das nächste Album führen?

Quelle: wa.de

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