Paul McCartney in der Kölnarena: On the Run-Tour

+
Stimmungsmacher in der Kölnarena: Paul McCartney. ▪

Von Tim Griese ▪ KÖLN–Paul McCartney ist ein Weltstar, keine Frage. Allein seine Präsenz sorgt auch zig Jahrzehnte nach der Beatles-Ära für Jubelstürme und ein moderates Chaos. In dunklem Anzug steht er im Rahmen seiner „On the Run“-Welttournee auf Bühne der Kölnarena und im bestuhlten Innenraum sitzt in Sekundenbruchteilen niemand mehr. Allein das ist tief beeindruckend.

Da braucht es kein großes Drumherum. Das Jackett legt er schnell ab, spielt an seinen Hosenträgern. Auf Koffern stehen drei Lavalampen, eine britisches Fähnchen zuckt im künstlichen Wind. Paul will es heimelig machen in der großen Halle. Nur die großen Leinwände fallen aus dem Rahmen.

Unterstützt wird er von seiner vierköpfigen Band, allesamt handwerklich sehr fähige Musiker. Das Publikum indes hat nur Augen für den 69-jährigen Briten mit dem verschmitzten Lächeln. Er ist schon ein smarter Kerl, wie er da steht, immer wieder lässig posiert und ins Publikum zwinkert.

Nur ein Deutschland-Konzert steht auf McCartneys Liste. Tags zuvor hat er in Paris auf der Bühne gestanden, als nächstes ist ein Auftritt in London angesagt. Überall wird er auf seiner Reise nicht Station machen, so dass die Fans in Köln von weither angereist sind. Da fleht eine Frau auf einem großen Pappherz „Please Come to Poland“, daneben weht jemand ein Japan-Fähnchen, ein anderer Fan schickt auf einem Plakat „Kisses from Canada“. Das hat schon etwas von einem Teenie-Konzert, inklusive Gekreische. McCartney hat seinen Spaß und kreischt mit. Dann aber schüttelt er lachend den Kopf: „Nein, wir sind jetzt weiser.“

In drei Stunden spielt er 35 Stücke, die meisten aus Beatles-Zeiten, aber auch Kostproben der Wings und Soloarbeiten – und liefert damit einen eindrucksvollen Beweis für seine musikalische Vielfalt. „I've Just Seen a Face“ ist ein perfekter Folk-Song, „I Will“ ein wunderbarer Schmachtfetzen. Für „Something“ holt er die Ukulele hervor. Bei der Menschenrechtshymne „Blackbird“ wird es mucksmäuschenstill, bei „Dance Tonight“ verfällt das Publikum in rhythmisches Klatschen. Paul McCartney ist ganz in seinem Element. Er braucht keine Pause, nippt nicht einmal an einem Glas Wasser.

Mehr als die Hälfte seiner Ansagen macht er auf Deutsch. Immerhin habe er die Sprache in der Schule gelernt, berichtet er. „Die haben uns verrückte Sachen beigebracht.“ In Hamburg habe man ihm dann andere Sachen gelehrt. „Nicht so gut“, sagt er.

Die großen Hits haut McCartney zu vorgerückter Stunde raus. „Back in the U.S.S.R.“ wird stilecht mit dem Sound eines startenden Militärflugzeugs eingeleitet. Dann einer der vielen Höhepunkte: „Let It Be“ am Piano. Die Halle ist gebannt und singt andächtig mit. Explosiv wird’s bei „Live and Let Die“ mit knallenden Feuerwerkskörpern und emporschießenden Stichflammen. Die Publikum tobt. Bei „Hey Jude“, sitzt McCartney an einem knallbunten Klavier. Sieben Minuten singen die Zuhörer mit. Und auch als der Brite von der Bühne entschwunden sind, will der Refrain nicht verhallen. Bis der Ex-Beatle mit einer Deutschlandfahne zurück kommt. „Yesterday“ hat er sich für die Zugabenblöcke aufbewahrt, genauso wie die rasante Achterbahnfahrt „Helter Skelter“.

„Wir müssen jetzt das Lokal verlassen. Ausweiskontrolle!“ erklärt McCartney vor einem abschließenden Medley auf Deutsch, lacht vergnügt und sieht aus, als hätte er sich kein bisschen verausgabt. Auch das zeichnet einen Weltstar aus.

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare