Part, Vierkant, Berning stellen in Münster aus

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Kristina Berning zeigt dieses Objekt in der „Galerie der Gegenwart“, die durch den Kunstverein betreten wird.

MÜNSTER - Da ist ein Mund, ein Teil von einem Ohr, ein paar Haare. „Body Scan“ (2015) von Artie Vierkant zeigt das Porträt eines Mannes in verzerrten Fragmenten. Zu sehen ist das Werk in der Ausstellung „Para/Fotografie“ in den Räumen des Westfälischen Kunstvereins in Münster. Neben sechs aktuellen Arbeiten des US-Amerikaners Vierkant werden etwa fünf Bildobjekte des Wiener Künstlers Michael Part präsentiert.

Die Schau widmet sich den Randbereichen der Fotografie, die sich eher der Objektkunst zuordnen lassen. Part beispielsweise konzentriert sich auf die Ursprünge und chemischen Hintergründe der Fotografie. Er arbeitet mit Glasplatten, die er mit selbst erstellten, lichtempfindlichen Emulsionen behandelt. So präpariert, legt er die Platten an Stellen im dunklen Ausstellungsraum aus, die zeitweilig Licht und Bewegung ausgesetzt sind. Etwa direkt hinter der Tür. Das einfallende Licht wird im Laufe der Ausstellung Spuren im Material hinterlassen. Später wird Part die so entstandenen „Lichteinfallstudien“ im Atelier fixieren.

Den 1979 geborenen Künstler interessiert dabei die Nicht-Kalkulierbarkeit des Ergebnisses. So sind die Farben oft überraschend, die Abbildungen mehr oder weniger deutlich.

Im Regal liegt auch ein Paar Socken. Ursprünglich schwarz, trug Part sie, als er versehentlich in Entwicklerflüssigkeiten trat. Jetzt sehen die Socken aus wie gebatikt, durchzogen von undefinierbaren Farbstreifen.

Der 1986 geborene Vierkant hat sich dagegen der modernen Fotografie verschrieben. Seine Serie „Image Objects“, an der er seit 2011 arbeitet und von der sich eine Variation auf der Außenfensterfront des Kunstvereins befindet, zeigt eine Ausstellungssituation mit Skulpturen, überlagert von geometrischen Formen und schwarzen Ausschnitten. Ausgangspunkt sind dabei digitale Dateien, die auf Dibond gedruckt und beschnitten werden. Es geht nicht mehr um die Darstellung des Abgebildeten, sondern um dessen Auflösung.

Ähnlich Vierkants Serie „Body Scans“ (2015), die auf fotografischen 3D-Scans basiert, wie man sie im Internet bestellen kann. Hier sind es Abbildungen eines männlichen Körpers, die der Künstler in organisch geformten Ausschnitten an der Wand anordnet. Erkennbar sind Teile einer Jeanshose, ein Auge, etwas Haut, unnatürlich gekrümmt, abgewickelt wie Schlangenhäute.

Parallel zu der Ausstellung ist die „Galerie der Gegenwart“ des benachbarten Landesmuseums erstmals geöffnet. Durch den Kunstverein gelangen Besucher zur Schau „To connect & to belong“ der Münsteraner Künstlerin Kristina Berning. Die zehn Objekte sind überwiegend Fundstücke, von der 1984 geborenen Künstlerin verändert, zerlegt und neu zusammengefügt. So etwa die ursprünglich massive Stahlstange, die nun, an manchen Stellen aufgeplatzt, an der Wand lehnt. Vor allem aber interessiert Berning der Entstehungsprozess. Um den zu verdeutlichen, steht eine große Holzkiste bereit. Der Besucher ist aufgefordert, ausrangierte Gegenstände oder Industriemüll darin abzulegen. Am Ende der Ausstellung wird die Künstlerin sich der Gegenstände annehmen und daraus Objekte fertigen, die der Kunstverein im Frühjahr 2016 zeigen wird.

Marion Gay

Bis 13. September, di-so 11 – 19 Uhr; Tel. 0251/46157; Kristina Berning bis 26. Juli; www.

westfaelischer-kunstverein.de

Quelle: wa.de

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