„Paradise“: Jugendreihe der Ruhrtriennale eröffnet

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Ein irrer König wacht: Szene aus „Paradise“ bei der Ruhrtriennale mit David Sterne. ▪

Von Edda Breski ▪ ESSEN–Viele gute Märchen beginnen vor einer Tür. An dieser, der Doppeltür eines grauen Kastens, hängt ein Schild „Bin in fünf Minuten wieder da“. Auf den Kasten sind zwei Federn gemalt. Hier beginnt in der Kohlenmischerei der Kokerei Zollverein Essen eine Phantasiereise für Kinder ab acht Jahren, in dem die britische Truppe „theatre-rites“ unter Regie von Sue Buckmaster die hohen Betonräume zum Schauplatz eines skurrilen Märchens macht. Mit „Paradise“ wurde die Jugendreihe der Ruhrtriennale eröffnet.

Scheu vor düsteren Bildern hat die Theatermacherin nicht. Sie greift auf kindliche Angstfiguren zurück – einen schwarzen Vogel, das Nichteingelassenwerden an einen vermeintlich schönen Ort. Dieser Ort ist das Reich eines Alten und seiner Tricks. Seinen ersten Auftritt hat er als echter Kopf einer Puppe im grauen Kasten, als bärbeißiger Türwächter – eine herrlich witzige Szene. Um in das Reich einzutreten, muss jeder eine weiße Feder haben. Buckmaster schickt eine Gruppe von „Pilgern“ auf die Reise. Führer geleiten das Publikum – nur 60 Menschen auf einmal – durch das Stück, hinter den Pilgern her. Jeder von ihnen spricht seine eigene Sprache, Englisch, Hindi, Italienisch oder Portugiesisch, und doch gibt es keine Verständigungsprobleme. Schön gespielt ist das, wenn die Gruppe von Ort zu Ort wandert (Bühne: Jeremy Herbert). Jeder muss dem anderen helfen, damit es weitergeht, das ist ein wichtiger Bestandteil des Stücks. Die Wanderer kommen zu einem irren König, der Holzkisten von einer Ecke in die andere räumen lässt. Sie räumen mit und befreien dabei einen weiteren Freund, der mit ihnen wandert. Die Mischung aus Marionettentheater und Tanz (Choreografie: Luca Silvestrini), Spiel und Musik (Nick Powell), Gesang und Licht (Anna Watson) nutzt die Räume, ihre Höhe und auch die Tiefe der Trichter. Glöckchen hängen von der Decke und werden von unsichtbaren Händen zum Klingeln gebracht. Die World Music-Sängerin Avivit Caspi füllt die Räume mit lang gehaltenen, zarten Tönen. Tief unten tanzen weiße Federn.

Die Stärke von „Paradise“ ist nicht die Geschichte, es sind die Bilder, die Szenerien, in die die Besucher einbezogen werden. Sie steigen in die Kohlenmischerei hinauf und wandern durch die Räume, sie stehen mit den Schauspielern vor verschlossenen Türen und werden einbezogen, wenn es darum geht, sie zu öffnen. Die Reise heraus aus dem Zauberreich führt in ein dunkles Zimmer: Hier hat Buckmaster einen ehemaligen Kohletrichter abdecken lassen mit einer Platte, Löcher lassen Licht von unten durch. Alle dürfen in das Quadrat voller Lichtsäulen treten, nach den Strahlen haschen und den magischen Widerschein an der Decke betrachten. Eine weitere zauberhafte Szene hat Buckmaster mit einem Wasser-Raum geschaffen: in einem künstlichen Wasserbecken steigen die Schauspieler von Stein zu Stein und haschen im Regen, der von der Decke fällt, nach Lichtpunkten.

7., 8., 9., 10., 11., 12., 14., 15., 16., 17., 18., 19.9.,

Tel. 07 00 / 20 02 34 56,

http://www.ruhrtriennale.de

Quelle: wa.de

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