„Papier trifft Plastik“ in Recklinghausen

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Eine Würfelskulptur von Alfons Kunen, zu sehen in der Kunsthalle Recklinghausen.

Von Marion Gay Recklinghausen -  Schwarze Linien durchziehen das Grau, darüber prangt ein Streifen Blau. Paul Hülsmanns Ölgemälde „Felsen im Hotzenwald“ (2001/13) zeigt die Landschaft als poetisch-abstrakte Formenkomposition. Die Arbeit gehört zur Ausstellung „Kunstszene Recklinghausen: Papier trifft Plastik – elf künstlerische Positionen“, zu sehen in der Kunsthalle Recklinghausen. Insgesamt sind es rund 160 überwiegend aktuelle Arbeiten, darunter Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken, Papierinstallationen und Kleinplastiken.

Die zunächst auf zehn Künstler beschränkte Ausstellung wurde nach dem unerwarteten Tod von Martin Grothusmann um dessen Papierarbeiten erweitert. Der 1956 geborene Künstler war nach dem Studium an der Kunstakademie Münster in seine Heimatstadt Recklinghausen zurückgekehrt und engagierte sich im Vestischen Künstlerbund. Zu sehen ist eine Auswahl Gouachen aus den 80er Jahren, abstrakte Kompositionen in intensiven Rot- und Blautönen.

Die vielseitige Schau ist nahezu ohne Konzept. Es gehe darum, einen Überblick über die aktuelle Kunstszene der Stadt zu geben und die einzelnen Werke miteinander in Dialog treten zu lassen, erklärt Kurator Hans Jürgen Schwalm. Einige der Künstler haben eine klassische Ausbildung zum Beispiel an der Kunstakademie Düsseldorf absolviert, andere kommen aus anderen Berufen und haben erst später mit der Kunst begonnen. So etwa der 1923 geborene Alfons Kunen, ursprünglich Ingenieur. Seine Zeichnungen und die kleinen Würfelskulpturen aus Aluminium sind mathematisch-reduziert. In der zehnteiligen Serie „Konstruktion mit den Primzahlen“ (2007) spielt er mit Variationen einer geometrischen schwarzen und einer roten Form, umgeben von viel Weiß. Reduziert auch die grafischen Arbeiten der 1963 geborenen Danuta Karsten. Filigrane Bleistiftlinien fügen sich zu Umrissen, die dicht an dicht gesetzten Formen erinnern an Häuser oder Inseln auf Landkarten.

Dagegen scheinen die plakativen Schwarz-Weiß-Drucke der Serie „Living in milk“ (2013) des 1975 geborenen James Larson eine Geschichte im Comicstil zu erzählen. Fische, Kraken, Autos und Menschen werden mit fetten schwarzen Buchstaben gemixt. So lehnt ein Hase an einer Musikcassette, aus der Zickzacklinien wie Flammen züngeln. Darunter die Wörter „Go Backwards“. Peter Wituckis geometrische Arbeiten aus MDF-Platten lassen sich an der Wand verschieben, das Quadrat gerät dabei aus der Form. Interessant auch Emmy Rindtorffs Buchobjekt „Galgenlied“ (2011), in dem sie ihre Acrylmalereien schamlos über architektonische Konstruktionszeichnungen setzt und mit Collagen kombiniert.

Ludger Hinse montiert seine zehn rundgeformten Edelstahlwülste auf hochglänzende Stahlpodeste („Kopfstäbe“, 2001). Das wirkt wie aufgespießte Köpfe, erinnert an mittelalterliche Hinrichtungsrituale oder auch an klassische Denkmäler.

bis 24. November, di – so 11 bis 18 Uhr; Tel. 02361/501935 www.kunsthalle-recklinghausen. de

Quelle: wa.de

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