Offenbachs „Banditen“ am Stadttheater Münster

Verbrecher mit Haltung: Szene aus den „Banditen“ in Münster mit Daniela Jungblut (Prinzessin), Fritz Steinbacher (Falsacappa), Melanie Spitau (Fiorella, von links). ▪

MÜNSTER - Wo bitte geht's zu den Millionen? Bei den „Banditen“ laufen alle durcheinander. Die Polizei trampelt durch die Räuberhöhle, die Räuber rennen dem Geld hinterher. Einer läuft mit Schmetterlingsnetz und Tropenhut über die Bühne im Großen Haus in Münster wie weiland Eddi Arent im Karl-May-Film. Orientierung hat eigentlich keiner in der Opéra bouffe von Jacques Offenbach, die in der Inszenierung des noch amtierenden Generalintendanten Wolfgang Quetes aufgeführt wird.

Von Edda Breski

Der Anfang hat Potenzial: Die Räuberbande hat sich in einem Italowestern-Ambiente eingerichtet. Man trägt Westernstiefel und weite Mäntel, man räkelt sich auf gigantischen Kisten zwischen Baumstämmen, die Höhle besteht aus einer reichlich luftigen Holzlatten-Verkleidung. Alles hat Sepiatöne. Wenn sich die Räuber ihrer Taten brüsten, kommt gleich der Fotograf. Ein Blitz, und sie sind in männlicher Pose festgehalten. Aber dann fällt Quetes zurück in jedes Operetten-klischee. Mädchen mit Bändern im Haar schwingen voluminöse Röcke; der Hauptmann des Herzogs von Mantua kommt als Napoleonkarikatur; ein Räuber läuft wie ein Gartenzwerg mit Laterne herum (Kostüme: Anke Drewes). Der Palast von Mantua besteht aus einem knallgoldenen Sofa, auf dem Frauen gruppiert sind, und aus einer notdürftigen klassizistischen Verkleidung des Lattengestells (Bühne: Manfred Kaderk). Hier sind alle Diebe, soll das wohl bedeuten, getreu dem Libretto. „Man muss immer seiner gesellschaftlichen Position entsprechend stehlen“, philosophiert Räuberhauptmann Falsacappa.

Der musikalische Esprit wird in lauen Bühnenwitzen eingefangen: Ein running gag besteht darin, dass Falsacappas Tochter Fiorella ihrem Erwählten Fragoletto (ursprünglich eine Hosenrolle) um den Hals fällt, was kein leichtes Unterfangen ist, weil der schmale Tadahiro Masujima der großen blonden Melanie Spitau kaum bis zur Nase reicht.

Es tut einem Stück nie gut, wenn man es von außen mit Moralinsäure übergießt. Leider ist Quetes nicht davor zurückgeschreckt, es mit Anspielungen auf Umtriebe an den Finanzmärkten zu garnieren. Es ist ganz lustig, wenn die Bande sich gewerkschaftlich organisieren will und mit großen Lettern auf alten Hemden ihre „Tividenten“ einfordert. Vollends überflüssig ist ein Monolog des Pietro (Peter Jahreis), der vor den Vorhang tritt und über die bösen Banken und Versicherungen lamentiert – da sei das Räuberleben doch ehrlicher. Damit wäre dann der letzte Dampf aus dem Stück genommen.

Musikalisch fällt vor allem Fritz Steinbacher mit seinem schönen, sicher geführten Spieltenor auf. Als Räubertochter Fiorella setzt Melanie Spitau ihre flexible Stimme sicher ein, sie tiriliert und trillert in der Auftrittsarie und wirft sich gestisch ins Spiel. Wenig auffällig sind Tadahiro Masujima und Youn-Seong Shim als Herzog von Mantua. Der Rest des Ensembles übernimmt die immer wechselnden Rollen, die Offenbach ins Spiel bringt – ein Kraftakt. Der Chor – einstudiert durch Karsten Sprenger – hat Mühe mit den schnellen Passagen.

Aus dem Orchestergraben kommt Erfreuliches: Thorsten Schmid-Kapfenburg hat mit dem Sinfonieorchester Münster an einem durchhörbaren Klang und spritzigen Effekten gearbeitet. Für ihn gibt es Applaus, für das Regieteam ein paar milde Buhrufe.

31.1., 5., 10., 16., 19., 22.2., 2., 4., 10., 16.3., 14.4., 22.5., Tel. 0251/ 59 09 100,

http://www.stadttheater.muenster.de

Quelle: wa.de

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