Objekte von Dorota Buczkowska im Glaskasten Marl

+
Fundsache im Museum: Dorota Buczkowskas Arbeit ist im Museum Glaskasten in Marl zu sehen. ▪

Von Marion Gay ▪ MARL–Eine Art geflecktes Kuscheltier liegt am Boden. Das Rückenfell ist aufgeplatzt, daraus quillt die rosa Stofffüllung. Das seltsame Objekt gehört zur Installation „Nicht alle Teile sind vollständig“ (2012), zu sehen in der gleichnamigen Ausstellung im Skulpturenmuseum Glaskasten in Marl. Die Arbeiten der polnischen Künstlerin Dorota Buczkowska, darunter Objekte, Zeichnungen und Videoarbeiten, werden erstmalig in einem deutschen Museum präsentiert.

Wolle und Samtstoffe, Lippenstifte, Rouge und Eyeliner – Buczkowskas verwendete Materialien sind weiblich und haben in der Kunstgeschichte keine Tradition. Schnell steht der Begriff „feministische Kunst“ im Raum. Aber Buczkowskas Werke lassen sich vielfältig deuten. So die Gruppe schwarzer Objekte, gestrickt aus grober Wolle. Auf den ersten Blick wirken sie wie ausrangierte oder missglückte Handarbeitssachen. Die kleineren Objekte wie Pudelmützen, die größeren wie ausgestopfte Pullover. Gleichzeitig jedoch wecken sie Assoziationen an Tiere, eine merkwürdige Herde unterschiedlich großer Lebewesen. Die Formation bleibt nicht am Boden, sondern klettert auch die Wände hoch. Diese Objekte sind kleiner und aus Gummi. Eine Metamorphose hin zu Käfern, Würmern oder Fliegendreck?

Die Arbeiten der 1971 in Warschau geborenen Künstlerin bewegen sich immer an der Grenze hin zum Ekel. So auch die etwa 40 Zeichnungen, die dicht an dicht gehängt wie eine flüchtige Materialsammlung erscheinen. Verzerrte Köpfe, Frisuren, manchmal ovale Formen, die wie Abdrücke von Gesichtern aussehen, manchmal nur abstrakte Farbflecken. Bemalt mit fetthaltigen Schminkfarben bekommen die Papiere einen Touch von benutztem Butterbrotpapier. Von hinten beleuchtet glänzen und schimmern die Fettspuren.

Das Objekt „Interror“ (2012), zusammengesetzt aus „terror“ und „interior“, besteht aus vielen grauen Kugeln, die von einer gummiartigen Oberfläche umschlossen sind. Im Laufe der Ausstellungszeit werden die Oberflächen nach und nach aufplatzen und verschiedene Stofffüllungen freigeben. Eine tickende Zeitbombe, eine Art lebendes Möbelstück, das den Bewohnern um die Ohren fliegen wird, im Versuch, sich selbst zu befreien und zu seiner ursprünglichen Form zurück zu finden.

Ähnlich auch die Videoarbeiten „Alibi“ (2011). Steine liegen im Bachlauf, permanent umspült von Wasser, dennoch fest und unbewegt. Nur ein Stein trudelt in der Strömung und wird schließlich mitgerissen. Erst bei genauem Hinsehen erkennt man, dass es sich um eine Art Attrappe aus Papier handelt. Hier hat das Wasser leichtes Spiel.

Bis 1.7., di – so 10 bis 18 Uhr,

Tel. 02365/ 992 257; http://www.marl.de/skulpturenmuseum

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare