Objekte und Bilder von Christian Adam in Beckum

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Kein Appetithappen: Christian Adams „Bananen-Hase“ (2007) ist in Beckum zu sehen. ▪

Von Marion Gay ▪ BECKUM–Drei Bananen in unterschiedlichen Verwesungsstadien. Im ersten Rahmen bereits schwarz vergammelt, aber mit goldenen Enden, bleiben zuletzt ein paar Krümel zwischen Goldbröckchen. Die Installation „Am Bsp. einer Deutschen Bank“ (2005) spricht für sich.

Unter dem Titel „Augen – Blick(t) – Mal“ präsentiert das Stadtmuseum Beckum rund 80 Arbeiten von Christian Adam. Die Bilder, Objekte und Installationen des in Neckargemünd lebenden Künstlers sind meist ironisch, oft an der Grenze zum Ekel. So wartet in der geöffneten Bananendose keine Pausenfrucht, sondern ein unappetitlicher Rest Fell („Bananen-Hase“, 2007). Fellreste tauchen häufig auf, aber nicht luxuriös und kuschelig, sondern manchmal noch mit Fleisch oder Krallen besetzt. Der „Gourmet-Tisch 1841/1995“ ist festlich mit weißem Porzellan, Gläsern, Servietten und Kerzenleuchtern gedeckt. Auf einer Silberschale liegt Obst. Das Tischtuch allerdings ist über und über mit Fellresten bekleckert. Das Festmahl entpuppt sich als Massaker, eine rücksichtslose Fressorgie.

Adam spielt mit Schock-Effekten. Seine Püppchen-Installationen sind lustig und provokant in ihrer derb-skurrilen Erotik, wie die Barbie mit üppiger Schambehaarung, auf einem Holzhobel reitend („Heißer Hobel“, 1996). Manchmal trägt er zu dick auf, wie beim Objekt „Damenwahl“ (1996): Der sexy geschnürte Stiefel bricht am Knie auf, gibt ein Büschel Fell frei. Gleichzeitig entpuppt sich das Unterteil des Stiefels als Beinprothese. Das Ganze sitzt auf einem Hocker, dessen drei Beine die Deutschlandfahne symbolisieren.

Gesellschaftskritik zeigt auch die Installation „Armut“, die aus einem Zelt und einigen wenigen existenziellen Dingen wie einem Kocher, einem Messer und dem dauerflackernden Fernsehgerät besteht.

Überraschend ist die Vielseitigkeit des 1941 geborenen Künstlers. Lässig stattet er banale Flohmarktfunde mit Technik aus, wie etwa den blau schimmernden Porzellanteller mit dem Porträt des Kaisers Wilhelm II, dem er einen Kopfhörer aufsetzt und ihn mit Marschmusik beschallen lässt.

Die großformatigen Bilder der Serie „MBO – Makrobiologische Organismen“ (1990 – 2006) zeigen ein Chaos von kleinteiligen Formen auf gesprenkeltem Untergrund. Das erinnert an außer Kontrolle geratene Sternenhimmel, an Bakterien unter dem Mikroskop oder auf dem Teppich entleerte Spielzeugkisten. Spannend wird es, wenn Adam diese Motive zerknüllt und willkürlich aneinander tackert, sodass informelle Reliefbilder entstehen. Hier scheint das Chaos komplett, und dennoch ergibt sich eine rhythmische Ordnung von Farben und Formen.

Bis 8.7., di – so 9.30 – 12.30 und 15 – 17, sa 15 – 17 Uhr; Tel. 02521/ 29264,

http://www.beckum .de

Quelle: wa.de

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