Oasis minus Noel: Liam Gallagher startet Beady Eye

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„Beady Eye“ (v. li.): Gem Archer, Chris Sharrock, Andy Bell und Liam Gallagher.

Die Stunde Null im Hause Gallagher ist überwunden, und zumindest Liam, ehemaliger Sänger von Oasis hat sich mit seiner Band Beady Eye neu aufgestellt. Mit „Different Gear, Still Speeding“ hat die Band ihr erstes Album vorgelegt. Was aber hat sich geändert, seit dem Zerwürfnis mit Bruder Noel im August 2009? Gibt es überhaupt eine neue Band, oder sind Beady Eye nur Oasis unter anderem Namen?

Von Frank Osiewacz

Ist man ehrlich, hat sich nicht viel geändert. Liam Gallagher (38) verkündet mit der gleichen Selbstsicherheit in diversen Interviews – unter anderem im britischen Q Magazine und im deutschen Rolling Stone –, wie großartig seine neue Band sei. Wen wundert es also, dass nach seiner Aussage Eltern ihre Kinder in einem Jahr „Beady Eye“ nennen würden? Aber vielleicht redet das Standesamt ja noch ein Wort mit.

Beady Eye sind letztlich mit Gem Archer (44, Gitarre, früher Heavy Stereo), Andy Bell (40, Gitarre, früher Ride und Hurricane #1) und Chris Sharrock (46, Schlagzeug, früher The Icicle Works, The La‘s) die große Mehrheit von Oasis in ihrer letzten Besetzung. Eigentlich nur Oasis minus Noel.

Doch das „Minus“ scheint auf die Band wie eine große Befreiung zu wirken. Im Nachhinein wurde zur Oasis-Trennung viel schmutzige Wäsche gewaschen. Details gelangten bereitwillig an eine Öffentlichkeit, die sie nicht verdient hatte. Nun sagt Liam Gallagher: „Ich hatte einige der besten Abende meines Lebens, als ich vorab das Album gehört habe. Hätten wir das bei Freunden per Video aufgezeichnet, wäre es wie in Quadrophenia gewesen.“

Musikalisch neu ist auf „Different Gear, Still Speeding“ weniges. Die Band versucht als geschlossene Einheit aufzutreten und ihr Output nicht einem Mastermind zu unterstellen. „Wir kennen jeder unseren eigenen Song, aber am Ende sind sie alle unsere Songs als Gesamtheit. Das ist die Herangehensweise“, sagt Gitarrist Gem Archer. Musik im Kollektiv, wie sie unter der Regie von Noel Gallagher offensichtlich nicht möglich war.

Entstanden ist das Album in der Obhut des Star-Produzenten Steve Lillywhite (U2, The La‘s, The Smiths). Vieles ist live im Studio entstanden. Im Gegensatz zu endlosen Oasis-Sessions waren diesmal für die meisten Stücke nur vier oder fünf Takes erforderlich. „Different Gear, Still Speeding“ klingt dennoch bemüht anders. Es wird die Welt nicht bewegen, wie einst das Oasis-Debüt. Das Repertoire aus Zitatpop reicht von den Kinks über John Lennon bis T. Rex. Es scheint, als wollten „Beady Eye“ der Pop-Welt zeigen, das sie bewusst „anders“ sind. Liam Gallaghers Gesang grenzt sich deutlich vom Oasis-Duktus ab und die Stückfolge ist auf Abwechslung gebürstet. Auf den Brachialeinstieg „Four Letter Word“ folgt mit „Millionaire“ inhaltlich ein Kunstthema und mit „The Roller“ darauf eine Anlehnung an John Lennons „Instant Karma“. In „Beatles and Stones“ versucht die Band, ihre eigene Unsterblichkeit in Akkorde und Textzeilen zu gießen: „Wir werden die Zeit überdauern, wie die Beatles und Stones“. Und in „The Beat Goes On“ machen sie sich selbst Mut: „Das ist nicht das Ende der Welt, nicht mal das Ende des Tages“. Am Ende des Tages steht kein großartiges, aber ein immer noch hörenswertes Album.

14. März, Köln, E-Werk

Quelle: wa.de

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