Norbert Thomas stellt in Wuppertal aus

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Norbert Thomas vor seinem Bild „Wuppertal“ in der Kunsthalle Barmen in Wuppertal.

WUPPERTAL - „Kein Zufall ist ohne Methode. Keine Methode ist ohne Zufall.“ Unter diesem Motto steht die retrospektive Ausstellung mit dem Titel „Kein Zufall“ mit fünfzig Arbeiten von Norbert Thomas in der Von-der-Heydt-Kunsthalle in Wuppertal-Barmen. Die Bilder, Wandobjekte und Skulpturen stammen aus den letzten vierzig Jahren. Die Schau ist ein Kooperationsprojekt mit dem Museum im Kulturspeicher Würzburg. Der Essener Künstler, geboren 1947 in Frankfurt, ist Vertreter der konkreten Kunst. Sein Werk steht in der ungegenständlichen Tradition, die in der niederländischen De-Stijl-Gruppe um Theo van Doesburg ihren Ursprung haben.

Zu sehen sind vor allem Bilder mit Linien und geometrische Formen, die nur auf den ersten Blick streng geordnet sind. Beim näheren Hinsehen lassen sich minimale Verschiebungen, kleine Überlagerungen, winzige Unregelmäßigkeiten erkennen. Thomas arbeitet nach einem System, das er 1970 während des Studiums an der Hochschule für Künste in Kassel entwickelte. Er benutzt ein Zettelkästchen mit Karten, auf denen er die Angaben für seine Konstruktionen findet. Zahlen von eins bis 360 bestimmen die Winkel der Linien, andere geben die Farbe vor.

So zeigt die Arbeit „system 4/ 1-7“ von 1973 Strukturen von Kästchen, die an das Muster auf einem Rechenblatt erinnern. Hier variieren die Linienstärken. Die dicken und dünnen Linien ergeben einen Rhythmus, kurze Linien verbinden sich mit anderen und treten aus dem Geflecht als dunkle Stränge hervor.

Farbe benutzt Thomas spärlich und nur, um Linien voneinander abzugrenzen. Wie bei der großformatigen Wandarbeit „Wuppertal“ (2015), die aus schwarzen und roten Linien und Formen besteht. Auch wenn die Gitterstruktur an die Konstruktion der Wuppertaler Schwebebahn erinnert, trägt die Arbeit nur deshalb den Stadtnamen, weil es das neueste Werk der Ausstellung ist. Der Künstler ist seit 25 Jahren Professor an der Bergischen Universität in Wuppertal.

Die gezackten Stahlskulpturen wirken wie deformierte Geländer oder Zeltkonstruktionen. Entstanden streng nach Methode sind sie aber doch nur Werk des Zufalls. Oder etwa nicht? Genau um diese Frage dreht sich alles. „Die Anwendung des Zufalls kann noch so zufällig sein“, erklärt Thomas, „es wird immer in einem gerichteten Vorgehen stattfinden.“ Infolgedessen ist kein Zufall zufällig.

Das rote Wandobjekt „System“ (2012) wirkt wie das Fragment einer Baukonstruktion und dennoch ausbalanciert. Während Thomas früher die Ergebnisse seiner Methode grundsätzlich akzeptierte, geht er mit seinem System inzwischen etwas freier um. Wenn die Linien zu unharmonisch geraten, werden sie aussortiert, ein neues Kärtchen gezogen, die Konstruktion wird geändert.

Marion Gay

ab So. bis 24. April, di bis so 11 – 18 Uhr, Katalog

15 Euro, Tel. 0202/56 36 571,

www.von-der-heydt-

kunsthalle.de

Quelle: wa.de

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